"Verpennt" - Schalke ärgert sich über die verpatzte erste Halbzeit

Kapitän Benedikt Höwedes kann's nicht glauben: Schalke ist in der Champions League gescheitert.
Kapitän Benedikt Höwedes kann's nicht glauben: Schalke ist in der Champions League gescheitert.
Foto: Federico Gambarini / dpa
Was wir bereits wissen
Schalke 04 scheiterte in der Champions League bereits im Achtelfinale. Im Rückspiel gegen Galatasaray Istanbul verschliefen die Königsblauen die erste Hälfte und verloren auch deshalb mit 2:3 (1:2). Wir haben die Schalker Stimmen zum Spiel gesammelt.

Gelsenkirchen.. Jens Keller (Trainer FC Schalke 04): "Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit verloren. Ich habe im Moment keine Erklärung dafür, warum wir eine erste Halbzeit gespielt haben, wie wir sie schon vor Wochen gespielt haben. Jeder hat gemeint, es ginge mit fünf Prozent weniger. Die zweite Halbzeit war richtig stark. Unterm Strich darf man nicht vergessen, welche Ausfälle wir hatten."

Horst Heldt (Manager FC Schalke 04): "Wir sind alle sehr, sehr enttäuscht. In der Champions League muss man vier Halbzeiten Top-Leistung bringen, um das Viertelfinale zu erreichen. Wir sind bestraft worden, weil wir eine dieser vier Halbzeiten nicht gut bestritten haben. Ich glaube - ohne das durch die blau-weiße Brille zu sehen - wir hätten es es schaffen können, in die nächste Runde zu kommen. Aber das ist das Geschäft. Es gibt sehr, sehr schöne Momente, wie am Wochenende im Derby gegen Dortmund. Aber das ist sehr schnell wieder vergessen, weil der heutige Tag ein bitterer Tag für uns ist. Wir hatten gute Chancen, weiterzukommen und haben es einfach verbockt. Jetzt sind wir raus. Schade. Wir müssen versuchen, uns zu stabilisieren, die Köpfe nach oben zu kriegen, auf die Bundesliga zu konzentrieren. Da müssen wir wieder nach vorne marschieren."

Heldt über die Gründe für die Niederlage: "Wir hatten in der ersten Halbzeit nicht den Zugriff, den wir in den Spielen davor hinbekommen haben. Die Gegentore waren unnötig. Beim Ausgleich hat der Schiedsrichter ein Foul gesehen, das nur er gesehen hat. Trotzdem dürfen wir das Tor nicht bekommen. Beim zweiten verlieren wir den Ball in der Vorwärtsbewegung. Da haben wir uns dumm angestellt."

Heldt über die Psyche der Spieler nach dem Champions-League-Aus: "Natürlich müssen wir uns jetzt wieder aufrichten. Doch heute Abend hat dafür keiner mehr die Kraft. Jetzt muss jeder versuchen, damit zurechtzukommen und damit umzugehen. Jeder muss das für sich Revue passieren lassen. Du kommst sowieso nicht in die Köpfe der Spieler rein."

Champions League Benedikt Höwedes (Kapitän FC Schalke 04): "Die Enttäuschung ist schon groß, weil wir heute die bessere Mannschaft waren. Die erste Halbzeit haben wir verschlafen. Wir sind überhaupt nicht richtig ins Spiel gekommen. Wir waren nicht bereit, Extra-Meter zu machen, haben zwei Tore kassiert, die klar zu verteidigen und zu verhindern sind. Ich habe letzten Samstag noch gesagt, dass wir nicht nachlassen dürfen. Genau das hat mir in der ersten Halbzeit gefehlt: die Gier, erfolgreich zu bleiben. Das ist unheimlich bitter. In der zweiten Halbzeit haben wir dann unheimlich viel investiert und hatten zahlreiche Möglichkeiten. Wir haben uns vorzuwerfen, dass wir in der ersten Halbzeit nicht das abgerufen haben, was uns in den letzten Wochen stark gemacht hat."

Höwedes über das 1:1: "Wir waren nicht bereit, in der eigenen Hälfte konsequent zu verteidigen. Das erste Tor darf zum Beispiel niemals fallen, weil wir in der Situation eine klare Zuteilung hatten. So ein Schuss muss einfach geblockt werden. Das ärgert mich."

Höwedes über das unglückliche 1:2: "Der Pressschlag, der auf Burak Yilmaz geht, war eine total unnötige Situation. Wir haben selber den Ball, überhaupt keine Bedrängnis, den Ball zu spielen, spielen ihn aber trotz zwei, drei Mann Überzahl so, dass wir in einen Pressschlag geraten. Dadurch komme ich in ein Laufduell mit Burak, versuche den Ball soweit zu blocken, dass Timo Hildebrand aus dem Tor kommen kann. Er kommt auch, ich habe ihn im Augenwinkel gesehen - aber er kommt leider nicht an den Ball. Ich habe gedacht, dass er einen Schritt mehr macht - aber das soll keine Schuldzuweisung an Timo sein. Wir sehen beide nicht gut aus - und Burak hat einfach seinen Fuß in der Situation richtig hochgehoben."

