Schalke bremst sich gegen Frankfurt selbst aus

Schalkes Julian Draxler sah die Rote Karte.
Schalkes Julian Draxler sah die Rote Karte.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Beim 2:2 gegen Eintracht Frankfurt flogen die Schalke-Profis Kevin Prince Boateng und Julian Draxler vom Platz. Ohne die beiden Führungsspieler wird es jetzt am Dienstag im Bundesligaspiel bei Werder Bremen noch schwerer, den ersten Saisonsieg zu schaffen.

Gelsenkirchen.. Als Julian Draxler in diesem Sommer einmal über die Lehren sprach, die er aus der für ihn schwierigen vergangenen Saison gezogen hatte, da sagte er: „Ich habe es erlebt, wie es ist, wenn man der Buhmann ist.“ Vor fast genau elf Monaten fühlte er sich in dieser Rolle. Schalke war zu Hause im Derby von Borussia Dortmund mit einem 1:3 beinahe vorgeführt worden, und Julian Draxler nahm die Schuld auf sich: Auf seiner Facebook-Seite entschuldigte er sich in der Nacht nach dem Spiel sogar für seine „miese Leistung“. Die Fans, so schrieb er, sollten ruhig auf ihn draufhauen.

Diesmal, am Tag nach dem 2:2 des FC Schalke 04 in der Fußball-Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt, schrieb er erst einmal: nichts. Auch die Arena hatte er am Samstagabend lediglich mit dem Hinweis verlassen, sich diesmal nicht äußern zu wollen.

Verdorbener Geburtstag

Julian Draxlers 21. Geburtstag am Samstag war ordentlich ins Wasser gefallen, doch darum ging es nicht. Unausgesprochen war der Nationalspieler wieder der Buhmann bei Schalke 04, weil er sich in der 71. Minute eine Rote Karte eingehandelt hatte und seine Mannschaft damit ein zweites Mal entscheidend schwächte, nachdem zehn Minuten zuvor schon Kevin-Prince Boateng mit einer Gelb-Roten Karte den Platz hatte verlassen müssen. In Unterzahl kam der FC Schalke nur zu diesem 2:2 gegen Eintracht Frankfurt, er wartet damit weiter auf seinen ersten Punkte-Dreier in dieser Saison und befindet sich wieder in einer bedrohlichen Situation, da das Team von Trainer Jens Keller erneut nicht die Ansprüche des Klubs erfüllen konnte. Nicht nur Ersatz-Kapitän Klaas-Jan Huntelaar findet: „Wir sollten jetzt langsam damit anfangen, ein paar Siege einzufahren.“ Sechs Pflichtspiele sind schon verstrichen, ohne dass Schalke dabei nur ein einziges Mal eine rundum überzeugende Leistung hat abliefern können.

Kommentar Gegen Frankfurt wäre der Sieg nicht nur dringend nötig, sondern auch gut möglich gewesen, weil Schalke in einem turbulenten Spiel nach einem frühen 0:2-Rückstand (Torschützen Alexander Meier und Marco Russ) durch Eric Maxim Choupo-Moting (40., Handelfmeter) und Julian Draxler (50.) zum 2:2 ausgeglichen hatte, ehe das Team sich mit den Platzverweisen wieder selbst ausbremste. Bei Frankfurt sah in der Schlussphase auch noch Slobodan Medojevic Gelb-Rot.

Jeder wusste, dass die Platzverweise für Schalke entscheidenden Charakter für den Ausgang des Spiels hatten, aber weil Kritik an Kollegen nicht besonders gut fürs Betriebsklima ist, bissen sich die meisten Königsblauen lieber auf die Zunge. Am deutlichsten sagte es noch Mittelfeldspieler Dennis Aogo: „In Unterzahl sind wir nicht mehr so richtig zum Zuge gekommen, sonst hätten wir das Spiel auf jeden Fall für uns entschieden.“

Auch Manager Horst Heldt druckste eher herum bei der Antwort auf die Frage, ob er vom Fehlverhalten der eigentlichen Führungsspieler Draxler und Boateng enttäuscht sei: Boateng habe bei dem Laufduell mit Hasebe durch seine erhobenen Arme klar signalisiert, „dass er keinen Körperkontakt sucht“. Der Deutsch-Ghanaer habe in dieser Szene Druck auf seinen Gegenspieler ausüben müssen, sagte Heldt, wobei Roman Neustädter auch darauf hinwies, dass er den Frankfurter noch hätte stoppen können. Und Trainer Jens Keller empfand beide Gelben Karten für Boateng als zu hart.

Stimmen Bei Draxlers Roter Karte hatte Keller während des Spiels nichts gesehen, doch die Fernsehbilder waren eindeutig: Sie zeigten den 21-Jährigen, wie er am Boden liegend frustriert gegen den früheren Schalker Carlos Zambrano mit dem Fuß nachhakelte und diesen dabei auch traf. „Das war ein Reflex“, sagte Horst Heldt, suchte nach Gründen dafür und kam zu dem Schluss, dass der Platzverweis berechtigt war: „Da gibt es sicherlich nichts zu diskutieren“.

Matip kehrt am Dienstag in die Schalke-Elf zurück

Julian Draxler hat sich allem Anschein nach hinter verschlossenen Türen später bei den Team-Kollegen entschuldigt: „Er hat ein paar Sätze gesagt – was genau, bleibt aber in der Kabine“, erklärte Marco Höger. Während Boateng nur ein Spiel fehlt und am Dienstag in Bremen (20 Uhr, live in unserem Ticker) durch den seit Sonntag wiedergenesenen Joel Matip ersetzt werden kann, trifft Schalke die Sperre von Draxler hart: Der Nationalspieler, der sich gegen Frankfurt wie schon zuvor in der Champions League gegen Chelsea während des Spiels eigentlich voller Tatendrang und in guter Form präsentiert hatte, wird Schalke mit großer Sicherheit auch am Samstag im Derby gegen Borussia Dortmund fehlen.

Die Rolle des Buhmanns: Sie wird dann eine andere sein als beim Derby gegen Dortmund vor einem Jahr.