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Schalkes Problem mit dem Jahrhunderttrainer Huub Stevens

14.12.2012 | 19:43 Uhr
Noch hat Huub Stevens gut lachen - aber geht die Negativserie weiter, könnte seine Zeit auf Schalke bald vorbei sein.

Gelsenkirchen.   Schalke 04 will mit seinem Trainer Huub Stevens durch die Saison kommen. Doch das wird schwierig, wenn in den Spielen gegen Freiburg und Mainz der Erfolg ausbleibt. Stevens genießt ein Ansehen wie kein Zweiter - aber weitere Niederlagen könnten Schalke zum Handeln zwingen.

Huub Stevens scheint fast ein bisschen entspannt, als er an diesem Tag durch die Räume der Arena geht. Er lächelt, zwinkert mit dem Auge, wirkt ehrlich. Huub Stevens ist kein Typ, der sich verstellt. Andere Trainer, die sich in der Bundesliga in sportlicher Ballonseide auf die Bank setzen, zwängen sich bei Champions-League-Spielen in einen Anzug – für Stevens kommt so etwas nicht infrage. Er fühlt sich im blauen Sportzeug wohler. Authentisch ist ein Wort, das bei ihm gut passt – im guten wie im schlechten.

Als dieser Tage Schnee auf dem Schalker Trainingsplatz lag, griff er eigenhändig zur Schaufel, um den Rasen zu räumen. Auch so ist Stevens. Und so einem Trainer möchte man auf Schalke gerne eines Tages einen Abschied schenken, wie ihn Ottmar Hitzfeld im Sommer 2008 bei den Bayern bekam. Mit schönen Blumen und echten Tränen. Und mit der erneuten Qualifikation für die Champions League.

Krisensitzung in der Kabine

So stellt man es sich vor. Wenn die Lage nicht so vertrackt wäre in diesen Wintertagen auf Schalke, in denen Mannschaft, Trainer und Verein irgendwie aus der schönen Erfolgsspur geraten sind. Nur einen Sieg gab es in den vergangenen sieben Bundesliga-Spielen.

In dieser Woche haben sie alles getan, um die Karre wieder flott zu bekommen. Klubchef Clemens Tönnies hat auf der Weihnachtsfeier des Vereins emotionale Gedanken an die Spieler gerichtet, um ihnen die Erfolge zu Beginn der Saison wieder in Erinnerung zu rufen. Manager Horst Heldt gebrauchte bei einer Krisensitzung in der Kabine mahnende Worte. Und in der Arena ist ein neuer Rasen angewachsen, der es den Spielern leichter machen soll, noch vor Weihnachten die Kurve zu kriegen.

Schalke braucht zwei Siege aus den letzten beiden Partien

In den beiden bis dahin verbleibenden Heimspielen, an diesem Samstag (18.30 Uhr, live im Ticker) in der Bundesliga gegen den SC Freiburg und am Dienstag (19 Uhr, live im Ticker) im DFB-Pokal gegen Mainz 05, müssen Erfolge her. Sonst könnte es schwierig werden für die Schalker, mit ihrem Trainer durch die Saison zu kommen. Angesichts dieser brisanten Lage vermeidet es Manager Heldt zwar tunlichst, von „Endspielen“ für Stevens zu reden. Aber nach den beiden Begegnungen will er eine Bilanz des ersten Halbjahres ziehen, bei der alles auf den Prüfstand kommt. Bereits nach der jüngsten Niederlage in Stuttgart hatte Heldt angekündigt: „Wir müssen sehen, dass wir die beiden letzten Spiele gewinnen. Dann gucken wir, wo wir stehen und bewerten die Arbeit der Mannschaft.“ Und für diese Arbeit ist im Fußball vor allem einer verantwortlich: der Trainer.

Schalke steckt da in einer schwierigen Gemengelage. Auf der einen Seite gibt es diesen enorm großen Respekt vor dem 59 Jahre alten Stevens, der auf Schalke kein Trainer wie jeder andere ist. Der Niederländer ist Schalkes Jahrhundert-Trainer, er genießt ein Ansehen wie kein Zweiter und war immer fair zu dem Klub. Auch jetzt stellt er seine persönlichen Interessen wieder hinten an und sagt zu seiner Zukunft nur: „Wir nehmen uns die Zeit dafür. Jetzt haben wir die Zeit nicht, weil wir den Fokus allein auf die Spiele am Samstag und am Dienstag gelegt haben.“

Nachfolge-Kandidaten sind im Winter nicht zu haben

Auf der anderen Seite müssen die Verantwortlichen freilich auch ins Kalkül ziehen, dass sie eine Fortsetzung der Negativ-Serie zum Handeln zwingen könnte. Derzeit will das niemand – auch, weil Schalke in der Rückrunde dann wieder mit einem Übergangstrainer arbeiten müsste, da die öffentlich gehandelten Nachfolge-Kandidaten wie Mike Büskens (Greuther Fürth) oder Thomas Tuchel (Mainz) im Winter nicht zu bekommen wären. Ein möglicher Interims-Trainer könnte Stevens’ Assistent Markus Gisdol sein, dessen fachliche Qualitäten in der Branche hoch eingeschätzt werden: Klubs wie 1899 Hoffenheim und der SC Paderborn wollten den 43-Jährigen einst schon als Chef-Trainer verpflichten.

