Schalke und die Hoffnung, dass Tönnies und Heldt verstanden haben

Clemens Tönnies bei der Jahreshauptversammlung des FC Schalke 04.
Clemens Tönnies bei der Jahreshauptversammlung des FC Schalke 04.
Foto: Joachim Kleine-Büning/Funke Foto Service
Was wir bereits wissen
Die Mitglieder von Schalke 04 wollten keine Palastrevolution. Sie vertrauen vielmehr darauf, dass Tönnies und Heldt verstanden haben. Die Zweifel sind aber nicht ausgeräumt. Ein Kommentar

Sommerpause, fast alle Spieler im Urlaub – und dennoch eine volle Hütte: Das gibt es wohl nur auf Schalke. Fast zehntausend Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung eines Fußballvereins dürfte selbst der FC Bayern München im Falle eines Comebacks von Uli Hoeneß nicht auf die Beine bringen. Eine Zahl, die eindrucksvoll belegt, wie sehr Königsblau diesen Menschen am Herzen liegt.Neururer

Wenn es um Schalke geht, ist in den Medien immer wieder vom „schwierigen Umfeld“ die Rede. Womit nicht zuletzt die angeblich so ungeduldigen Fans gemeint sind. Dabei ist eher das Gegenteil der Fall. Mitunter scheint die Geduld der königsblauen Anhänger, von denen die wenigsten noch Schalkes letzte Meisterschaft (1958) erlebt haben, geradezu grenzenlos zu sein.

Selbst nach dieser „beschissenen Saison“ (Horst Heldt) gewannen diesmal keine selbstzerstörerischen Kräfte die Oberhand, wie noch zu Zeiten eines „Oskar“ Siebert, als Schalker Versammlungen bestenfalls Klamauk waren und schlimmstenfalls Chaos hinterließen. Anders als früher erntet denn auch heute jemand wie Peter Neururer überwiegend Hohn und Spott, wenn er sich allen Ernstes als Heldt-Alternative ins Spiel zu bringen versucht.Jahreshauptversammlung

So lautstark auch die – berechtigte – Kritik an der Vereinsführung war, sie blockierte nicht die Einsicht, dass zu diesem Zeitpunkt eine Palastrevolution wenig bringen würde. Zumal sich Clemens Tönnies und Horst Heldt in den Staub warfen, zeigten sich viele Mitglieder versöhnlich gestimmt.

Ob aber beide tatsächlich verstanden haben, muss sich erst zeigen. Vor allem bei Tönnies, der – anders als Heldt – seinen Anteil an der Misere zu bagatellisieren versuchte („Sicher habe ich mich im Übereifer viel zu viel in die Tagespolitik von Schalke 04 eingemischt“) sind die Zweifel nicht ausgeräumt. Mitgliederversammlung

Nebenbei: Was von der Fußball-Kompetenz des Fleisch-Unternehmers aus Rheda-Wiedenbrück zu halten ist, der sich gern als jovialer Kumpeltyp gibt, aber knallhart die Fäden zieht, zeigt seine Aufforderung an die anwesenden Schalker Profi-Kicker: „Bitte trainiert Standards, das liegt mir ganz besonders am Herzen.“ Also: André Breitenreiter, übernehmen Sie!