Schalke war für Gerald Asamoah Liebe auf den ersten Blick

Auf Schalke war und ist er zu Hause: Gerald Asamoah.
Auf Schalke war und ist er zu Hause: Gerald Asamoah.
Foto: Martin Möller / FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Noch ein Spiel bei der U23, dann ist Schluss. Publikumsliebling Gerald Asamoah, quasi seit 16 Jahren ein Schalker, beendet am Samstag seine Karriere.

Gelsenkirchen.. Gerald Asamoah (36) bestreitet am Samstag sein letztes Spiel für den FC Schalke 04. Mit der U23 trifft er in der Mondpalast-Arena um 13 Uhr auf Borussia Mönchengladbach II. Im WAZ-Interview erklärt Gerald Asamoah, warum Schalke für ihn Liebe auf den ersten Blick war. Der Publikumsliebling spricht außerdem über Mathias Schober, Thorsten Legat und viele andere „Typen“, die ihm in 16 Jahren Schalke schon über den Weg gelaufen sind.

„Meine Frau ist noch in Ghana. Deswegen gibt es nicht so viel zu essen. Ich hoffe, sie bleibt noch lange.“ Wissen Sie, wer das mal in einem Interview gesagt hat?“

Gerald Asamoah: Ich habe das mal gesagt (lacht). Es war die Zeit, als Jupp Heynckes da war. Der hat mich hart gefordert, ich musste abnehmen und dann passte es ganz gut, dass meine Frau nicht da war. Der Trainer hat extra eine Waage angeschafft. Aber nicht nur für mich, auch für Ailton.

Wie sieht der Speiseplan heute aus?

Asamoah: Jetzt kann ich mich ja gehen lassen. Nein, Spaß. Als erfahrener Spieler bei der U23 muss man als Vorbild vorangehen, ich passe da auf. Man ist älter geworden, man ist schlauer geworden. Statt Kuchen nehme ich einfach mal nur einen … Kaffee.

Für 90 Minuten am Samstag würde es also reichen?

Asamoah: Ja klar. Ich habe den ganzen Monat mit den Jungs der U23 trainiert. Ob ich von Anfang an spiele, weiß ich noch nicht. Aber ich denke, dass ich zum Einsatz kommen werde.

Dann war es das mit Ihrer Karriere als Fußballer. Wird es Abschiedstränen geben?

Fußball Asamoah: Aussuchen kann man sich das nie, steuern auch nicht. Ich bin aber einer, der eher in sich gekehrt ist. Es ist wahrscheinlicher, dass die Tränen fließen, wenn ich zu Hause bin. Ich habe 2001 nach der Vier-Minuten-Meisterschaft auch nicht geweint. Aber in den Tagen danach, als ich richtig begriffen hatte, was passiert ist, saß ich im Bett und habe plötzlich geweint. Meine Frau hat mich gefragt, was los ist. Da kamen die ganzen Gefühle einfach hoch.

Gerald Asamoah und die Schalke-Fans. Eine Liebe, die niemals endet...?

Asamoah: Ich bin seit 1999 hier, im ersten Moment wusste ich ja gar nicht, was es bedeutet, für Schalke zu spielen. Dann kommst du nach Schalke und beim ersten Training sind 10 000 Zuschauer. So viele waren bei Hannover bei den Spielen nicht. Ich habe mich dann damit befasst, was es heißt, für diesen Verein zu spielen, was dieser Verein für die Fans bedeutet. Ich habe immer versucht, mich so in den Verein einzubringen, wie ich bin. Der Techniker war ich nie, aber ich habe gekämpft und das hat den Fans gefallen. Ich war eins mit den Fans, ich war ein Teil dieser Familie.

Ihren ersten Tag auf Schalke werden Sie also nie vergessen...

Asamoah: Auf keinen Fall. Für mich war alles neu. Weg aus Hannover, weg aus der Stadt, in der meine Eltern leben. Ich kam in die Kabine und da saßen Spieler, die ich nur aus dem Fernsehen kannte. Ein Marc Wilmots, ein Olaf Thon. Als No-Name setzt du dich irgendwo hin. Die haben mich sofort aufgenommen und mir gezeigt, dass ich jetzt ein Teil von Schalke bin. Dann kommst du zum Training raus und alle Fans sind herzlich. Ich dachte mir nur: Was ist hier los, warum kennen die mich alle? Ich habe so viele Autogramme geschrieben, wie in Hannover in zwei oder drei Jahren nicht. Schalke war echt Liebe auf den ersten Blick.

Gibt es etwas, das Sie im Nachhinein anders gemacht hätten?

Asamoah: Auf keinen Fall hätte ich den Schobi nach Hamburg gehen lassen. Dann hätte 2001 beim HSV einer im Tor gestanden, der den Ball einfach weggeschossen hätte. Dann wäre ich Deutscher Meister!

Oh ja, die Vier-Minuten-Meisterschaft 2001 - wahrscheinlich Ihr traurigster Moment auf Schalke, oder?

Asamoah: Ich hatte schon eine Bierflasche in der Hand. Dann haben wir oben in der Kabine bemerkt, dass das Spiel in Hamburg noch läuft. In dem Moment, als ich mein Bier wieder hingestellt habe, ist das Tor gefallen und alles war vorbei. Die Saison 2007 war auch traurig, als wir das Ding fest in der Hand hatten, dann ausgerechnet beim BVB verloren haben und Stuttgart noch vorbeigezogen ist. Schon Wahnsinn, ich hatte echt viele Chancen, Deutscher Meister zu werden.

