"Schalke nicht würdig" - Fährmann schämt sich für das Team

Ralf Fährmann nach dem erneut enttäuschenden letzten Saisonspiel der Schalker beim Hamburger SV.
Ralf Fährmann nach dem erneut enttäuschenden letzten Saisonspiel der Schalker beim Hamburger SV.
Foto: imago
Schalkes Torwart Ralf Fährmann kann den Ärger der Fans verstehen und will nicht begreifen, dass Profis noch nicht einmal "laufen und kämpfen".

Gelsenkirchen.. Ralf Fährmann ist ein Paradeschalker. Einer, der auch in der Kurve stehen würde, wenn er nicht überdurchschnittliches Torwart-Talent hätte. Schalke ist für den 26-Jährigen mehr als ein Arbeitgeber, auch mehr als irgendein Fußballverein: Schalke ist für ihn eine Herzensangelegenheit.

Man kann sich vorstellen, wie sich so einer fühlt, wenn er im Kreise seiner Mannschaftskollegen nach dem blamablen Saison-Ende in Hamburg vor die Fan-Ecke schleicht. „Scheiß Millionäre“, dröhnte es den bei der 0:2-Niederlage erneut schwach aufgetretenen Profis entgegen, und: „Wir haben die Schnauze voll.“

Fährmann entschuldigt sich bei den Schalke-Anhängern

Das kann der Torwart verstehen, ihm geht es ja ähnlich. „Ich glaube, ich würde auch nicht anders reagieren, wenn ich da auf der Tribüne stehen würde“, sagt er. „Wir müssen uns jedem Hohn und Spott stellen. Ich kann mich bei den Leuten nur entschuldigen. Sie identifizieren sich mit diesem Malocherklub, die wollen uns auf dem Platz kämpfen sehen. Und das ist doch eigentlich auch nicht so schwer.“

Ralf Fährmann nimmt die Mannschaft in die Pflicht, den Trainer klammert er bewusst aus. Er will es sich nicht so einfach machen, mit dem Finger auf den mittlerweile entlassenen Roberto Di Matteo zu zeigen und damit den Spielern ein Alibi zu liefern: „Wenn wir so eine Rückrunde spielen, kann doch draußen stehen, wer will, und er kann auch über Taktik reden, wie er will – das nützt alles nichts, wenn wir das Einmaleins nicht abrufen. Wir müssen laufen und kämpfen.“

Fährmann: "Müssen so sein wie die Fans"

Die Saison-Analyse des Torhüters, dem im Gegensatz zu vielen anderen keine Vorwürfe zu machen sind, fällt schonungslos aus. „Ich bin froh, dass es jetzt vorbei ist“, sagt er und fügt drastisch an: „Wir haben eine total beschissene Rückrunde gespielt. Das war Schalke nicht würdig. Ich hoffe, dass sich jetzt jeder Gedanken macht und nicht einfach abschaltet. Es war kein schönes Gefühl, vor den Fans zu stehen, das tat einfach nur weh. Die Fans sind total frustriert, man sieht ihre puren Emotionen. Die stehen mit Leib und Seele zu dem Verein, und deshalb muss sich jeder Spieler an die eigene Nase fassen. Wir müssen das an den Tag legen, was diesen Verein ausmacht, es geht darum, so zu sein wie die Fans. Denn eines ist Fakt: So eine Rückrunde dürfen wir in den nächsten zehn Jahren nicht noch einmal spielen.“

Aber warum bloß werden die auch von Ralf Fährmann geforderten Grundtugenden nicht aufs Feld gebracht? „Das ist die wichtigste Frage, die man sich stellen muss“, sagt der Torhüter. „Und die muss jeder für sich selbst beantworten.“

Schalke muss auf BVB-Niederlage im Pokal hoffen

Und nun? Der Torwart ärgert sich zwar darüber, dass Schalke jetzt auch noch abwarten muss, wie das Pokalfinale läuft, weil nur bei einem Sieg des VfL Wolfsburg über Borussia Dortmund auch der nun von den Königsblauen belegte sechste Platz zum direkten Einzug in die Gruppenphase der Europa League berechtigen würde. Aber er wäre nicht Ralf Fährmann, wenn er sein Fazit nach all dem Ärger nicht doch noch positiv beschließen würde: „Jetzt versuche ich, so gut wie möglich zu regenerieren“, sagt er, „und dann geht es mit voller Power in die neue Saison.“