Schalke-Trainer Di Matteo vor Derby-Debüt im Gleichgewicht

Immer mit der Ruhe: Schalke-Trainer Roberto Di Matteo.
Immer mit der Ruhe: Schalke-Trainer Roberto Di Matteo.
Foto: Sebastian Konopka / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Schalkes Trainer Roberto Di Matteo versucht vor dem Derby beim BVB, die Emotionen zu kanalisieren. Er fühlt sich erinnert an Lazio gegen AS Rom.

Gelsenkirchen.. Horst Heldt hat früher mit Köln gegen Mönchengladbach gespielt, auch mit 1860 München gegen die Bayern. Seit er Manager beim FC Schalke 04 ist, weiß er: Solche Partien lassen sich tatsächlich noch übertreffen. Durch das leidenschaftlichste aller Derbys, durch das Duell der beiden großen Ruhrgebietsklubs. Am Samstagnachmittag ist Schalke 04 bei Borussia Dortmund (15.30 Uhr, live in unserem Ticker) zu Gast, und Heldt sagt: „Da würde ich gerne mitspielen. Kribbeln und Anspannung sind bei mir schon da.“

Roberto Di Matteo, ein Meister der Selbstbeherrschung, sitzt daneben und lächelt ein bisschen gequält, als Heldt flachst, er könnte doch vielleicht wenigstens eingewechselt werden. Schalkes italienischer Trainer ist nicht der Typ, der sich durch Gemütsaufwallungen aus dem Gleichgewicht bringen lässt. Er ist Revierderby-Debütant, er weiß, was auf ihn zukommt, aber er sagt auch: „Es ist ein Spiel mit Emotionen, und man muss zusehen, dass man diese Emotionen auch kontrolliert.“

Ein Satz, der einiges über diesen Trainer aussagt. Wenn andere nervös werden, verfolgt er strikt seinen Plan. Er lässt sich nicht anstecken von all den Aufgeregtheiten rund um ein so brisantes Spiel, sondern er versucht, seine Mannschaft auf eine Mittelspur zu führen: „Man braucht Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Spielern“, erklärt er. „Bei einigen muss man die Emotionen runterfahren, bei den anderen dazugeben. Ich muss erkennen, bei wem ich welche Maßnahme ergreifen muss.“

Di Matteo erzählt, er selbst habe eine ganz gute Derbybilanz. Er war für Lazio Rom gegen AS Rom am Ball, auch für den FC Chelsea gegen die vielen anderen Londoner Klubs. „Das römische Derby lässt sich mit dem im Ruhrgebiet am besten vergleichen“, meint er.

Schalke diskutiert über Tönnies' Denkmodell

Auf Schalke wird in diesen Tagen über das von Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies angestoßene Denkmodell diskutiert, ob vielleicht jedes der mehr als 130 000 Mitglieder einmalig 1000 Euro spenden könnte, um zur finanziellen Gesundung des Vereins beizutragen und ihn für das Rennen mit den von Investoren unterstützten Konkurrenten wettbewerbsfähig zu halten. Roberto Di Matteo nimmt an dieser Diskussion nicht teil. Seine Zukunft ist der Samstag. Ihn interessiert, auf welche Spieler er dann bauen kann.

„Es sieht gar nicht so schlecht aus“, sagt er, nachdem zuletzt wieder eine ganze Mannschaft ausgefallen war. Klaas-Jan Huntelaar hat seine Sperre abgesessen und seine Schienbeinprellung überwunden, Atsuto Uchida ist am Donnerstag ins Mannschaftstraining zurückgekehrt, auch Dennis Aogo und Christian Fuchs sind wieder am Ball. So erhält der Trainer immerhin die eine oder andere Option bei der Auswahl seiner ersten Elf.

Huntelaar gibt Schalke Hoffnung

Di Matteo setzt seine größten Hoffnungen in Huntelaar, der seit dem ersten Rückrundenspieltag in der Bundesliga fehlte. „Er wird eine unheimliche Hilfe sein“, meint der Trainer, der auch ein Lob für Kevin-Prince Boateng parat hat: „Er hat vorne gut gespielt, obwohl es nicht seine Position ist.“ Durch Huntelaars Rückkehr kann er Boateng ins Mittelfeld zurückziehen.

Ganz hinten vertraut er weiterhin dem 19-jährigen Torwart Timon Wellenreuther, die verletzten Ralf Fährmann und Fabian Giefer bleiben im Wartestand. „Natürlich hat Timon noch keine Erfahrung“, sagt Di Matteo, „aber ich war mit seinen Leistungen zufrieden.“

Dortmund war bisher ein gutes Pflaster für Schalke-Torhüter. Manuel Neuer, Ralf Fährmann und Lars Unnerstall boten dort in den vergangenen Jahren überragende Partien. Wellenreuther könnte sich einreihen, über Mangel an Beschäftigung wird er kaum klagen.