Schalkes "Jugend-forsch"-Projekt ist auch Kellers Verdienst

Gegensätze, die sich anziehen: Schallke-Torjäger Huntelaar umarmt den jungen Ayhan, eines von vielen Talenten aus der „Knappenschmiede“.
Gegensätze, die sich anziehen: Schallke-Torjäger Huntelaar umarmt den jungen Ayhan, eines von vielen Talenten aus der „Knappenschmiede“.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Schalke 04 steht vor dem Happy End einer mäßig begonnenen Saison. Einer der Gründe für die bislang überaus erfolgreich verlaufene Rückrunde: Die erfolgreiche Einbindung junger, hungriger Spieler. Auch ein Verdienst des oft gescholtenen Trainers Jens Keller. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen.. Nein, niemand muss sich in den Staub werfen, nur weil er es vor ein paar Monaten noch für unmöglich gehalten hätte, dass Schalke 04 sechs Runden vor dem Saisonende mit Borussia Dortmund um Platz zwei in der Bundesliga kämpfen würde. Zu limitiert wirkte die Mannschaft in der Vorrunde, taktisch wie spielerisch, als dass ihr eine solche Steigerung zuzutrauen gewesen wäre. Wer damals aus guten Gründen skeptisch war, kommt heute freilich nicht darum herum, den sowohl von den Medien als auch von eigenen Fans kritisierten S04-Verantwortlichen zu bescheinigen, dass sie in der Zwischenzeit vieles richtig gemacht haben.

Jedenfalls wäre es zu billig, den tabellarischen Aufschwung (von sieben auf drei) vor allem an der in diesem Ausmaß nicht zu erwartende Schwäche der Konkurrenz festzumachen. Es gibt auch andere Ursachen. Mit Ralf Fährmann hat Schalke das seit Manuel Neuers Weggang vorhandene Torwartproblem überzeugend gelöst. Die Trennung von Jermaine Jones, dessen Selbstüberschätzung für latenten Sprengstoff innerhalb des Teams gesorgt hatte, sorgte in Verbindung mit der Positionierung von Kevin Prince Boateng als Antreiber im defensiven Mittelfeld für weitere Stabilität. Und Klaas-Jan Huntelaar, dessen monatelanger Ausfall selbst von Experten unterschätzt worden war, demonstriert Woche für Woche eindrucksvoll, dass er immer noch den Unterschied ausmachen kann.

Nachbericht Der letzte Mosaikstein für die Trendwende ist das im deutschen Fußball beispiellose Reservoir an begabten Jugendspielern aus der „Knappenschmiede“, das in dem Moment zu Buche schlug, als Schalkes Profikader durch eine Verletzungsserie reduziert wurde. Spätestens an diesem Punkte kommt auch der Trainer ins Spiel.

Die Akzeptanz der Mannschaft beim Publikum ist gestiegen

Jens Keller, dessen hervorstechendste Eigenschaft bis dato seine Nehmerqualität war, hat erst unlängst beklagt, dass ihm – anders als einem Thomas Tuchel in Mainz – seine Tätigkeit im Jugendbereich als Handicap ausgelegt worden sei. Tatsächlich vermittelte der 43-Jährige, in dem der Zeitungsboulevard schon früh das „Gesicht der Krise“ ausgemacht zu haben glaubte, durch seine Körpersprache nicht unbedingt den Eindruck, einer ausgebufften Profitruppe zeigen zu können, wo es lang geht.

Als es jedoch darauf ankam, erwies sich ausgerechnet Keller als erfolgreicher Krisenmanager, dem seine Jugendarbeit nun zugute kam. Mit einem schönen Nebeneffekt: Seit Schalke in der Bundesliga dem Motto „Jugend forsch“ huldigt, ist die Akzeptanz der Mannschaft, in der über Jahre zu viele „Absahner“ vermutet wurden, beim Publikum signifikant gestiegen. Nicht die schlechteste Perspektive für einen Klub, der eigentlich nie aus dem Krisengerede herauskommt ...