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Schalke stoppt Bundesliga-Talfahrt mit Harakiri-Show

20.01.2013 | 21:12 Uhr
Überragende Schalker beim 5:4 gegen Hannover: Jefferson Farfan (l.) und Lewis Holtby (r.).Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool

Gelsenkirchen.   „Nach dem 2:0 war ich mir ziemlich sicher, dass wir das Spiel locker nach Hause schaukeln, weil die Spieler in der ersten Halbzeit defensiv sehr gut gearbeitet haben“, sagte Schalkes Trainer Jens Keller nach dem 5:4-Sieg über Hannover 96.

Das Schöne an einem Freitagspiel in der Bundesliga ist ja: Wenn man gewonnen hat, kann man sich am Samstag zurücklehnen und in aller Ruhe verfolgen, was der Sieg in der Tabelle wert ist. Schalke machte durch das 5:4 gegen Hannover zwei Plätze in der Tabelle gut und liegt als Fünfter nur noch zwei Punkte hinter dem Vierten Frankfurt. Der Rückrunden-Auftakt hätte wahrlich schlechter laufen können, aber das war es nicht allein, was Schalke an diesem Wochenende beschäftigte. Zu nervenaufreibend, zu spektakulär war das, was der 5:4-Sieg am Freitagabend gegen Hannover geboten hatte. Eine irre Show – oder eher sportliches Harakiri?

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Schalke hat neuen Druck beim Bastos-Transfer

Mit Chinedu Obasi (Bänderriss im Knöchel) und Tranquillo Barnetta (Zerrung) beklagt Schalke zwei weitere verletzte Spieler. Da Ibrahim Afellay ohnehin lange ausfällt, erhöht sich noch weiter der Druck, noch Verstärkung für die Außenbahn zu verpflichten. Top-Kandidat bleibt Michel Bastos.

Geplant war es auf jeden Fall nicht. „Für die Fans war das ein Wahnsinnsspiel, aber als Trainer sitzt du da draußen und verstehst manchmal die Welt nicht mehr“, sagte Jens Keller. So sehr ihn die fünf geschossenen Tore gefreut hatten, so sehr verzweifelte der 42-Jährige an den vier Gegentreffern. Nur die Älteren können sich noch daran erinnern, dass Schalke mal die beste Abwehr der Bundesliga hatte. Wenigstens die Moral stimmte, und das war dann doch ein Fortschritt im Vergleich zu den letzten Spielen unter Huub Stevens, als die Spieler nach Gegentoren regelmäßig die Köpfe hängen ließen.

Schalke-Kapitän Höwedes brach eine Lanze für Jens Keller

Immer deutlicher wird, dass die vielen Gegentreffer eher eine Frage des Personals auf der Spielerseite sind und weniger eine Frage von System und Taktik. Huub Stevens, der Meister der Defensive, hatte es schon nicht hinbekommen, und Jens Keller bisher auch nicht, obwohl er in der Vorbereitung sehr viel am Abwehrverhalten der Mannschaft gefeilt hatte. In der Öffentlichkeit hatte das 0:5 im Test gegen die Bayern eine verheerende Wirkung auf die Reputation des Trainer-Neulings, aber in der Mannschaft ist das offenbar kein Thema. Kapitän Benedikt Höwedes brach nach dem Spiel gegen Hannover jedenfalls eine Lanze für Jens Keller: „Dass eine Trainerdiskussion im Raum steht, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen“, sagte er. „Der Trainer ist absolut akzeptiert, er macht einen guten Job, arbeitet viel und spricht viel mit der Mannschaft. Von daher sehe ich es nicht ein, dass solche Diskussionen überhaupt entstehen.“ Die Mannschaft würde sich daran jedenfalls nicht beteiligen. Auch Christian Fuchs sagte, der Trainer sei „abgestempelt worden“, noch ehe er mit Schalke überhaupt das erste Bundesliga-Spiel bestritten habe: „Bei der Mannschaft kommt er an, das hat man gegen Hannover gesehen.“ Er meinte damit wohl, dass die Spieler niemals aufgesteckt hätten.

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Schalke kann Marica-Vertrag per Option verlängern

Ciprian Marica war einer der Gewinner im Team des FC Schalke 04 beim 5:4-Spektakel gegen Hannover 96. Der Stürmer vertrat Klaas-Jan Huntelaar glänzend. Am Saisonende läuft Maricas Vertrag auf Schalke aus. Auf Anfrage von waz.de erklärte Marica, dass Schalke den Vertrag per Option verlängern kann.

Jens Keller war es selbst ein Rätsel, wie sich nach der scheinbar beruhigenden 2:0-Führung ein solches Harakiri-Spiel entwickeln konnte: „Nach dem 2:0 war ich mir ziemlich sicher, dass wir das Spiel locker nach Hause schaukeln, weil die Spieler in der ersten Halbzeit defensiv sehr gut gearbeitet haben.“ Doch nach dem Hannoveraner Anschlusstreffer wurde er von den alten Problemen eingeholt. Problem Nummer eins: Schalkes Torhüter gewinnen keine Spiele – da geht es Timo Hildebrand im Moment nicht anders als in der Hinrunde Lars Unnerstall. Jeder Ball, der einigermaßen platziert aufs Tor kommt, ist drin. Problem Nummer zwei: Die Außenverteidiger Christian Fuchs (links) und Atsuto Uchida (rechts) haben ihre Stärken im Spiel nach vorne und zu große Defizite in der Defensive – das geht nur dann gut, wenn die Balance in der gesamten Mannschaft stimmt. Problem Nummer drei: Wenn Schalke von außen so überrollt wird wie gegen Hannover (Benedikt Höwedes: „Auf der linken Abwehrseite verteidigen wir schlecht“), sind die Innenverteidiger kein Stoppschild.

