Schalkes neuer Trainer will nicht nur auf die Defensive setzen

"An der defensiven Organisation müssen wir viel arbeiten“: Roberto Di Matteo.
"An der defensiven Organisation müssen wir viel arbeiten“: Roberto Di Matteo.
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Was wir bereits wissen
An diesem Donnerstag beginnt Schalkes neuer Trainer Roberto di Matteo mit der Arbeit auf dem Platz. Er hat Defizite in der Defensive der Mannschaft ausgemacht, will diese durch eine gute Organisation beheben, aber dabei nicht nur defensiv spielen lassen.

Gelsenkirchen.. Ein bisschen kokettieren darf auch bei einem so weit gereisten Mann erlaubt sein. „Blau-weiß“, lachte Roberto Di Matteo gestern an seinem ersten Arbeitstag auf Schalke, „gefällt mir sehr gut.“ Schalkes neuer Trainer hat zwar schon viel erlebt, aber die längste Zeit seiner Karriere hat er beim FC Chelsea in England verbracht – den „Blues“. Insofern fällt ihm die Umstellung auf die Königsblauen farblich nicht schwer.

„Seine Maxime wird uns helfen“

Wie sehr sich der Italiener, der zwar in der Schweiz geboren wurde, aber 34 Länderspiele für Italien bestritten hat, mit seiner neuen Aufgabe identifiziert, wird aber an einem anderen Detail deutlich: Nachdem er sich mit Manager Horst Heldt auf einen Vertrag bis 2017 geeinigt hatte, stürzte er sich sofort ins Videostudium seiner neuen Mannschaft: „Ich habe mir in den letzten 24 Stunden alle Spiele von Schalke angeschaut – so viele, wie ich konnte.“ Ein Vergnügen wird das nicht gewesen sein – aber dafür sehr lehrreich für seine künftige Arbeit. Di Matteos Urteil über Schalke: „Eine gute Mannschaft, die nach vorne viel Potenzial hat und in der Defensive einige Probleme. An der defensiven Organisation müssen wir viel arbeiten.“

Der neue Trainer spricht am ersten Tag auffällig oft über die Organisation der Abwehr – und wenn man den (Vor-) Urteilen über ihn folgt, gilt die Defensivarbeit ohnehin als sein Steckenpferd. Denn in Deutschland wurde Di Matteo bekannt, als er die Bayern im Champions-League-Endspiel 2012 mit seiner Mauertaktik zur Verzweiflung brachte und ihnen im „Finale dahoam“ den Titel wegschnappte. Di Matteo beteuert aber, dass ein solcher Spiel-Stil eigentlich nicht seiner Philosophie entsprechen würde: „Das war ein einziges Spiel, in dem man eine gewisse Taktik brauchte, um es zu gewinnen. Meine Mannschaften haben sonst immer viele Tore geschossen.“

Schalkes Manager Horst Heldt imponiert an seinem neuen Mann gerade dessen Flexibilität, die Taktik der jeweiligen Aufgabe anpassen zu können: Auch er hat bei seinen Beobachtungen über den Di-Matteo-Fußball festgestellt, dass dessen Teams offensive Elemente mitbringen und nur dann die Abwehr verstärken würden, wenn es die Stärke des Gegners erfordere. Heldt: „Seine Maxime, dass man alles liefern kann, was gefordert ist, wird uns helfen.“ Generell lobt Schalkes Manager seinen neuen Trainer-Fang für dessen „Spielphilosophie und Spielidee“ – und benennt damit das, was man Keller auf Schalke abgesprochen hatte.

Am Donnerstag wird Di Matteo mit seiner Arbeit auf dem Platz beginnen – gestern stellte er sich den Spielern in der Kabine erst einmal nur vor. Seine Ankündigung, wer nun den Ton angibt, ist aber eindeutig: „Ich führe die Trainingseinheiten persönlich – ich bin ein Coach.“