Schalker Mannschaft bekommt laut Heldt "ein neues Gesicht"

Schalke-Manager Horst Heldt erholt sich auf Kreta.
Schalke-Manager Horst Heldt erholt sich auf Kreta.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Schalke-Manager Horst Heldt erholt sich nach einer anstrengenden Saison auf Kreta. Vor seinem Abflug stellte er sich RevierSport zum Interview und kündigte an: "Der Kader wird also ein neues Gesicht erhalten." Die Personalplanungen sind noch lange nicht abgeschlossen.

Gelsenkirchen.. Nach Felipe Santana wird Leon Goretzka der zweite Schalker Zugang für die nächste Saison sein. Es werde noch einige Spieler kommen, verrät Horst Heldt. Am Mittwoch verabschiedete sich der Schalke-Manager in den Urlaub, 14 Tage Kreta mit der Familie. Vorher arbeitete Heldt noch gemeinsam mit Trainer Jens Keller die wichtigsten Personalfragen für die nächste Saison ab. Im Interview mit RevierSport erklärt der 43-Jährige, warum sich Schalke für die kommenden Aufgaben verstärken muss und welche Spieler dafür am ehesten geeignet sind.

Horst Heldt, nach der Bekanntgabe der Verpflichtung von Felipe Santana fragen sich die S04-Fans, ob Kyriakos Papadopoulos nun gehen muss. Wird „ihr“ Papa verkauft?

Horst Heldt: Wir planen zur neuen Saison ganz normal mit Papa, er hat schließlich einen bis 2016 laufenden Vertrag bei uns. Was ich aber bestätigen kann, dass es immer wieder Interessenten für ihn gibt, das ist auch jetzt so. Falls sich eine Anfrage für ihn konkretisieren sollte, werden wir uns damit beschäftigen. Das ist aber nicht nur bei ihm, sondern bei den anderen Spielern auch so. Wir gehen allerdings davon aus, dass er mit Beginn der Vorbereitung wieder hier bei uns auf dem Trainingsplatz stehen und mit dem ersten Pflichtspiel auf dem Platz stehen wird.

Wie ist denn sein Gesundheitszustand? Es gab ja Gerüchte, sein Knie würde vielleicht nicht mehr mitmachen...

Heldt: Er wird am 27. Juni sicher nicht gleich vier gegen vier spielen können, sondern nach der langen Auszeit einen eher ruhigen Trainingsaufbau haben. Da werden wir im wahrsten Sinne des Wortes nichts übers Knie brechen. Wir haben eine lange Strecke bis zum Bundesliga-Beginn beziehungsweise der ersten Pokalrunde eine Woche vorher. Bis dahin dürfte Papa fit werden.

Bleibt Papa, hat Trainer Jens Keller vier etwa gleich starke Innenverteidiger zur Auswahl. Dabei wird Santana, den Schalke auf der Homepage als Ersatz für Christoph Metzelder ankündigt, kaum für die Bank gekommen sein?

[kein Linktext vorhanden] Heldt: Richtig ist, dass wir gesagt haben, dass er die Planstelle von Christoph Metzelder einnimmt. Wir haben einen Innenverteidiger abgegeben und in Felipe Santana einen dazu geholt. Natürlich will Felipe Santana in den Kampf um einen Stammplatz in unserer Abwehr eingreifen. In der Rückrunde der vergangenen Saison hatten wir da einen Engpass, weil Papa gar nicht und Metze nur zwischenzeitlich zur Verfügung stand. Aufgrund dessen hatten wir Monate lang nur zwei Innenverteidiger, Benedikt Höwedes und Joel Matip, zur Auswahl. In Sead Kolasinac, der die Position in der Jugend gespielt hat, und Jermaine Jones, der das auch kann, hatten wir zwei Alternativen. Aber falls einer ausgefallen wäre, hätten wir improvisieren müssen.

Santanas Transfer wurde lange von Ihnen vorbereitet. Ist Claudio Pizarro nun Ihr Überraschungscoup?

Heldt: Über Claudio Pizarros Qualitäten müssen wir nicht lange reden, was er draufhat, hat er in vielen Jahren in der Bundesliga bewiesen. Das ist natürlich ein sehr interessanter Spieler, der Führungsqualitäten und eine gewisse Siegermentalität mitbringt. Er will nicht aufhören, sondern noch ein paar Jahre spielen. Wenn entschieden wird, dass er nicht beim FC Bayern bleibt, werden wir uns mit ihm auseinandersetzen.

Sind Sie mit Kölns Christian Clemens schon weiter?

Heldt: Mit ihm haben wir uns beschäftigt und unser Interesse gegenüber seinem Verein signalisiert. Es ist aber nicht so, wie bereits geschrieben wurde, dass mit Christian Clemens alles klar sei.

Schalke/Bochum Kommt auch ein Torwart, zum Beispiel Fabian Giefer von Fortuna Düsseldorf?

