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Muslime protestieren gegen Schalker Vereinslied

03.08.2009 | 15:50 Uhr
Muslime protestieren gegen Schalker Vereinslied

Gelsenkirchen. Schalke gerät wegen seines Vereinsliedes „Blau und Weiß“ ins Visier empörter Muslime. In den letzten Tagen erhielt der Bundesligist vermehrt Protestbriefe und E-Mails, nachdem türkische Medien in dem Text des Liedes von 1924 eine „Verhöhnung des Propheten Mohammed“ ausgemacht hatten.

In der dritten Strophe der Hymne heißt es: „Mohammed war ein Prophet, der vom Fußballspielen nichts versteht. Doch aus all der schönen Farbenpracht hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht.“ Schalke 04 nimmt die Vorwürfe ernst. „Wir haben einen Islamwissenschaftler beauftragt, die Sache eingehend zu analysieren. Bis dies geschehen ist, wird es von uns keine weiteren Stellungnahmen geben“, sagte ein Klubsprecher.

Schalke-Präsident Josef Schnusenberg sagte der WAZ-Mediengruppe, schon 1997 habe es nach dem Uefa-Cup-Sieg der Schalker ähnliche Vorwüfe gegeben. Diese hätten sich jedoch in Nichts aufgelöst.

„Ich erkenne keine böse Absicht oder direkte Blasphemie“, sagte Generalsekretär Aiman Mazyek. Foto: ddp

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland sieht Handlungsbedarf, versucht aber auch, die Wogen zu glätten. „Ich erkenne keine böse Absicht oder direkte Blasphemie. Allerdings kommt der Respekt nicht zum Ausdruck, dem wir als Muslime dem Propheten entgegenbringen. Die lapidare Formulierung kann schon dem einen oder anderen die Zornesröte ins Gesicht treiben“, sagte Generalsekretär Aiman Mazyek.

Der Zentralrat der Muslime könne die Sorgen und Ängste und die Verunsicherung in der muslimischen Community verstehen, sagte Mazyek, „gerade nach dem schrecklichen Mordfall von Dresden“. Am 1. Juli hatte vor dem Dresdner Landgericht ein offenbar ausländerfeindlicher Angeklagter die Zeugin Marwa al-Sherbini und deren ungeborenes Kind mit 18 Messerstichen getötet. „Wenn die Schalker Führung diesen Kontext erkennt und man aufeinander zugeht, dann kriegen wir das gemeinsam hin. Ich bin auch gerne bereit zu vermitteln“, sagte Mazyek: „Eine Forderung, das Lied zu verbieten, wird es von uns nicht geben, aber eine nach Aufklärung über den Hintergrund des Liedes. Das sind wir nicht nur den vielen türkischen Fans und Spielern von Schalke schuldig.“

Damit trifft Mazyek nicht die Meinung aller seiner Glaubensbrüder. Die Süddeutsche Zeitung, die am Montag auf Seite eins von der Protestwelle berichtete, zitierte aus einer E-Mail: „Ihr verdammten Hurensöhne werdet euer Lied sofort ändern! Was hat unser Prophet mit eurem ungläubigen Lied zu tun? Löscht diesen Teil, oder ihr müsst die Konsequenzen tragen!“ Strenggläubige Muslime, die sich zugleich als Schalke-Fans bekennen, sollen bereits mit dem Boykott vom Heimspielen drohen.

"Mohammed war ein Prophet, der vom Fußballspielen nichts versteht. Doch aus all der schönen Farbenpracht hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht", singt die Fankurve in ihrem Vereinslied.

Im einflussreichen Internet-Forum „Muslim Markt“ (www.muslim-markt.de) wurde ein - allerdings sachlich und freundlich formulierter - Protestbrief zur Weiterverbreitung vorgefertigt. Der Vorsitzende des Schalker Ehrenrates, der pensionierte Pfarrer Hans-Joachim Dohm, will die Proteste nicht einfach ignorieren. „Zunächst müssen wir aber klären, ob es sich hier um künstliche Empörung oder ehrliche Überzeugung handelt“, sagte Dohm der SZ und sprach von einem ernst zu nehmenden Problem, wenn sich Gläubige durch das Schalke-Lied verletzt fühlten: „Deshalb sollten wir das Gespräch suchen.“

Mit einer Streichung der Passage sei der Streit nach Meinung des Schalke-Pfarrers aber nicht beizulegen: „Das würde eine starke emotionale Gegenreaktion hervorrufen.“ (sid/pol)

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