Meisterwerk von Bernabeu - Di Matteo bringt Schalke auf Kurs

Eine Meisterleistung: Trainer Roberto Di Matteo führte Schalke zum 4:3 in Madrid.
Eine Meisterleistung: Trainer Roberto Di Matteo führte Schalke zum 4:3 in Madrid.
Foto: Ina Fassbender / dpa
Was wir bereits wissen
Nach der 4:3-Sensation bei Real Madrid lobte Schalke-Manager Horst Heldt seine Verpflichtung: "Das zeigt, was für ein erstklassiger Trainer er ist."

Gelsenkirchen.. Nach der Ankunft am Mittwochnachmittag auf dem Düsseldorfer Flughafen wurden die Schalker Spieler von Fernseh-Teams empfangen, und einige Fans waren auch da: Es war ein bisschen wie früher bei den Eurofightern. Mit dem Auftritt in Spanien, diesem großartigen 4:3-Erfolg beim amtierenden Champions-League-Sieger Real Madrid, hatten die Königsblauen offenbar die Herzen der Fußball-Fans im ganzen Land für sich gewonnen. „Wir haben das Image des Vereins aufpoliert“, strahlte Manager Horst Heldt nach einer Nacht, die für alle Schalker kurz war: Bis um halb vier Uhr sinnierte er im Hotel darüber, wie knapp Schalke ein Fußball-Wunder verpasst hatte. Nach dem 0:2 im Hinspiel fehlte ja nur ein Tor.

Am Dienstagabend nach dem Spiel hatte Heldt noch gesagt: „Jeder Schalker kann heute stolz sein.“ Und dann fügte er an, wie rasend schnell es im Fußball manchmal gehen kann: „Es ist noch nicht lange her, da haben wir uns blamiert bis auf die Knochen.“

Zehn Tage lagen zwischen der Derby-Demütigung und dem Meisterwerk von Madrid

Ganze zehn Tage lagen zwischen der Derby-Demütigung in Dortmund (0:3) und dem Meisterwerk von Bernabeu – zehn Tage, die Trainer Roberto Di Matteo genutzt hat, um Schalke wieder auf Kurs zu bringen. Was schon am vergangenen Samstag beim 3:1-Sieg in der Bundesliga gegen Hoffenheim begann, wurde in Madrid kunstvoll fortgesetzt. Und ließ Heldt, dessen Personalentscheidungen ja häufig auch hinterfragt werden, ein Loblied auf den von ihm im Oktober verpflichteten Italiener anstimmen: „Wie Roberto Di Matteo kühlen Kopf bewahrt hat nach der heftigen Derby-Niederlage und minimale Korrekturen vorgenommen hat, zeigt, was für ein erstklassiger Trainer er ist.“

Roberto Di Matteo saß nach der Landung in Düsseldorf ganz allein auf einer Stuhlreihe am Gepäckband und wirkte in sich gekehrt – vermutlich war er mit den Gedanken schon beim nächsten Bundesliga-Spiel am Samstag bei Hertha BSC Berlin (15.30 Uhr, live in unserem Ticker). Am Vorabend in Madrid hatte er angedeutet, dass er sich in der Öffentlichkeit unverstanden fühlt in seinem Ruf, einen zu defensiven Fußball spielen zu lassen: „Wir sind vom ersten Tag an für unser Defensivverhalten kritisiert worden. Dabei haben wir versucht, aus einer gut organisierten Abwehr nach vorne zu spielen“, betonte der frühere italienische Nationalspieler. Konkret erklärte Di Matteo, wie er sich den Fußball unter seiner Regie vorstellt: „Ich will, dass die Mannschaft nach vorne spielt, dass sie mutig spielt. Das hat absolut nichts mit dem System zu tun, sondern damit, wie es die Spieler auf dem Platz umsetzen.“

Folgt man seiner Argumentation, hat es in den ersten Monaten nur an der Umsetzung seiner Pläne gemangelt – mit dem Derby als traurigem Höhepunkt. Und vielleicht bedurfte es sogar eines so gewaltigen Negativerlebnisses, damit allen die Augen geöffnet wurden, wie der RDM-Fußball wirklich funktionieren soll.

Das Derby, so argumentierte Klaas-Jan Huntelaar, habe allen gezeigt, „dass wir mehr Druck machen müssen“. Seither steht die Dreierkette nicht mehr so tief am eigenen Strafraum und die Außenspieler rücken ins Mittelfeld auf, sobald sich die Chance zur Attacke ergibt – Christian Fuchs etwa agierte in Madrid teilweise wie ein Linksaußen. Dieser Mut, auch einen Gegner wie das Starensemble von Madrid mit Pressing zu attackieren, ohne dabei die Abwehr zu entblößen, wurde honoriert und kommt bei Spielern und Zuschauern gleichermaßen an. Huntelaar, der in Madrid seine Torflaute beendete und gleich zweimal traf, verhehlt nicht, dass er zuvor „unzufrieden über das gesamte Spiel“ gewesen sei: „Aber in den letzten zwei Spielen ist es besser – davor war es schwierig.“

4000 Schalke-Fans feierten das Team für ein unvergessliches Erlebnis

So macht Schalkes Fußball doch wieder Spaß – nicht nur die 4000 mitgereisten königsblauen Fans feierten die Mannschaft in Madrid für ein unvergessliches Erlebnis in einer Kathedrale des Fußballs. „Mit diesem Spiel“, sagte Marco Höger, „haben wir ein bisschen wieder wett gemacht“ – ein bisschen von dem Frust-Fußball der vergangenen Monate. Und deswegen wurden die Schalker fast sogar ein Stückchen gefeiert wie einst eben die Eurofighter.

Einer aus dieser Generation der Helden von 1997, die den Uefa-Pokal nach Schalke holten, war sogar als Edel-Fan mit im Bernabeu: Martin Max (46), der Torjäger der Eurofighter. Natürlich hatte auch er mitgefiebert mit seinen Nachfolgern, aber dann grinste er: „Es gibt eben weiter nur eine Eurofighter-Mannschaft. Aber in zwei Jahren, wenn wir unser 20-Jähriges haben, wird’s Zeit für eine neue Generation – dann kann Schalke ruhig die Champions League gewinnen...“