Und welcher Moment war der schönste auf Schalke?

Asamoah: Als Spieler wirst du an Titeln gemessen. Deshalb war 2001 schon auch die geilste Saison, auch wenn wir ganz knapp nicht Deutscher Meister geworden sind. Aber wir haben danach in Berlin den Pokal gewonnen und ich bin Nationalspieler geworden, habe mein erstes Spiel für Deutschland gemacht.

Wer ist denn eigentlich der verrückteste Typ, den Sie in 16 Jahren Schalke kennengelernt haben?

Abschied Asamoah: Auf Schalke gibt es so viele verrückte Typen. Ich bin ja auch nicht ohne, ich bin ja auch krank (lacht). Aber ein Thorsten Legat, der war schon legendär. Als der seine Hose auf dem Mannschaftsfoto hochgezogen hat, das war unglaublich. Das war eine Wette mit der Mannschaft. Das gab richtig Ärger von Trainer Stevens. Zu 5000 Euro hat er Legat im Mannschaftsbus verdonnert. Ein Jörg Böhme, ein Tomasz Hajto, das waren auch Typen. Oder ein Jiri Nemec, einer der besten Spieler, mit dem ich je zusammengespielt habe. Jetzt, wo ich alt bin, verstehe ich Jiri endlich. Es tut wirklich alles weh. Ihm tat auch immer alles weh. Aber wenn er auf dem Platz stand, ist er ohne Ende marschiert. Selbst ein Marcel Rozgonyi, der aus Magdeburg kam, war ein Wahnsinnstyp. Über Typen auf Schalke könnten wir auch ein Buch schreiben.

Darin dürfte Rudi Assauer wahrscheinlich nicht fehlen.

Asamoah: Klar, Rudi hätte ein eigenes Kapitel. Ich werde nie vergessen, als ich 2002 von der Weltmeisterschaft aus Japan und Südkorea ganz früh morgens auf der Geschäftsstelle angerufen habe. Es war ja Zeitverschiebung. Ich habe gefragt, ob der Manager schon da ist. Man hat mich verbunden und der Manager so: Asa, was ist los? Und ich so: Manager, ich kann nicht schlafen, ich will einfach nur ein bisschen telefonieren. Fragt der Manager: Asa, willst du mich eigentlich verarschen? Und dann haben wir ziemlich lange telefoniert. Er war immer für seine Spieler da.

Wie Gerald Asamoah Schalke treu bleibt

Und dann gab es ja auch die Geschichte mit Christos Papadopoulos. Der schrecklichste Moment auf Schalke?

Asamoah: Ja, das stimmt. Es ist ja bekannt, dass ich eine Herzkrankheit habe, es muss immer ein Defibrillator am Ort sein. Es war sonntags nach einem Spiel, wir haben nur was im Kraftraum gemacht. Auf einmal hieß es, dass unser Physiotherapeut Christos Papadopoulos umgefallen ist. Ich konnte da gar nicht hinsehen, bei mir kam alles hoch. Meine ganze Herzgeschichte. Unser Doc Thorsten Rarreck hat ihn reanimiert. Mit meinem Defibrillator. Ich habe Christos dann im Krankenhaus besucht und er sagte: Asa, dein Gerät hat mein Leben gerettet.

Haben Sie eigentlich keine Angst gehabt, mit einem Herzfehler Leistungssport zu betreiben?

Asamoah: Nein, gar nicht. Natürlich ist es ein Risiko, aber es hat nie einen Vorfall gegeben. Ich bin Gott sehr dankbar dafür, dass ich so lange Fußball spielen konnte. Mein Glaube hat mich so stark gemacht, dass ich sage: Der Herr weiß, was er tut.

Wie geht jetzt mit Ihnen weiter, bleiben Sie auf Schalke?

Asamoah: Ich kann mir nicht vorstellen, etwas ohne diesen Verein zu machen. Schalke ist mein Leben. Ich bleibe wohl hier und werde Aufgaben als Repräsentant wahrnehmen. Ich freue mich auf die Zeit nach meiner Laufbahn. Aber es wird hart sein, nicht mehr jeden Tag auf dem Platz zu stehen.

Sind Sie eher der Managertyp, oder doch eher Trainertyp?

Asamoah: Eher der Co-Trainer-Typ. Für ganz oben wäre ich zu locker, glaube ich. Und als Manager? Eher der Assistent (lacht).

Stimmt es eigentlich, dass Ihr Haus blau und weiß ist?

Asamoah: Ja, das Dach ist blau, die Fassade weiß. Aber ich habe mir das nie so ausgesucht. Es war schon so, als ich es gekauft habe.

Ihr Sohn Jaden ist erst acht Jahre alt, aber schon ein ziemlich guter Kicker. Wünschen Sie ihm, dass er, wie der Papa, Fußballprofi wird?

Asamoah: Ein klares Ja. Es ist das Geilste, was man machen kann. Es ist kein einfacher Job, aber natürlich wünsche ich mir, dass mein Sohn Profi wird, wenn er das möchte. Es gibt nichts Besseres, als aufzustehen, zur Arbeit zu fahren und dann auf dem Platz zu stehen.

Wenn er Profi wird, dann aber doch sicher nur auf Schalke, oder?

Asamoah: Überleg mal, mein Sohn kommt zu mir und sagt: Papa, ich will zu denen da drüben. Nein, besser nicht. Also: klar, nur auf Schalke. (lacht)