Schalke verdirbt Köln den Karneval
14.02.2010 | 22:05 Uhr 2010-02-14T22:05:00+0100
Gelsenkirchen.Der unbedarfte Beobachter hätte den Eindruck gewinnen können, die Kölner wären mit dem Karnevalsbus angereist. „Wir fahren das Stadtprinzenpaar“, stand auf dem Bus, der vor der Arena parkte. Weil Björn I und Jessica I von den „Erler Funken“ aus Gelsenkirchen kommen, hatten sie wirklich etwas zu feiern.
Mit Schalkes 2:0-Sieg gegen den 1. FC Köln wurde am Sonntag sogar ein 36 Jahre alter Vereinsrekord eingestellt: Zuletzt hatten die Königsblauen im Jahr 1974 sechs Heimspiele hintereinander ohne ein einziges Gegentor gewonnen. Jetzt gelang dieses Kunststück erneut. Die Älteren werden sich noch erinnern: Den bislang letzten Gegentreffer im eigenen Stadion kassierte Schalke Ende Oktober beim 2:2 gegen Leverkusen.
Keine zwingende Chance der Kölner
Nun gut, Kritiker werden sagen, dass am Montag beim Kölner Rosenmontagszug mehr los ist als am Sonntag in der Arena, wo das Spiel eine ziemlich humorlose Veranstaltung war. Schalke gestattete den Gästen nicht eine zwingende Torchance und wartete selbst geduldig auf die wenigen eigenen Möglichkeiten, von denen Joel Matip (45.) und Jefferson Farfan (81.) zwei zum letztlich jedoch vollkommen verdienten Sieg verwerteten. So etwas darf man getrost perfekten Ergebnisfußball nennen: Die Schalker Mannschaft macht das, was sie mit ihren Möglichkeiten kann, und das macht sie sehr gut. Oder, wie es Felix Magath erklärte: „Wir haben nicht das spielerische Niveau, um Klasse-Fußball zu zelebrieren. Hier wird Fußball gearbeitet. Mit den Bayern können wir uns nicht vergleichen.“
Höhepunkte gab es dennoch, und das waren die beiden Tore. Beim 1:0 wuchtete der erst 18 Jahre alte Joel Matip eine Freistoßflanke von Lukas Schmitz mit dem Kopf ins Netz – eine Co-Produktion zweier Nachwuchsspieler. Gewissermaßen ein Null-Euro-Tor, weil Magath die beiden Youngster ohne Ablöse aus den eigenen Reihen in die Bundesliga geholt hatte. Und der Lehrmeister staunte: „Matip geht konsequent in den Ball. Das ist kein Glück, sondern er hat es erzwungen.“
Kuranyi Weltklasse und untypisch
Das zweite Tor war, wenn man so will, etwas kostspieliger, denn es ging auf das Konto zweier Stars: Vorarbeit Kevin Kuranyi, Torschütze Jefferson Farfan. Und wieder staunte Magath: „Das war Weltklasse, wie Kuranyi sich außen durchgesetzt hat und in der Mitte Farfan sieht – das ist nicht typisch für einen Torjäger.“ Schmunzelnd fügte er an, dass es eine Überlegung wert sei, Kuranyi angesichts dieser Qualitäten demnächst als Flügelspieler einzusetzen . . .
Der Flachs blühte, denn Schalke war erleichtert, dass diese Pflichtaufgabe gegen Köln „in der zweiten Halbzeit souverän“ (Magath) gelöst worden war und sich die Königsblauen damit jetzt in einer komfortablen Position befinden: Der Vorsprung auf den Tabellenvierten Hamburg beträgt weiter sechs Punkte, auf den Fünften Dortmund sind es sogar schon neun.
Kein Blick nach oben
„Dieser Dreier“, erklärte Magath, „hat uns ein bisschen Luft gebracht, so dass wir nun theoretisch auch einmal ein Spiel abgeben können, ohne dass es uns gleich einen Platz in der Tabelle kostet.“ Nach vorne zu Bayer und Bayern rechnet Schalkes Trainer nicht: Er versteht dies als realistische Einschätzung der limitierten Möglichkeiten seiner Mannschaft.
Schalkes Sieg war das eine, Kölns erste Auswärts-Niederlage in der Bundesliga seit dem 30. August das andere Thema dieses Tages. Zuvor hatten die Rheinländer acht Auswärtsspiele am Stück unbeschadet überstanden – eine stolze Serie, die nun von der Schalker Ergebnis-Maschine beendet wurde. Erwähnt werden sollte, dass die Kölner etwas überraschend mit Lukas Podolski spielten – eigentlich war erwartet worden, dass der Nationalspieler draußen bleibt, weil es beim FC zuletzt ohne ihn so gut geklappt hatte. Doch „Poldi“ soll wieder in Form kommen, dafür brauchte er Spielpraxis. Das Ergebnis war freilich so ernüchternd wie der Aschermittwoch: „Poldi“ spielt, Köln verliert.

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