Schalke bleibt ein ungelöster Fall - auch für Di Matteo

Ein Punkt, aber kein Tor: Trainer Roberto Di Matteo kam mit Schalke in Augsburg nicht über ein 0:0 hinaus.
Ein Punkt, aber kein Tor: Trainer Roberto Di Matteo kam mit Schalke in Augsburg nicht über ein 0:0 hinaus.
Foto: Stefan Puchner / dpa
Obwohl viele Verletzte wieder fit sind, korrespondieren beim königsblauen Team von Schalke-Trainer Roberto Di Matteo Anspruch und Wirklichkeit nicht.

Augsburg.. Es war schon eine beachtliche Prominenz, die da rund um Schalkes Trainer Roberto Di Matteo versammelt war. WM-Teilnehmer wie Atsuto Uchida, Kevin-Prince Boateng und Sead Kolasinac saßen dort, mit Dennis Aogo auch ein früherer deutscher Nationalspieler und mit Jefferson Farfan ein Ausnahme-Stürmer. Nicht alle waren in bester körperlicher Verfassung, weshalb sie beim Auswärtsspiel des FC Schalke 04 in der Fußball-Bundesliga beim FC Augsburg auch nur einen Platz auf der Ersatzbank zugewiesen bekamen. Aber allein die Namen zeigen, welches Potenzial in dem Kader der Schalker versteckt sein sollte. Irgendwann werden sie demnächst ergründen müssen, warum trotzdem so wenig dabei herauskommt.

Manager Horst Heldt hielt den Ostersonntag noch nicht für den richtigen Zeitpunkt, das Saisonziel Champions League aufzugeben. Aber weil Schalke nach dem 0:0 in Augsburg als Tabellenfünfter sieben Spiele vor Schluss nun bereits acht Punkte hinter Platz vier liegt, rückt der Tag näher, an dem sie die Bilanz des Scheiterns werden ziehen müssen. Das Spiel in Augsburg wird dabei nur ein Randaspekt werden: Mit einem 0:0 auswärts beim Tabellensechsten könnte man leben, doch es taugt eben nicht, um längst verlorenen Boden doch noch gutzumachen.

Schalke-Stürmer Huntelaar traf in der Bundesliga zuletzt im November

Dennoch passte auch die Partie am Ostersonntag in das Schema dieser Saison, dass Anspruch und Wirklichkeit auf Schalke eben nicht mehr korrespondieren. Diesmal wurde Torjäger Klaas-Jan Huntelaar zum Sinnbild dieser Erkenntnis: Der Niederländer ließ in der 54. Minute die bei weitem größte Chance des gesamten Spiels in einer Art aus, die man von ihm einfach nicht kennt: Er schoss aus bester Position den Augsburger Torwart Marwin Hitz an und vergab damit den so dringend benötigten Sieg. Dass man diese Möglichkeit „natürlich nutzen” müsse, konstatierte auch Manager Heldt: „Es hat Klaas-Jan immer ausgezeichnet, dass er aus wenig viel macht.” In dieser Saison kommt dieses Potenzial, mit dem man aus guten Gründen fest kalkuliert hatte, aber nicht zu Geltung: In der Bundesliga hat Huntelaar im November zum letzten Mal ein Tor geschossen.

Anhand solcher Beispiele kommt man auf Schalke immer wieder zu der Erkenntnis, dass in dieser Mannschaft eigentlich viel mehr stecken müsste, aber Formschwäche und Verletzungspech einen kontinuierlichen Erfolg verhindern. Hatte in den vergangenen Monaten das Fehlen von Ralf Fährmann entscheidende Punkte gekostet, so hielt Schalkes Torwart bei seiner Rückkehr jetzt gleich die Null. Doch dafür dauerte das Startelf-Comeback von Leon Goretzka nur eine Viertelstunde: Dann ließ er sich auswechseln, weil der über Monate lädierte Oberschenkel neue Beschwerden meldete.

So bleibt Schalke ein ungelöster Fall – auch für Roberto Di Matteo. Der Italiener hatte zwar gleich zu Beginn seiner Amtszeit darauf hingewiesen, wie schwer es in diesem Jahr werden würde, noch die Champions League zu erreichen, doch dass es nicht unmöglich gewesen wäre, hatte er selbst gezeigt: Am dritten Rückrunden-Spieltag lag die Mannschaft unter seiner Anleitung auf Platz drei – danach folgte nur noch ein Sieg in sieben Bundesliga-Spielen. Insgesamt ist Di Matteos Rückrunden-Bilanz (13 Punkte aus zehn Spielen) jetzt nur noch unwesentlich besser als die Ausbeute unter Jens Keller zu Beginn der Saison (sieben Spiele/ acht Punkte). In Augsburg wollte der Trainer seiner Mannschaft nur einen Vorwurf machen: „Dass wir kein Tor geschossen haben.”

Wenn Di Matteo weitere Gründe für den in diesem Jahr hartnäckig ausbleibenden Erfolg kennt, dann benennt er sie zumindest nicht öffentlich. Das würde freilich spannend werden bei so viel Prominenz – auf dem Platz und auf der Bank.