Roberto Di Matteo bringt auf Schalke die Null zum Stehen

Der Stil der Bekleidung ist seriös, der Spielstil ebenfalls: Roberto Di Matteo wollte erst einmal eine sichere Schalker Defensive.
Der Stil der Bekleidung ist seriös, der Spielstil ebenfalls: Roberto Di Matteo wollte erst einmal eine sichere Schalker Defensive.
Foto: Bongarts/Getty Images
Was wir bereits wissen
Gegen die Berliner Hertha hat der FC Schalke 04 keinen Treffer kassiert, aber zwei geschossen. Bei Königsblau ist mit dem neuen Trainer Roberto Di Matteo die Welt erst einmal wieder in Ordnung. Nun soll Schritt für Schritt auch das Offensivspiel belebt werden.

Gelsenkirchen.. Nun ist sie also beantwortet, die Frage nach dem Stil. Wie ein Mann von Welt stand Roberto Di Matteo im dunklen Anzug am Spielfeldrand und selbst beim Jubel erhob der Italiener nur kurz die Arme. Keine Frage: Er hatte nicht übertrieben, als er vorher gesagt hatte, man müsse schon betrunken sein, um ihn mit Jürgen Klopp zu vergleichen, wenn dieser seine Rolle am Platz einnimmt. Auch nach dem Spiel beobachtete Roberto Di Matteo nur mit wachen Augen das Treiben und ging dann ohne sichtbare Emotion in die Kabine. Er wirkte zufrieden. Der erste Auftrag mit Schalke 04 war erfüllt.

Mit 2:0 hatte der Fußball-Bundesligist aus Gelsenkirchen im ersten Spiel unter der Regie des italienischen Trainers Hertha BSC geschlagen. Ein feines Fußball-Fest war es nicht, aber das war Di Matteo an diesem Abend völlig egal. „Für uns war es wichtig, dass wir mit einem Sieg in die neue Ära starten“, erklärte er später. Seine Prioritäten waren für Jedermann klar erkennbar: Ganz oben standen die drei Punkte, die durch einen möglichst risikoarmen Spielstil gesichert werden sollten. Da Di Matteo die italienische Fußballschule durchlaufen hat, fällt einem als prägnante Beschreibung hierfür „die italienische Art“ ein, mit der dieser Trainer schon den FC Chelsea zum Gewinn der Champions League geführt hatte. An Erfolgen mangelt es also nicht. Ein Scherzbold zog aber noch einen anderen Vergleich und schrieb bei Twitter kurz und bündig: „Huub Stevens gefällt das.“

„Wichtig ist, dass man irgendwo anfängt"

Di Matteo begründete seine Herangehensweise mit den Erkenntnissen, die er über die Stärken und Schwächen der Schalker Mannschaft in den Tagen seines Wirkens gewonnen hatte: „Wichtig ist, dass man irgendwo anfängt, und ich habe von hinten angefangen, weil ich denke, diese Mannschaft braucht das.“ Schalke war in dieser Saison offen wie ein Scheunentor, kein anderes Team hatte so viele Konter-Gegentore kassiert (vier in den ersten sieben Bundesligaspielen). Besonders deutlich wurde diese Safety-first-Strategie nach dem Führungstor: Zwischen den beiden Treffern durch Klaas-Jan Huntelaar (19. Minute) und Julian Draxler (65.) verging die Zeitspanne eines halben Fußballspiels, in der sich die Gastgeber keine einzige Torchance herausspielen konnten. „Schalke hat sehr passiv gespielt, wir waren aktiv“, urteilte Berlins Trainer Jos Luhukay und hatte bei den dafür aussagekräftigen Statistiken die Zahlen auf seiner Seite: Berlin hatte 55 Prozent Ballbesitz – Schalke war aber viel effektiver.

Stimmen Niemand auf Schalke konnte daran aber ernsthaft Anstoß nehmen, da die Strategie ja aufgegangen war. Sogar Torjäger Huntelaar lobte, wie willensstark sich alle Spieler diesmal am Verteidigen beteiligt hätten. „Die Mannschaft ist zufrieden, dass wir kein Gegentor bekommen haben. Das haben die Spieler noch nicht so oft erlebt“, berichtete Di Matteo, der in seinem ersten Spiel auf die erfahrenen Spieler setzte und deswegen auch Kevin-Prince Boateng auf dessen Wunschposition im offensiven Mittelfeld vorschob, so dass für Max Meyer zu Beginn nur ein Bankplatz frei war.

Schon am Dienstag in der Königsklasse gefordert

Kommentar Des Trainers Ziel ist es, durch Erfolgserlebnisse mehr Selbstvertrauen aufzubauen und dadurch auch spielerische Fortschritte in die Wege zu leiten. „Es ist klar, dass wir uns in der Offensive verbessern müssen, um in den nächsten Spielen facettenreicher zu agieren“, sagte Manager Horst Heldt. Schon am Dienstag geht es in der Champions League mit dem Heimspiel gegen Sporting Lissabon weiter.

Wie dann der Schalker Spielstil aussehen wird, muss man abwarten. Immerhin hat Julian Draxler nach dem ersten Sieg etwas verraten, was Hoffnung macht, dass es irgendwann auch Ergebnisse und Erlebnisse zugleich in der Arena geben wird. „Er ist nicht der viel zitierte Defensivtrainer“, sagte Draxler über Schalkes neuen Chef und kündigte an: „Er mag es auch, stilvoll nach vorne zu spielen.“