Schalke zahlt bitteres Lehrgeld

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Huub Stevens hat die Niederlage gegen Bilbao aufgearbeitet und tüfftelt an seiner Formation für die Auswärtspartie in Hoffenheim.                                              Foto: Juergen Schwarz/dapd
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Huub Stevens hat die Niederlage gegen Bilbao aufgearbeitet und tüfftelt an seiner Formation für die Auswärtspartie in Hoffenheim. Foto: Juergen Schwarz/dapd
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Schalke-Trainer Huub Stevens nimmt seine Spieler nach der 2:4-Niederlage im Europa-League-Spiel gegen Athletic Bilbao in Schutz und sucht weiter nach einem Ersatz-Torhüter für die Partie in Hoffenheim. Am Freitag zeigten sich Robin Himmelmann (U23) und Lukas Raeder (U19) als Casting-Kandidaten.

Gelsenkirchen.. Freitagmorgen war Huub Stevens nach eigenem Bekunden ganz früh und als Erster auf dem Vereinsgelände. Der Schalke-Coach genießt die Ruhe dann um sich herum, Gedanken ordnen, die Geschehnisse vom Vorabend aufarbeiten, Videobilder schauen. Als dann sein Trainerstab und die Spieler allmählich eintrudelten, hatte der Holländer das schmerzliche 2:4 gegen Atletic Bilbao zwar noch nicht verdaut, aber entschlüsselt. Tenor: „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie ist lediglich ein Opfer ihrer Unerfahrenheit geworden und hat sich in einigen Szenen nicht clever genug angestellt.“

Und ein kleines bisschen Mitschuld trage wohl auch das Schalker Fanpublikum, ohne es natürlich gewollt zu haben. Nach dem zwischenzeitlichen 2:1 durch Raúl glaubten wohl alle, es passiere wieder so wie gegen Twente Enschede, im Hurra-Stil ging es weiter nach vorne, angepeitscht vom tollen Publikum. Heraus kam: Lehrgeld.

Schalke-Kämpfer Jones zerknirscht

„Das nackte Ergebnis sieht klar und deutlich aus, meiner Meinung nach hätten wir das aber verhindern können“, lautete das Resümee von Manager Horst Heldt, der aber auch einsehen musste: „Auf diesem Niveau werden individuelle Fehler direkt bestraft.“

Die frustrierten Lehren aus dem mutmaßlichen Kapitel Endstation Viertelfinale klangen bei den betroffenen Spielern ähnlich. Jermaine Jones, der lange Zeit mit großem Kampf dagegengehalten hatte und durch ein paar merkwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen in seinem Tatendrang ausgebremst wurde, meinte zerknirscht: „Wir sind gegen Bilbao ins offene Messer gelaufen, unser Gegner hat unsere Chancen eiskalt genutzt. Wir haben eine sehr junge Mannschaft und müssen dann vielleicht auch mal einen Gang zurückschalten und ein 2:1 halten.“

Leichter gesagt als getan, wenn aus der euphorisierten Nordkurve ständig zur Attacke geblasen wird.

Und Mathias Schober, der zur Halbzeit ins kalte Europa-Becken geschubst wurde, hatte die beste Sicht auf das nahende Unheil: „Wir sind leider das eine oder andere Mal ziemlich wild nach vorne gelaufen und haben uns klassisch auskontern lassen.“ Der Ersatz vom Ersatz des Ersatzes sah sich manchmal ziemlich alleingelassen den spanischen Angriffen ausgesetzt und wurde von Stevens bei der Kritik ausgenommen: „Er hat mir gesagt, dass ich gut gehalten und den einen oder anderen Ball gut gerettet habe.“

Schalke-Torwart Unnerstall trainiert wieder

Das wird er wohl nun auch am kommenden Sonntag bei der TSG 1899 Hoffenheim (17.30 Uhr, live im DerWesten-Ticker) müssen, denn die Alternativen haben den deutlichen Malus: Unerfahrenheit. Zwar gesellte sich zum Freitagtraining wieder erstmals Lars Unnerstall, der das anschließende Trainingsspielchen auch offensichtlich schmerzfrei durchstand, aber, so Stevens, „Lars hat zwar hart und viel gearbeitet, um schon wieder auf dem Platz zu stehen, aber wir werden da kein Risiko eingehen.“

Bliebe also noch der Platz hinter Mathias Schober auf der Ersatzbank frei, und dafür zeigten sich am Freitag Robin Himmelmann aus der U 23 und Lukas Raeder aus der U 19 als Casting-Kandidaten. Wenn man vereinsintern die Bedeutung der jeweiligen Nummer eins ihrer Teams berücksichtigt, müsste Himmelmann mit im Bus in den Kraichgau sitzen, denn das Regionalligateam absolviert in dieser Saison ja ein reines Schaulaufen, während es für den souveränen Tabellenführer der A-Junioren-Bundesliga (mit Lukas Raeder) um die Meisterschaft und den Einzug ins Halbfinale geht.

Außerdem würde Robin Himmelmann zurzeit Schalkes Torhüter-Seuche am besten dokumentieren: Der 23-Jährige trägt nach einer Gesichtsverletzung noch immer eine furchterregende Carbon-Maske.