Schalke-Trainer Breitenreiter kämpft mit ähnlichen Problemen wie Di Matteo

Schalke-Trainer André Breitenreiter (l.) mit seinem Vorgänger Roberto Di Matteo.
Schalke-Trainer André Breitenreiter (l.) mit seinem Vorgänger Roberto Di Matteo.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Nach dem 0:3-Debakel gegen Schachtjor Donezk müssen die Schalker ihre Fans zurückgewinnen. Am Sonntag fahren die Königsblauen nach Frankfurt.

Gelsenkirchen.. Nach dem desolaten Auftritt bei der 0:3-Niederlage gegen Schachtjor Donezk disponierte Schalke am Freitagmorgen um. Die angesetzte Trainingseinheit wurde vom Hauptplatz nach drinnen verlegt. Nur ein paar Reservisten drehten ihre Joggingrunden. Einer möglichen Konfrontation mit wütenden Fans ging man so von vornherein aus dem Weg.

Nun kommt es am Sonntag (19.30 Uhr, live in unserem Ticker) zum Wiedersehen, zumindest mit dem harten Kern. Der FC Schalke 04 ist in der Fußball-Bundesliga bei Eintracht Frankfurt zu Gast. Von den Hessen sprach nach dem Donezk-Spiel aber keiner – sondern von Paderborn. Am 16. Mai 2015 herrschte ähnlich schlechte Stimmung in der Arena. Völlig verkrampfte Schalker quälten sich zu einem unverdienten 1:0 gegen den SCP, der Auftritt galt als Tiefpunkt der Ära Di Matteo.

Analyse André Breitenreiter stand beim späteren Absteiger an der Linie, ein Dreivierteljahr später kämpft dieser mit ähnlichen Problemen wie sein Vorgänger. Fast traumatische Züge hatte damals die Entfremdung zwischen den Anhängern und der Mannschaft, die nicht mehr die ihre war.

Breitenreiter gestand zwar ein, dass sein Team am Donnerstag keine gute Leistung gezeigt hatte. Sein Verweis auf die übergroßen Erwartungen des Umfelds klang dann aber doch wie eine Entschuldigung. Erst recht, weil auch Breitenreiter vor dem Spiel in die Gelsenkirchener Träume eingestimmt hatte: „Mein Wunsch ist, so weit wie möglich zu kommen und am Ende die Europa League zu gewinnen.“

Doch als es darauf ankam, schaltete seine Mannschaft einen Gang herunter statt hoch. „Warum auch immer“, sagte Breitenreiter achselzuckend.

Das nicht nur herauszufinden, sondern zu beheben, ist freilich seine Aufgabe. Das Problem, dass die Mannschaft nur phasenweise überzeugt, ist hinlänglich bekannt, es scheint schon fast chronisch. Gegen Schachtjor waren es sogar nur zehn Minuten, in denen die Schalker Spieler alles abgerufen hatten. „Ob sie dann glauben, dass sie locker gewinnen werden? Ich weiß es nicht“, antwortete Breitenreiter auf die Frage nach dem erschreckenden Einbruch, offensichtlich etwas hilflos.

Auf Konfrontation mit der Kurve

Wie gefährlich der Ansatz ist, die Fehler in erster Linie bei anderen zu suchen, zeigt sich auch am Beispiel von Ralf Fährmann. Der bei den Fans äußerst beliebte Torwart ging nach dem Spiel auf Konfrontationskurs mit der Kurve. „Wir stellen uns der Kritik. Aber die Pfiffe der Fans fand ich nicht angebracht“, sagte Fährmann im Anschluss an die erlittene Demütigung und entsprechendem Echo.

Kommentar Stattdessen formulierte er eine steile These: „Das Publikum ist in Pokalspielen ein anderes als in der Bundesliga.“ Die Europapokal-Zuschauer, so mutmaßte Fährmann, seien wohl anspruchsvoller – aber eben auch nicht bedingungslos in ihrer Unterstützung.

Bezeichnend auch, dass weder er noch Teamkamerad Johannes Geis von einer „Blamage“ sprechen wollten, welche das Spiel gegen Donezk sehr wohl war. „Die Mannschaft ist keine Kaffeemaschine, die man einschaltet – und dann läuft es“, meinte Fährmann. Wenn die Wende gelingen soll, muss Schalke zumindest den Stecker einstecken. Diesen hatte Donezk am Donnerstag bei den Königsblauen zweifelsohne gezogen.

Damit Strom und Kaffee wieder fließen, muss gegen Frankfurt eine deutliche Steigerung her. „Es wird sehr schwer dort“, ahnt Fährmann vor dem Duell mit seinem Ex-Klub.