Schalkes-Manager Heldt ist sauer auf Beckenbauer wegen Khedira-Spruch

Keine Angst vor dem großen Namen: Horst Heldt (links) ist enttäuscht von Franz Beckenbauer.
Keine Angst vor dem großen Namen: Horst Heldt (links) ist enttäuscht von Franz Beckenbauer.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Der Manager des FC Schalke 04 hält das Urteil des Fußball-Kaisers über Weltmeister Khedira, an dem die Königsblauen interessiert sind, für ungerecht.

Gelsenkirchen.. Es gibt Jobs, bei denen du dich selten zurücklehnen kannst, bei denen dich Risiko und Aufregung täglich begleiten. Jobs wie Hochseiltänzer, Stuntman, Raubtierbändiger oder Fußballmanager beim FC Schalke 04. Horst Heldt, der die sportlichen Geschicke des Bundesligisten lenkt, hätte sich auch in diesen Tagen die Arbeit sicher etwas angenehmer vorstellen können. Aber seit dem vergangenen Wochenende hinkt Schalke um sechs Punkte hinter der Champions-League-Qualifikation her, und mehr denn je muss der Manager zweigleisig planen.

Khedira „Natürlich kalkuliert man nicht unbedingt einen Gladbach-Sieg in München ein“, sagte Heldt am Mittwoch als Gast der Mitgliederversammlung des Verbandes Westdeutscher Sportjournalisten in der Schalker Arena. „Das hat uns noch mal einen Nackenschlag gegeben.“ Deshalb werden auf Schalke derzeit mehrere Szenarien durchgespielt. Das Problem für Heldt ist, nicht zu wissen, wo die Mannschaft am Ende der Saison landet und welche Möglichkeiten sich damit künftig eröffnen.

„Khedira wird schlecht gemacht“

Beim Schalker Interesse an Sami Khedira beispielsweise fiele ein Trumpf weg, wenn die Königsblauen dem Weltmeister nur die Europa League oder nicht einmal die anbieten könnten. Bei diesem Thema reagiert Heldt im Moment ohnehin gereizt, und der Auslöser der Sensibilität ist kein Geringerer als Franz Beckenbauer. Der Spieler-und-Trainer-Weltmeister erklärte bei Sky, der 27-Jährige, der Real Madrid verlassen wird, sei verletzungsanfällig und könne für Schalke keine Verstärkung sein: „In seiner aktuellen Verfassung wird Khedira niemandem helfen. Im Moment fehlt ihm alles. Er lebt von seinem läuferischen Vermögen, ohne das erzielt er keine Wirkung.“

Khedira Für Heldt ist dies ein nicht fundiertes Urteil mit heftiger Wirkung. „Ich weiß, dass ich kleine Wurst hier jetzt Franz Beckenbauer kritisiere“, sagt er. „Aber bei allem Respekt: Wie kommt er auf die Idee, diese Meinung kundzutun? Er hat 90 Minuten lang unser Spiel bei Real gesehen, in dem Sami nicht gut gespielt hat, und dann eine Richtung vorgegeben. Hat er mal eine ernsthafte Analyse betrieben? Hat er mit dem Trainer von Real Madrid gesprochen oder mit Sami Khedira selbst? Ich hätte mir gewünscht, dass er gesagt hätte: Ich habe zehn Stunden Video geschaut und bin dann zu meiner Ansicht gekommen.“ Khedira habe „immer seine Knochen für Deutschland hingehalten“, sei Weltmeister, Champions-League-Sieger, Meister in Deutschland und Spanien geworden – „aber er wird komplett zerredet und schlecht gemacht“. Das Thema sei nun „negativ behaftet“, denn „der normale Fan nimmt diese Meinung auf“.

Tönnies will Heldt halten

Alle Fans, die beim Gedanken an eine Saison ohne Champions League in Panik verfallen, versucht Heldt zu beruhigen: „Auch dann ginge die Welt nicht unter. Wir müssten den Gürtel enger schnallen und Ideen für einen neuen Anlauf entwickeln.“ Eine weitere schwere Aufgabe für Horst Heldt, der über das Vertragsende 2016 hinaus auf Schalke arbeiten soll – das verkündete Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies in Sport-Bild. „Natürlich würde ich gerne bleiben“, sagt Heldt dazu. „Aber es ist nicht der passende Zeitpunkt, um darüber zu reden. Wir dürfen unser Ziel nicht aus den Augen verlieren, jeder Spieler soll sich in den noch acht Partien darauf fokussieren. Das muss auch für mich gelten.“