Schalke gewinnt nach sechs sieglosen Bundesliga-Spielen in Folge

Trotzdem überwiegt unterm Strich das Positive: Der FC Schalke 04 hat nach zuvor sechs sieglosen Bundesliga-Spielen die Talfahrt gestoppt und hofft, dass sich auf diesem Boden die Trendwende einstellen wird. „Jetzt sind wir gut gestartet und haben Gegner, gegen die wir Punkte holen können“, sagt Timo Hildebrand mit Blick auf die nächsten Aufgaben in Augsburg und gegen Fürth: „Das gibt trotz der vier Gegentore Selbstvertrauen.“ Und irgendwie war’s ja tatsächlich eine irre Show, dieses 5:4. Harakiri hin oder her.

Schalke gewinnt 5:4

Manfred Hendriock



Kommentare
21.01.2013
13:45
Schalke stoppt Bundesliga-Talfahrt mit Harakiri-Show
von Latte1999 | #4

Die Aussenverteidiger sind nicht das alleinige Problem - während Farfan zumindest teilweise mit nach hinten arbeitet bzw. sich zumindest taktisch richtig verhält, wenn der Gegner über links angreift, so ist das was Draxler da defensiv abruft fast immer falsch - sowohl in der Bewegung gegen den Ball, als auch von den taktischen Laufwegen her. Dadurch sieht Fuchs immer Scheisse aus. Aber sowohl hier bei der WAZ als auch beim Reviersport traut sich keiner den Musterschüler Draxler anzukratzen. Mit Affeley ging das nach hinten deutlich besser, weil genauso klever wie Farfan.
Hub hat das schon nicht geschafft - ich hoffe Herr Keller bekommt das hin. Ansonsten wird das ein echtes Problem
Glück Auf Schlake.

21.01.2013
08:44
Schalke stoppt Bundesliga-Talfahrt mit Harakiri-Show....
von Schalkemania | #3

...und das war auch nötig.
Also, mal ehrlich, worum ging es denn? Ganau, für S04 ging es darum, den Abwärtstrend zu stoppen. Dabei ist für mich zunächst egal, wie es zustande kam. Gewonnen ist gewonnen, 3 Pkt im Sack. Also mir ist nicht bekannt, das es für ein souveränes 1:0 mehr als 3 Pkt. gegeben hätte. Möge man mir zeigen wo.
Betrachtet man dann noch die Gegentore, waren 2 davon eben nicht haltbar, weil unglücklich abgefälscht und Fallrückzieher. Also, wo ist das Problem, bleiben zwei Dinger gegen 96 gefangen. Das kann passieren.
Betrachtet man dann noch die anderen Spiele, hat sich ja wohl keiner mit Ruhm bekleckert. Okay außer der BVB, der ein Feuerwerk abgebrannt hat.
Deshalb kann ich das Gemeckere eben nicht verstehen. HH sagt, wir haben 17 Endspiele. Eins davon wurde gewonnen, also Mund abputzen und weiter geht es.
Glück Auf!

21.01.2013
08:17
Schalke stoppt Bundesliga-Talfahrt mit Harakiri-Show
von Ralle1001 | #2

So viel Falsches steht hier gar nicht.

Die größten Probleme stehen im Tor und hinten rechts. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass ich so etwas mal schreibe, aber Unnerstall war besser als es Hildebrand seit seiner Beförderung ist. Jeder Schuss ein Treffer. Der kleine Timo streckt sich ein wenig, springt mit schöner Frisur etwas hoch und runter und manchmal in die Ecken, aber halten tut er keinen Ball.

Uchida ist eine absolute Katastrophe. Von daher würde mich mal interessieren, wie der Autor darauf kommt, er hätte seine Stärken. Wo auch immer. Jeff versucht bei jedem Angriff sein Möglichstes, den Ball zu verwerten, bevor dieser schmächtige Japaner im zwischen den Füßen rumwuselt. Vorne steht er im weg. Hinten nicht. Vertrag? Verlängert! Toll!

1 Antwort
Schalke stoppt Bundesliga-Talfahrt mit Harakiri-Show
von 04klicker | #2-1

Wenn Sie Uchidas Defensivverhalten schon als Katastrophe bezeichnen, welche Vokabel werden Sie dann wohl für das noch schlechtere (weil gar nicht vorhandene) Defensivverhalten unseres linken Außenverteidigers finden?
Wie blöd muss man eigentlich sein, um den Fuchs immer wieder in der Abwehr aufzustellen? Der gehört ins linke Mittelfeld.

20.01.2013
23:34
Nur die Älteren?
von blauweissesblut | #1

Was heißt hier: "Nur die Älteren können sich noch daran erinnern, dass Schalke mal die beste Abwehr der Bundesliga hatte." Das ist nicht einmal 4 Jahre her, aber der gute Herr Magath hat diese Abwehr in seiner unnachahmlichen Art auseinandergenommen und nicht für angemessenen Ersatz für Rafinha, Bordon und Kristajic gesorgt und der aktuelle Vorstand war nicht in der Lage, den Verlust von Manuel Neuer einigermaßen zu kompensieren. Da und nur da liegt die Wurzel der derzeit nicht befriedigenden Situation!

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