Schalkes Trainer André Breitenreiter setzt auf zwei interne Zugänge

1. FC Koeln v FC Schalke 04 - Bundesliga
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Was wir bereits wissen
  • Schalke-Trainer Breitenreiter plant die neue Saison bereits mit dem neuen Manager Christian Heidel.
  • Für die kommende Saison plant er mit zwei internen Neuzugängen.
  • Zudem schaut Breitenreiter schon auf das Derby gegen den BVB voraus.

Gelsenkirchen.. André Breitenreiter kommt in der Mittagspause zum Interview, am Nachmittag steht noch eine zweite Trainingseinheit an. Nach Ostern wird auf Schalke wieder in die Hände gespuckt, die Königsblauen bereiten sich auf den Endspurt in der Bundesliga vor: FC Ingolstadt (am Samstag, 15.30 Uhr/Live bei uns im Ticker), Borussia Dortmund, Bayern München und Bayer Leverkusen sind die nächsten Aufgaben. Zuvor zieht Schalkes Trainer im Exklusiv-Interview Bilanz: Breitenreiter spricht über Entwicklungen und Kritik.

Herr Breitenreiter, ein Ziel für die Rückrunde war es, mehr Punkte zu holen als in der Hinrunde. Jetzt ist eine gute Gelegenheit: Aus den kommenden vier Spielen gab es in der ersten Serie nur zwei Punkte.

André Breitenreiter: Ich habe mal nachgeschaut: Wir haben bis jetzt in der Rückrunde 17 Punkte geholt - wissen Sie, wie viele Punkte wir zum gleichen Zeitpunkt der Hinrunde hatten?

19 – wir haben auch nachgesehen.

Kolasinac Breitenreiter: Genau. Die Punktezahl ist fast identisch. Dabei hatten wir im Sommer den besten Saisonstart seit 44 Jahren. In den nächsten Spielen wollen wir nun Punkte gegenüber der Hinserie gutmachen.

Wie sehen Sie bisher die Entwicklung in der Rückrunde?

Breitenreiter: Auch wenn ich weiß, dass Ergebnisse das Maß aller Dinge sind, ist für mich als Trainer immer wichtig, dass man Fortschritte erkennt: Was haben wir von den Trainingsinhalten umgesetzt, wie können wir einzelne Spieler individuell verbessern und wie das Mannschaftsspiel? Da haben wir in der Rückrunde eindeutig Schritte nach vorne gemacht.

Was meinen Sie konkret?

Breitenreiter: Wir haben uns, abgesehen von zwei, drei Spielen, deutlich mehr Chancen herausgespielt, die Flankenqualität verbessert, taktische Elemente zur Spieleröffnung eingebaut und es geschafft, dass die Spieler sich in verschiedenen Systemen wohlfühlen.

In den Ergebnissen hat sich das aber nur bedingt niedergeschlagen.

Breitenreiter: Leider haben wir in manchen Spielen unsere Torchancen nicht verwertet: zum Beispiel gegen Bremen oder beim Hinspiel in Donezk, wo wir so viele Möglichkeiten hatten, um fast schon den Einzug in die nächste Runde der Europa League perfekt zu machen. Das Rückspiel war ein Rückschlag, aber zugleich auch wieder ein Wendepunkt, um die Mannschaft dafür zu sensibilisieren, welche Gier und Eigenmotivation sie an den Tag legen muss. Und ich finde, dass die Jungs gerade nach dem Aus gegen Donezk eine gute Reaktion gezeigt haben, indem sie sieben Punkte aus den nächsten drei Spielen geholt haben. Das war keine Selbstverständlichkeit, weil einzelne Medien bereits wieder versuchten, schlechte Stimmung hereinzutragen und wieder eine Situation ähnlich wie in der letzten Saison herbeizureden. Dagegen hat sich die Mannschaft jedoch gewehrt, hat Teamgeist gezeigt, ist gegen Widerstände angegangen. Gegen Hamburg haben wir zum Beispiel zum ersten Mal in dieser Saison einen Rückstand in einen Sieg umgedreht. Darum geht es: Prozesse anzustoßen, um sukzessive besser zu werden.

