Schalke steht im Halbfinale der Königsklasse

Schalker Jubel: Kyriakos Papadopoulos (r.), Jose Manuel Jurado (l.) und Torschütze Raúl. Foto: Sascha Schuermann/dapd
Schalker Jubel: Kyriakos Papadopoulos (r.), Jose Manuel Jurado (l.) und Torschütze Raúl. Foto: Sascha Schuermann/dapd
Was wir bereits wissen
Schalke legte nach dem 5:2 im Hinspiel sogar noch einen Sieg nach und schlug Inter Mailand auch im Rückspiel verdient mit 2:1. Die Königsblauen treffen im Halbfinale der Champions League auf Manchester United.

Gelsenkirchen.. Man muss sich das nur einmal vorstellen: Der große Raúl ist mit den Königlichen von Real Madrid in den vergangenen Jahren immer im Achtelfinale der Champions League ausgeschieden – mit den Königsblauen aus Schalke dagegen hat er gleich auf Anhieb das Halbfinale erreicht. Auch daran wird deutlich, welch grandiosen Triumph Schalke gestern perfekt gemacht hat: Die Gelsenkirchener stehen zum ersten Mal überhaupt unter den besten vier Mannschaften in Europa und treffen dort auf das englische Super-Team von Manchester United. Das erste Duell findet am 26. April auf Schalke statt, das Rückspiel am 4. Mai im Old Trafford von Manchester. Was werden das für Festtage – die nächsten Kapitel im Geschichtsbuch können geschrieben werden.

Schon das Viertelfinal-Rückspiel am Mittwoch in der Arena gegen Inter Mailand war ein Abend zum Genießen:. Schalke legte nach dem 5:2 im Hinspiel sogar noch einen Sieg nach und schlug den Titelverteidiger auch im Rückspiel verdient mit 2:1. Erst traf Raúl zum 1:0, nach dem 1:1 durch Thiago Motta erzielte Benedikt Höwedes in der 81. Minute das 2:1 und verwandelte die Arena in ein Tollhaus. Ein historischer Triumph. Und dass Schalke verdient unter den letzten Vier steht, zeigt allein diese Bilanz: Es war der siebte Sieg (!) im zehnten Spiel des laufenden Wettbewerbs. Grandios.

Die einzige Gefahr für Schalke wäre die gewesen, dass irgendjemand die Sache nach dem 5:2-Hinspielsieg schon als erledigt betrachtet hätte. Doch diesen Zahn konnte Schalke Inter schnell ziehen: Die Blauen wirkten von der ersten Minute an konzentriert und gallig – so wie es in einem Europapokalspiel sein muss. Es war eine reife Leistung: Schalke spielte einen Tick defensiver als zuletzt, weil Christoph Metzelder (nach seinem Nasenbeinbruch mit einer Gesichtsmaske) für den gesperrten Jefferson Farfan in die Start-Elf kam und dafür Joel Matip ins Mittelfeld aufrückte.

Lucio lief heiß

Schließlich waren es ja die Mailänder, die etwas riskieren mussten. Zwar spielten sie nicht von Beginn an nach dem Motto „alles oder nichts“, doch nach 20 Minuten und einer ersten Schalke-Chance durch Raúl (16.) erhöhten sie die Schlagzahl. Vor allem der Ex-Münchner Lucio, der nach seiner Sperre beim Hinspiel wieder dabei war, lief heiß und sah auch die Gelbe Karte. Doch abgesehen von einem Stankovic-Schuss, den Manuel Neuer in der 36. Minute klasse parierte, ließ Schalke nichts zu, obwohl sich Inter bis zur Pause 7:1-Ecken erspielte.

Glückliche Schalke-Fans

Glückliche Schalke-Fans
Kerstin Gohl

Schalke stand unter Druck, aber der fiel in der 45. Minute wie ein Erdrutsch von den königsblauen Schultern. Und auch dafür höchstpersönlich verantwortlich war Senor Raúl: Nach einem Traumpass von Jose Manuel Jurado lief Raúl allein auf das Tor zu, umkurvte Inter-Schlussmann Julio Cesar und schob den Ball mit all seiner Routine überlegt zur Schalker 1:0-Führung ein. „Das war die richtige Antwort“, jubelte Stadionsprecher Dirk Oberschulte Beckmann angesichts der Inter-Offensive – und Schalkes Fans waren schier aus dem Häuschen. Es war der 71. Champions-League-Treffer von Raúl, dem besten Schützen aller Zeiten der Königsklasse.

6:2 stand es jetzt im Gesamtvergleich – Schalke hätte sich theoretisch noch vier Gegentreffer leisten können. Doch wie konzentriert jeder einzelne Königsblaue in der rappelvollen Arena auch danach noch zu Werke ging, zeigte sich an der Reaktion der Fans nach dem Inter-Ausgleich zum 1:1 durch Thiago Motta in der 49. Minute: Sie feuerten Schalke bedingungslos an, so dass alle diesen unvergessenen Abend einfach nur noch genießen konnten. Und als Höwedes zum 2:1 traf, kannte diese Party gar kein Ende mehr.