Champions League Höwedes über die Aufstellung von Galatasaray: "Wir haben mit einer anderen Aufstellung gerechnet, haben Sneijder nicht auf der 10 erwartet. Wir haben nicht so die Mittel gefunden, dagegen zu agieren. Wir haben keine Anspielstationen gefunden."

Höwedes über die Leistung von Galatasaray: "Wir wussten, dass Galatasaray eine gute Mannschaft ist - aber auch eine schlagbare Mannschaft. Wir waren in beiden Spielen besser - aber so ist Fußball. Fußball ist manchmal nicht gerecht. Dass Galatasaray im Viertelfinale steht, hat nichts mit Cleverness von Galatasaray zu tun. Wir haben Galatasaray zu Toren eingeladen."

Höwedes über die Ziele in der Saison 2012/2013: "Volle Konzentration auf die Liga, dass wir wieder die Champions League erreichen, auch wenn es nur über den vierten Platz sein sollte."

So denken Höger, Matip, Neustädter, Draxler und Hildebrand über das Champions-League-Aus

Marco Höger (FC Schalke 04): "Ausschlaggebend war die erste Halbzeit. Die haben wir verpennt. Auch wenn wir nicht gut anfangen, gehen wir mit 1:0 in Führung. Wir haben alles in der Hand. Das müssen wir besser ausspielen. Danach machen wir es dem Gegner zu leicht. Wir pennen vor dem 1:1 beim Freistoß, der kurz ausgeführt wird. Dann bekommt Galatasaray auswärts eine breite Brust, spielt mit mehr Selbstvertrauen. Das zweite Tor war aber auch ein einfaches Gegentor. Das darf einfach nicht passieren. In der zweiten Halbzeit haben wir es besser gemacht, aber es hat nicht gereicht. Die Fehler, die wir vor den ersten beiden Toren machen - das dritte nehme ich mal raus - werden international bestraft. Das haben wir bitter zu spüren bekommen."

Joel Matip (FC Schalke 04): "Wir haben es in der ersten Halbzeit verspielt. Das ist bitter. Wir sind niedergeschlagen."

Roman Neustädter (FC Schalke 04): "Wir sind ausgeschieden - und das wird sicher ein, zwei Tage in den Köpfen sitzen. Es ist bitter, aber wir können es nicht mehr ändern. Jetzt können wir uns auf die Bundesliga konzentrieren. In der ersten Halbzeit haben wir zwei dumme Gegentore kassiert. Danach haben wir uns gefangen und gezeigt, dass wir kämpfen können."

Champions League Julian Draxler (FC Schalke 04): "Galatasaray ist der glückliche Sieger. Das ist sehr bitter. Wir gehen aber trotz der Niederlage mit erhobenem Haupt vom Platz. In der ersten Halbzeit sind wir gar nicht ins Spiel gekommen, haben sie total verschlafen. Wir hatten zu viel Respekt. Galatasaray hat sehr viel Qualität und unsere Fehler eiskalt ausgenutzt. Dafür haben wir Galatasaray in der zweiten Halbzeit stark unter Druck gesetzt. Da haben wir gezeigt, wozu wir imstande sind."

Timo Hildebrand (FC Schalke 04): "Ich bin enttäuscht. Ich hätte gern noch zwei Champions-League-Spiele gemacht. Nun haben wir nur noch die Bundesliga. Wir sind Tabellenvierter, können uns auf die Liga konzentrieren. Wir wollen den Abstand nach hinten vergrößern. Wenn wir zweimal verlieren, rutschen wir wieder auf Platz acht oder neun ab - und das will keiner. Aber jeder von uns will wieder Champions League spielen."

Hildebrand über die ersten beiden Gegentore: "Vor dem ersten Gegentor waren wir beim Querpass unaufmerksam - und das wird in der Champions League bestraft. Beim zweiten Tor bin ich etwas zu unentschlossen. Vom Gefühl war ich sehr weit draußen, ich wollte keine Rote Karte riskieren."

So analysiert Galatasaray-Trainer Fatih Terim das Spiel

Fatih Terim (Trainer Galatasaray Istanbul): "Wir haben in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt und die Partie dominiert. Schalke hat eine sehr gute Mannschaft, davor habe ich großen Respekt. Ich denke aber, dass wir mehr Chancen hatten. Viele Teams in der Champions League haben im gesamten Spiel fünf bis sechs Möglichkeiten, wir hatten die in einer Halbzeit. Im zweiten Durchgang war Schalke natürlich drückend, aber das ist auch selbstverständlich. Ich bin froh, dass wir einen sehr guten Gegner ausschalten konnten und wünsche den Schalkern von Herzen alles Gute und viel Erfolg."