Schalke-Fans streiten über Stimmungs-Boykott der Ultras

Die Ultras des FC Schalke 04 wollen gegen den SC Paderborn in der ersten Spielhälfte schweigen.
Die Ultras des FC Schalke 04 wollen gegen den SC Paderborn in der ersten Spielhälfte schweigen.
Foto: Thomas Schmidtke / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Auf Schalke kochen die Emotionen: Jetzt rufen die Ultras zum Stimmung-Boykott beim Paderborn-Spiel auf. Zudem gibt es eine Kampagne, die den suspendierten Marco Höger unterstützt.

Essen.. Der Knall auf Schalke und seine Folgen: Drei Sündenböcke mussten bei dem Fußball-Bundesligisten die königsblaue Sporttasche packen. Kevin-Prince Boateng und Sidney Sam wurden freigestellt, Marco Höger bis einschließlich Samstag suspendiert.

Entlassung Nach dieser Hauruck-Aktion, die viele Anhänger für eine Verzweiflungstat halten, wird der Gegenwind der Fans vor allem für Manager Horst Heldt deutlich stärker.

Schalke-Fans starten Kampagne #proHoeger

Während einige den Rauswurf von Boateng und Sam noch nachvollziehen können, erhält besonders der suspendierte Marco Höger im Internet deutliche Unterstützung der Schalke-Fans. Unter dem Hashtag "ProHoeger" läuft eine Kampagne, die zur Solidarität mit dem Mittelfeldspieler aufruft. Heldt hatte öffentlich Högers "Loyalität gegenüber dem Verein" angezweifelt.

Das ist nicht die einzige Initiative, mit der die Schalke-Fans ihrem Ärger Luft machen. Die Ultras haben auf ihrer Homepage eine ausführliche Stellungnahme zu der aktuellen Entwicklung auf Schalke veröffentlicht: Sie vermissen "Stolz und Einsatz" bei den Kickern.

Kommentar Gegen Köln sahen sie eine "erneute Arbeitsverweigerung unserer so genannten Mannschaft", heißt es weiter. Das "leidenschafts- und emotionslose sportliche Auftreten" in der "Wohlfühloase Schalke" sei nicht mehr hinnehmbar.

Schalke-Ultras wollen gegen Paderborn 45 Minuten schweigen

Deshalb rufen die Ultras für das nächste Bundesliga-Spiel am Samstag gegen den SC Paderborn unter dem Motto "Heute haben wir nur die Hälfte Bock" zu einem Stimmungs-Boykott in den ersten 45 Minuten auf.

Während die Schalke-Fahnen am Samstag in der ersten Spielhälfte eingerollt bleiben sollen, würden entsprechende Banner und Transparente im Stadion zu sehen sein.

Widerstand in den eigenen Reihen gegen Stimmungs-Boykott

Allerdings sind nicht alle Anhänger der Königsblauen mit der Aktion einverstanden. Der Schalker-Fan-Club Verband vermeidet es in einem Facebook-Post klar Stellung zu der Ultras-Aktion zu nehmen: "Jeder soll für sich selbst entscheiden, wie er mit dieser unzufriedenen sportlichen Situation umgeht: Support oder Stimmungsboykott."

Klage In den Kommentaren wird deutlich, dass sich die Schalke-Fans zwar einig sind, dass es mit den schlechten Leistungen der Mannschaft so nicht mehr weitergehen kann. Sie streiten aber darüber, wie man als Fan damit umgehen sollte. Während einige die Aktion der Ultras befürworten, um ein Zeichen zu setzen, weisen andere daraufhin, dass es sich am Samstag gegen Paderborn um das entscheidende Spiel für den Einzug in die Europa League handelt. Zudem droht den Schalkern bei weiteren Punktverlusten, dass Borussia Dortmund noch an den Knappen vorbeizieht.

Dieses Dilemma fasst Tobias Florysiak in seinem Facebook-Kommentar zusammen: "Schwierig in dieser Phase das Richtige zu tun. Eigentlich müsste die Nordkurve 15 Minuten leer bleiben und danach 30 Minuten still und ja auch bei einem Tor! Allerdings geht es ja um alles und die Spieler werden ohnehin schon verunsichert auflaufen. Und wir die Fans geben doch immer 104% bei jedem Spiel und Wetter, ohne dafür bezahlt zu werden. Wir Fans sollten uns nicht auf die gleiche Stufe stellen wie einige überbezahlte Spieler auf dem Platz!"

Ultras kritisieren Vereinsführung des FC Schalke 04

Tönnies Nicht nur die Akteure auf dem Rasen bekommen ihr Fett in der Stellungnahme der Ultras weg, sondern auch die Verantwortlichen neben dem Platz. Manager Horst Heldt und Trainer Roberto Di Matteo seien für das derzeitige Abschneiden zwar mitverantwortlich. Doch der "Fisch beginnt am Kopf zu stinken", heißt es in dem Aufruf.

"Seit Jahren gibt es Instanzen im Verein, welche jegliches Handeln der entsprechenden Personen absegnen oder Aufgaben, die nicht dem eigenen Handlungsspielraum entsprechen, direkt selber übernehmen", beschweren sich die Ultras und wollen dem in den nächsten Monaten entgegenwirken. (nal/ik)