Schalke verliert auch in Stuttgart

Horst Heldt hat angekündigt, nach dem Spiel gegen Mainz noch einige Tage auf Schalke die Stellung zu halten, ehe auch er in den Weihnachtsurlaub verschwindet. Noch geht er davon aus, dass es besinnliche Tage werden: „Ich bin überzeugt davon, dass wir beide Spiele gewinnen werden“, sagt der Manager kämpferisch. Das wäre in der Tat das Einfachste.

Manfred Hendriock


Kommentare
15.12.2012
17:25
Schalkes Problem mit dem Jahrhunderttrainer Huub Stevens
von Kronenschmeckt | #6

Stevens war ein typischer Trainer der 90er und die Erfolge gaben ihm Recht.
Aber Heute sind andere Charaktere gefragt.
Tschüss Huub, geh in Rente.

15.12.2012
16:06
Schalkes Problem mit dem Jahrhunderttrainer Huub Stevens
von Trebusch | #5

Das Spielchen ist mindestens so alt wie die Liga selbst.Journalisten mäkeln permanent an einen Trainer herum,warten vielleicht sogar auf schlechte Ergebnisse,bauschen diese dann noch auf und personifizieren diese allein auf diesen.Sehr oft sind es Trainer ,die nicht auf jeden Furz Männeken für die Journalisten machen wie sie es gerne hätten ,der vielleicht nicht Everybodys Darling ist. Ein Artikel über den Trainer jagt den nächsten.Jeden Samstag wird die Frage ,ob der Stuhl schon wackelt,wieviel Beine schon angesägt sind ,gestellt.Fliegt der Trainer dann wirklich eines Tages ,setzt sich der selbe Journalist mit Krokodilstränen an die Tastatur ,und bemängelt,prangert dieses "unmenschliche "System an ,wo Trainer wegen ein paar fehlender Punkte von den Vereinen gefeuert werden.Und wenn dann Zeit ist ,wird sich die nächste "arme Sau" bald finden ,bei dem man mithelfen kann , ihn aus dem Job zu schreiben .Ein Trainer ,dessen Mannschaft zuwenig Punkte einfährt ,sollte leicht zu finden sein

1 Antwort
Schalkes Problem mit dem Jahrhunderttrainer Huub Stevens
von STVhorst1986 | #5-1

super, toller Kommentar

15.12.2012
13:21
Schalkes Problem mit dem Jahrhunderttrainer Huub Stevens
von gimma | #4

Seien wir doch mal ehrlich..Stevens ist kein Trainer für die Zukunft.Ein guter Mann,aber er passt mit seiner Art und Menschenführung nicht mehr in die Zeit.Von Aufbruchstimmung nichts zu spüren.Schalke braucht einen Trainer der die Truppe begeistert und für den sich die Mannschaft den Ar...aufreisst.Das es bei Stevens nicht so ist,ist doch offensichtlich.

15.12.2012
13:00
Schalkes Problem mit dem Jahrhunderttrainer Huub Stevens
von SpongeBob59 | #3

Was kann man Huub Stevens eigentlich vorwerfen? OK, die ein oder andere Aufstellung war diskussionswürdig. Aber sonst? Ist er derjenige, der zuwenig läuft und kämpft, oder das Tor nicht trifft, oder sich rote Karten einhandelt? Und mal ehrlich, wenn man permanent von den Medien angemacht wird, wer würde da nicht auch brummig werden. Aber so ist es nun mal im Fußball, der Trainer ist der Schuldige und bekommt auf die ******. Also mir fallen min. 15 andere ein, die es zwiwchendurch mehr verdient hätten.

15.12.2012
10:34
Schalkes Problem mit dem Jahrhunderttrainer Huub Stevens
von Hanno2 | #2

Guter Artikel, der zwar nichts Neues bietet, aber die Schalker Situation sehr ausgewogen und objektiv wiedergibt.
Vielleicht ist Huub wider Erwarten in der Rückrunde ja aber auch so erfolgreich, dass keiner mehr an eine Trennung denkt...

15.12.2012
10:05
Schalkes Problem mit dem Jahrhunderttrainer Huub Stevens
von lausi04 | #1

Ich wünsche Stevens einen würdigen Abschied. Dazu muss er nun aber selbst an die Öffentlichkeit treten und seinen Abschied zum Sommer 2013 bekannt geben. Nur diese Klarkeit gibt der Mannschaft den nötigen Schub und nimmt ihnen vor allem das Alibi ihrer derzeit desolaten Leistungen.

Also Stevens: gib Deinen Abschied zum Sommer 2013 bekannt, spiele eine gute Rückrunde und wir werden Dir den Dir gebührenden Abschied geben.

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