So sieht Norbert Nigbur die Schalker Misere

Schalke-Legende Norbert Nigbur zählt zum Kreis unserer Kolumnisten.
Schalke-Legende Norbert Nigbur zählt zum Kreis unserer Kolumnisten.
Foto: Bernd Lauter / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Schalkes Jahrhundert-Torwart Norbert Nigbur beleuchtet in seiner WAZ-Kolumne die Misere auf Schalke. Es gibt für die Krise viele Gründe - und manches fällt auch in den Verantwortungsbereich von Manager Horst Heldt.

Gelsenkirchen.. Wer die Schuld an der gegenwärtigen Misere auf Schalke trägt, ist für Außenstehende nur schwer zu beurteilen. Man ist nicht in die internen Abläufe involviert, kennt nicht die Anweisungen des Trainers oder die Gründe, die zu dieser oder jener Spielerverpflichtung geführt haben. Aufgefallen ist mir aber: Früher hatte Schalke eine intakte Mannschaft – jetzt ist durch einige Neuverpflichtungen offenbar ein kleiner Riss entstanden.

Ich glaube, dass die Qualität der Mannschaft, von der man auf Schalke immer spricht, nicht mehr so groß ist wie vor einigen Jahren, als es noch Leute wie Bordon auf dem Platz gab. Mit den Einkäufen hatte man zuletzt nicht nur Glück – ich nenne jetzt nur Obasi. Das kann passieren, aber letztlich fällt es auf denjenigen zurück, der den Spieler geholt hat – also den Manager.

Ein anderes Beispiel ist Boateng, der zwar eine große Klasse hat, aber auch sehr verletzungsanfällig ist. Ich gehe davon aus, dass man das vor der Verpflichtung geprüft und gewusst hat – dann darf man sich also nicht wundern, dass er nicht immer helfen kann. Aber vielleicht hätte Schalke einen solchen Spieler ohne dessen Verletzungsanfälligkeit auch gar nicht bekommen. Ob man diesen Transfer dann macht, muss der Manager abwägen.

Anderbrügge-Kolumne Die Verletzungsmisere ist aus meiner Sicht das zweite große Manko. Viele Spieler haben sich in der Vergangenheit im Training verletzt – das kann man mit Pech erklären, aber vielleicht stimmte auch etwas bei der Trainingsvorbereitung nicht. Wenn man die Äußerungen von Roberto Di Matteo zwischen den Zeilen liest, hört man heraus, dass er eine Mannschaft übernommen hat, die nicht absolut fit ist. Jens Keller kann man zwar zugute halten, dass er sich in der Saisonvorbereitung aufgrund der vielen Verletzten durchwurschteln musste. Aber wenn die Mannschaft nicht fit ist, trifft das indirekt auch den Manager, der ja früher selbst ein guter Fußballer war und sicher das Gefühl hat, ob genug trainiert wird. Aber auch die Spieler hätten zum Manager gehen können, wenn beim Training etwas nicht gestimmt hat.

Unter diesen Voraussetzungen ist es eine schwierige Frage, ob man das Ding in den Spielen vor der Winterpause noch drehen kann. Der Neuanfang mit Di Matteo kann für mich erst in der Winterpause richtig beginnen. Vielleicht kann man da auch personell nochmal nachlegen. Einen Typen wie den heutigen Gladbacher Traore, der ja im Frühjahr zu haben war, hätte ich gerne auf Schalke gesehen.

Glückauf.