Gute Entwicklung bei Schöpf und Belhanda

Wie sehen Sie die Entwicklung einzelner Spieler?

Breitenreiter: Beide Neuzugänge, die wir in der Winterpause geholt haben, sind Nationalspieler geworden. Alessandro Schöpf hat natürlich großes Talent mitgebracht, aber erst hier hat er den Schritt gemacht, um zu seiner Nationalmannschaft eingeladen zu werden. Und auch Younes Belhanda ist nach zwei Jahren Abwesenheit wieder in die Nationalelf zurückgekehrt. Das erreicht man nicht durch Stagnation, sondern durch Weiterentwicklung.

Dennoch ist die Euphorie, die zu Saisonbeginn zu spüren war, verflogen. Erschwert das die Arbeit?

Breitenreiter: Die Unterstützung unserer Fans genießen wir zu 100 Prozent. Ich denke nicht, dass die schlechte Stimmung hineintragen wollen. Teile der Medien versuchen allerdings, das Negative in den Vordergrund zu stellen, und das erschwert unsere Arbeit.

Also wird auf Schalke kritischer hinterfragt?

Breitenreiter: Es heißt ja immer: Das ist Schalke, das macht diesen Verein aus. Aber ich wehre mich dagegen, weil ich der Überzeugung bin, dass es mit Geduld noch erfolgversprechender laufen könnte. Wir dürfen das nicht zu sehr an uns heranlassen und müssen unseren Weg wie bisher weitergehen.


I Bierdusche n der Hinrunde haben Sie vor den Spielen gegen Dortmund und Bayern von Bonusspielen gesprochen. Würden Sie diesen Begriff noch einmal gebrauchen?

Breitenreiter: Ich wäge nicht jedes Wort vorher fünfmal ab, damit ich nichts möglicherweise missverständlich ausdrücke. Ich bin ebenso niemand, der allen nach dem Mund redet. Jeder, der gesehen hat, wie sich die Mannschaft in Dortmund präsentierte, konnte erkennen, dass wir mit Sicherheit nicht die weiße Fahne gehisst haben. Natürlich möchten wir den BVB nun auf Schalke am liebsten schlagen, aber ich muss trotzdem feststellen dürfen, dass sie ein paar Schritte weiter sind – genauso wie Bayern München.

Mit wem sehen Sie sich auf Augenhöhe? Leverkusen, Gladbach, Wolfsburg?

Breitenreiter: Diese drei Mannschaften haben Champions-League-Kader, und dennoch stehen wir in der Tabelle derzeit vor ihnen. Wir haben eine sehr junge Mannschaft, beim Spiel gegen Mönchengladbach hatten unser Mittelfeld und Angriff einen Altersschnitt von 21,1 Jahren. Man hat gesehen, dass da nicht alles funktionieren kann, wenn man gegen erfahrene Männer spielt. Wir haben uns nicht getraut, gegen Stindl und Raffael in die Zweikämpfe zu gehen, und das darf nicht sein. Das war unser Problem an diesem Abend gegen Mönchengladbach.

Ihr Ansatz vor der Saison war ja, Offensivfußball mit Leidenschaft spielen zu lassen, und zum Teil hat man den ja auch gesehen. Was fehlt, ist die Konstanz. Wann, glauben Sie, ist die Mannschaft soweit, diese Konstanz zu zeigen?

Breitenreiter: Fehlende Konstanz ist auf Schalke schon seit Jahren ein Problem, das lässt sich nicht in neun Monaten zu 100 Prozent beseitigen. Natürlich haben wir mit der Mannschaft auch schon besprochen, dass gerade nach zwei Siegen am Stück diese 100-prozentige Siegermentalität oft etwas nachlässt. Letztlich hat das aber auch etwas mit Führungsspielern zu tun. Da fehlen uns mit Benedikt Höwedes und Matija Nastasic zwei absolute Top-Leute über einen langen Zeitraum.

Ein erstes Jahr bei einem neuen Verein kann sehr aufschlussreich sein um zu sehen, mit wem man auf Dauer seine Pläne umsetzen kann. Sind Sie da schlauer geworden?

André Breitenreiter: Selbstverständlich gewinnt man Ansätze, was die Zusammenstellung der Mannschaft angeht. Wir analysieren permanent und wissen, wo wir Schwachstellen haben und uns verbessern müssen.