Heldt: Wir haben nicht vor, einen Torhüter zu verpflichten. Für Lars Unnerstall gibt es zwar Interessenten, sodass er uns möglicherweise verlassen wird. Aber wir werden auch in der kommenden Saison mit drei Torhütern arbeiten, darunter wird einer sein, der auch in der U23 spielen kann. Das kann ein junger Zugang oder ein Torhüter aus unserem Nachwuchs sein.

Vier Spieler, die noch einen Vertrag auf Schalke haben, waren in der Saison an andere Vereine ausgeliehen. Wie steht es um die sportliche Zukunft von Jurado, Tim Hoogland, Sergio Escudero und Anthony Annan?

Heldt: Bei Jurado sieht es so aus, dass er in Moskau bleiben möchte und Spartak Interesse hat, ihn zu verpflichten. Bisher sind wir uns aber über die Ablösemodalitäten nicht einig geworden. Tim Hoogland passt von der Mentalität gut zu uns, sodass wir uns ihn auf Schalke wieder gut vorstellen können. Er hat zuletzt gegen uns ein sehr gutes Spiel gemacht. Leider hat er auch in der letzten Saison mit vielen Verletzungen zu kämpfen gehabt. Ihm wäre zu wünschen, dass er mal gesund durch ein Jahr kommt. Bei Escudero und Annan müssen wir mal abwarten, was sich ergibt. Sie haben gültige Verträge bei uns, Stand heute erwarten wir sie also zum 27. Juni in Gelsenkirchen.

Heldt bestätigt - Schalkes Nationalspieler steigen erst später in die Vorbereitung ein

Schalkes Nationalspieler dürften dann noch frei haben, oder?

Heldt: Jermaine Jones, Joel Matip, Atsuto Uchida und möglicherweise Sead Kolasinac bei der U-21-EM sind noch bis Mitte Juni oder sogar länger im Einsatz, dann werden sie Urlaub bekommen. In der Regel sind das drei Wochen, daher werden zum Trainingsauftakt einige Spieler fehlen. Das ist für die Planung der Vereine alles andere als glücklich, da die Spieler nach dieser langen Saison eigentlich runter kommen müssen und körperlich wie mental eine Pause brauchen. Der Terminkalender ist viel zu voll, doch die Nationaltrainer nehmen darauf keine Rücksicht und die Spieler sind in der Zwickmühle, da sie gerne für ihr Land spielen und dies repräsentieren wollen.

Mit vielen Aufs und Abs hat Schalke noch das Saisonziel erreicht. Wie fällt Ihr Saisonfazit aus?

Heldt: Es war keine konstante Saison, aber am Ende sind wir Vierter geworden. Das heißt, wir haben eine Menge Teams hinter uns gelassen. Das ist nicht so schlecht. Mit ein wenig mehr Konstanz hätten wir mehr Punkte sammeln können, denn es gab einige Spiele, in denen wir unnötig Zähler haben liegen gelassen. Auf der anderen Seite durften wir über einige Siege auch glücklich sein. Man darf allerdings nicht vergessen, dass wir lange auf ganz wichtige Spieler verzichten mussten. Papa und Ibrahim Afellay haben uns die ganze Rückrunde nicht zur Verfügung gestanden. Klaas-Jan Huntelaar, Julian Draxler und Jefferson Farfan auch jeweils einige Wochen gefehlt. Wir haben uns darüber nie beklagt, aber das hat die Sache nicht einfacher gemacht.

Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie und Jens Keller, der ja allerdings nur ein halbes Jahr als Cheftrainer die Mannschaft führen durfte, aus dem Chaos mit dann doch gutem Ausgang gezogen?

Heldt: Das haben wir intern diskutiert und wird nicht in die Öffentlichkeit getragen. Was ich sagen kann, ist, dass wir noch weitere Veränderungen im Kader planen und es auch noch einige Abgänge geben wird. Der Kader wird also ein neues Gesicht erhalten, auch wenn das Gerüst steht. Wir wollen uns verstärken, denn wir haben die große Chance, uns wieder für die Champions League zu qualifizieren. Wir werden gesetzt sein und in den Play-offs wahrscheinlich nicht auf einen der stärksten Gegner aus England, Spanien oder Italien treffen.

In den vergangenen Wochen hat es eine Diskussion um spanische Verhältnisse im deutschen Fußball gegeben, allerdings hat sich Bayern München in der Bundesliga meilenweit von der Konkurrenz entfernt. Sind denn nun die ersten beiden Plätze oder nur die Meisterschaft dauerhaft vergeben?

Heldt: Der erste Platz ist normalerweise an Bayern München vergeben, das war aber auch früher schon so. Bayern München hat sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte andere Rahmenbedingungen verschafft und daher einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Vereinen. Sie können andere Gehälter zahlen, teure Transfers tätigen und andere Mannschaften in der Liga schwächen. Trotzdem gibt es Jahre, in denen sie nicht Meister werden, wie zum Beispiel in den vergangenen beiden Jahren als der BVB vorn war oder Stuttgart 2007 und Wolfsburg 2009 Meister wurden. In der Regel aber wird Bayern mindestens alle zwei Jahre Meister und dahinter ist alles offen.