So funktioniert Di Matteos Beton-Abwehr auf Schalke

Was wir bereits wissen
Die Königsblauen verteidigten beim 1:0 über Borussia Mönchengladbach exzellent. Wir erklären, warum die Defensivarbeit von S04 so gut funktioniert.

Gelsenkirchen.. Lucien Favre ist einer der gewieftesten Taktiker unter den Trainern in der Fußball-Bundesliga. Am Freitagabend musste der Coach von Borussia Mönchengladbach nach der 0:1 (0:1)-Niederlage beim FC Schalke 04 aber anerkennen, dass er diesmal den Gegner nicht knacken konnte. "Die Schalker haben defensiv sehr gut gespielt, waren sehr gut organisiert. Sie sind hinten sehr athletisch und körperlich sehr präsent", erklärte Favre.

Das war ein großes Lob für Schalkes Trainer Roberto Di Matteo. Während es Jens Keller in seinen zwei Jahren als S04-Coach nicht gelungen war, eine Spielidee zu entwickeln, benötigte Di Matteo dafür nur vier Monate. Schön ist das Konzept des Italieners nicht immer - aber erfolgreich. Schalke hat sich im oberen Tabellendrittel festgesetzt. Nach dem Spiel erklärten Di Matteo, Manager Horst Heldt und die Spieler, warum Schalkes Beton-Abwehr im Moment so gut steht.

1. 5-3-2-System

Die Schalker sind bei gegnerischem Ballbesitz sehr gut organisiert - das kann jeder im Stadion sehen. Fünf Spieler bilden die Abwehrkette, davor greifen drei Mittelfeldspieler und zwei Stürmer energisch den ballführenden Spieler an. "In diesem System sind die Abläufe bei uns am besten einstudiert", erklärt Jan Kirchhoff. Gladbachs Trainer Favre sagt: "Sie sind zu fünft hinten, da ist es sehr schwer, gegen sie zu spielen."

2. Geringe Abstände, um das Spielfeld klein zu halten

Doch nicht nur die Ketten sind wichtig, sondern auch die Abstände zwischen Abwehr, Mittelfeld und Sturm. "Uns macht stark, dass wir supergute Abstände haben. Wir schaffen es, das Spielfeld sehr, sehr klein zu halten. Unsere letzte Linie steht 20, 30 Meter hinter den Stürmern. So schaffen wir es, den Gegner von unserem Tor fernzuhalten", sagt Kirchhoff. Und wenn die Schalker für den Geschmack ihres Trainers zu weit hinten stehen, gibt's von Di Matteo zwei, drei kurze Pfiffe - und direkt verschieben die Schalker perfekt.

Einzelkritik 3. Ballbesitz ist nicht so wichtig

Bayern-Trainer Pep Guardiola predigt Ballbesitz-Fußball - Di Matteo tickt da anders. Drei Beispiele: In den drei Rückrundenspielen gegen Hannover 96 (40 Prozent Ballbesitz), Mönchengladbach (35 Prozent) und beim FC Bayern (41 Prozent) genügte S04 wenig Zeit mit dem Ball, um sieben Punkte zu holen. Auch auf das vom BVB bis zum Ende der vergangenen Saison perfekt präsentierte Gegenpressing legt Di Matteo keinen Wert. "Unser System ist nicht darauf ausgelegt, Pressing in der gegnerischen Hälfte zu spielen", sagt Kirchhoff. Und wenn sich der jeweilige Gegner vor den elf verteidigenden Schalkern rund um den Mittelkreis fast endlos den Ball zuspielt, findet das Di Matteo nicht schlimm. Kirchhoff: "In diesen Bereichen ist der Gegner nicht gefährlich. Diese Räume tun uns nicht weh." Ob Hannovers Trainer Tayfun Korkut, Pep Guardiola oder Lucien Favre: Alle betonten, ihre Teams hätten das Spiel kontrolliert. Schlagen konnten sie Schalke nicht.

4. Laufen, laufen, laufen, laufen

Nach der Rückkehr aus dem Trainingslager in Katar quälte Di Matteo seine Spieler in Gelsenkirchen in anstrengenden Laufeinheiten. Trotz der englischen Woche liefen die elf Schalker am Freitagabend 122,4 Kilometer - ein toller Wert. "Unser System ist laufintensiv und erfordert viel Arbeit. Aber gerade zahlt es sich aus", sagt Kirchhoff, der in der Zentrale gesetzt ist, mal in der Fünferkette hinten, mal im Dreier-Mittelfeld. "Hinten ist man eher derjenige, der in die Tiefe gespielte Bälle abläuft und die beiden anderen Innenverteidiger absichert. Im Mittelfeld sind die Wege weiter. Man ist für Balleroberungen und Zweikämpfe zuständig", sagt er.

20. Spieltag 5. Sehr gutes Mannschaftsgefüge

Oft bestanden Schalke-Teams aus elf Einzelspielern. Manager Horst Heldt bezeichnete das Team nach dem 1:0 gegen Gladbach nun als "verschworenen Haufen". Di Matteo fügte hinzu: "Die Mannschaft hatte einen super Kampfgeist, einen totalen Siegeswillen." Und Kapitän Benedikt Höwedes ergänzt: "Es ist vielleicht nicht das größte Feuerwerk für die Zuschauer. Aber sie sehen, dass sich alle in jeden Zweikampf reinschmeißen, dass füreinander gearbeitet wird. Das ist das, wofür Schalke steht." Und auch Jan Kirchhoff hebt das hervor: "Jeder freut sich für den anderen, jeder macht Meter für den anderen."

6. Das richtige Personal - Matip und Nastasic sind da

Di Matteo hat seine ideale Abwehrbesetzung gefunden. Die drei Innenverteidiger dürften langfristig Benedikt Höwedes (rechts), Joel Matip (Mitte) und Matija Nastasic (links) sein. Neuzugang Nastasic, erst seit vier Wochen ein Schalker, wirkt unfassbar souverän. "Matija spielt trotz seines Alters wie ein erfahrener Mann. Auch die Rückkehr von Joel Matip hat uns sehr geholfen. Die drei hinten mit Höwedes, Matip und Nastasic - das ist eine gute Abwehr für Schalke", sagt Di Matteo. Auch die Außenspieler Christian Fuchs (links) und Atsuto Uchida (rechts) sind wichtig. Fuchs, mehrfach abgeschrieben, ist gesetzt. "Das System ist Christian wie auf den Leib geschnitten. Er hat hinten eine Absicherung und kann sich vorn einschalten", sagt Heldt.

Auf Dauer nur mit 1:0 zu gewinnen, dürfte die Fans aber nicht erfreuen. Horst Heldt glaubt, dass mehr Tore fallen, wenn die verletzten Spieler zurückkehren. "Wir bedauern alle, dass Jefferson Farfan, Julian Draxler und Leon Goretzka nicht zur Verfügung stehen. Das sind Leute, die für die Kreativität den Unterschied ausmachen können", sagt Heldt. Den gesperrten Klaas-Jan Huntelaar zählte Heldt gar nicht erst auf.