Kommentar

Schalke tritt mit Boateng die Flucht nach vorn an

Ankunft bei seinem neuen Lieblingsverein Schalke: Kevin-Prince Boateng.
Ankunft bei seinem neuen Lieblingsverein Schalke: Kevin-Prince Boateng.
Foto: dpa

Nach drei Bundesligaspielen schon mit dem Rücken zur Wand stehend, tritt Schalke 04 mit der spektakulären Verpflichtung von Kevin-Prince Boateng die Flucht nach vorn an. Am Ergebnis muss sich auch Manager Horst Heldt messen lassen, dessen Transferpolitik bisher nicht unumstritten war. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen.. Ein Paukenschlag, ganz klar. Wobei es die eigentliche Sensation ist, dass in Zeiten wie diesen über einen so spektakulären Transfer wie den des Milan-Stars Kevin-Prince Boateng selbst bei den „üblichen Verdächtigen“ der Medienszene absolut nichts durchgesickert ist. Und dies bei einem Klub wie Schalke 04, der eher für Geschwätzigkeit denn für Verschwiegenheit steht!

Jermaine Jones fällt nur noch durch Aggressivität auf

Aus dieser Sicht ist dem zunehmend in die Kritik geratenen S04-Sportvorstand Horst Heldt unstrittig ein Coup gelungen. Wichtiger freilich ist der sportliche Aspekt. Zwar wirkt die Verpflichtung des ghanaischen Nationalspielers angesichts des schwachen Schalker Saisonstarts wie eine Flucht nach vorn. Aber sie macht auch Sinn.

Verkörpert doch Boateng den einst von Mark van Bommel geprägten Typ des „aggressive leader“, den Königsblau derzeit schmerzlich vermisst. Jermaine Jones, dem diese Qualität zeitweise zugeschrieben worden war, fällt nur noch durch Aggressivität, nicht aber durch Führungsqualitäten auf.

Dass nun auch reflexartig Boatengs Image als „bad boy”, der mit einem rüden Foul die Nationalmannschaftskarriere von Michael Ballack de facto beendet hat, thematisiert wird – geschenkt. Es ändert ebenso wenig am Potenzial des gebürtigen Berliners wie seine jüngsten pikanten Interview-Äußerungen, sein absoluter Lieblingsverein sei Borussia Dortmund.

Boateng hat Berlusconi-Klub Milan in die Champions League geschossen

Interessanter ist da schon die Frage, warum der Berlusconi-Klub einen Spieler, der die Rossoneri gerade mit zwei Toren gegen den PSV Eindhoven in die Champions League geschossen hat, ziehen lässt – für eine Summe (so die von Clemens Tönnies genannten 12 Millionen denn stimmen), die im internationalen Vergleich geradezu ein Schnäppchen ist. Aber das muss Schalke nicht kümmern. Jedenfalls solange nicht, wie Boateng die hohen Erwartungen erfüllt. In diesem Falle würde auch niemand mehr Horst Heldts bisherige Personalpolitik hinterfragen, die diesen Transfer (und den von Dennis Aogo) auf den letzten Drücker ja erst nötig gemacht hat. Aber eben nur dann!

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