Sie haben selbst in der Vergangenheit das Beispiel Dortmund angeführt, wo auch im ersten Jahr unter Trainer Klopp nicht alles lief. Klopp hat damals nach seiner ersten Saison den beliebten Alexander Frei ziehen lassen und auf einen anderen Stürmertyp gesetzt. Ist so etwas auch bei Ihnen denkbar?

Breitenreiter: Soweit sind wir noch nicht. Aber klar ist: Wenn es um eine Weiterentwicklung geht, kann man nicht immer nur populäre Entscheidungen treffen. Ob es dann so kommt, wird man sehen.

Das sagt Breitenreiter zu Huntelaars Zukunft

Frage: Planen Sie zum Beispiel weiterhin mit Klaas-Jan Huntelaar?

Breitenreiter: Aktuell stellt sich diese Frage für mich gar nicht. Klaas-Jan ist ein super Profi mit einer Top-Einstellung, für mich ein ganz wichtiger Ansprechpartner und Spieler. Das wird sich nicht ändern, auch wenn er in dieser Saison erst acht Tore in der Bundesliga erzielt hat. Wir arbeiten daran, dass es mehr werden, schlagen etwa die viertmeisten Flanken in der gesamten Liga.

Zusammenprall Haben Sie sich schon mit Schalkes künftigem Manager Christian Heidel getroffen, um über die Zukunft zu reden?

Breitenreiter: Wir haben uns getroffen, richtig. Über Inhalte möchte ich jedoch nichts sagen.

Nach unseren Informationen hat er Sie auch kontaktiert, als Gerüchte über Lucien Favre aufkamen.

Breitenreiter: Nein, vor unserem Gespräch habe ich noch keinen Kontakt zu ihm gehabt.

Für die kommende Saison steht schon der Verlust von Joel Matip fest: Suchen Sie für ihn einen gestandenen Ersatz oder lösen Sie das intern mit Höwedes und Nastasic, die dann wieder fit sind?

Breitenreiter: Zunächst einmal: Nastasic und Höwedes kann man wie Neuzugänge betrachten. Matija etwa hatte im Sommer eine starke Vorbereitung, man hat sehr schnell erkannt, welch große Qualität er besitzt. Benni ist Weltmeister. Dennoch lassen wir uns alle Optionen offen.

Über die EM-Chancen von Fährmann und Höwedes

Rechnen Sie in dieser Saison noch mit den Langzeitverletzten Nastasic, Höwedes und Höger?

Breitenreiter: Höwedes steigt nächste Woche zunächst einmal ins Balltraining ein, und dann sind es nur noch sechs Spiele – das wird seine Zeit brauchen, bis er wieder spielfähig ist. Man muss abwarten, wie schnell er sich dann wieder an die Mannschaft heranarbeitet. Einsätze in dieser Saison traue ich eher Matija Nastasic und Marco Höger zu, weil sie ja jetzt schon in Teilbereichen wieder mit der Mannschaft trainieren und nächste Woche vielleicht komplett einsteigen können.

Bei Höwedes wurde ursprünglich das Dortmund-Spiel ins Auge gefasst. Gab es einen Rückschlag?

Breitenreiter: Nein, den gab es nicht. Er ist zum einen bei unseren Ärzten in guten Händen, und zum anderen bei Dr. Müller-Wohlfahrt, der ja auch der Arzt der Nationalmannschaft ist. Dem vertraut er sehr.

Für die EM dürfte es dann für Höwedes eng werden?

Breitenreiter: Das werden die kommenden Wochen zeigen.

EM-Kader Ralf Fährmann steht beim DFB nicht mehr als EM-Kandidat auf der Liste. Ein Fehler?

Breitenreiter: Aus meiner Sicht wäre Ralle die bestmögliche Lösung als dritter Torwart gewesen. Er ist jemand, der eine hohe Trainingsqualität und Mentalität mitbringt – auch über den langen Zeitraum eines Turniers. Er hätte diese Position mit Sicherheit zur Freude aller Verantwortlichen ausgefüllt. Schade für Ralle, der auch international absolut fehlerfrei gespielt hat.