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Fußball

Lukas Schmitz beim Tor alles andere als schüchtern

31.01.2010 | 19:00 Uhr

Schalkes Torschütze war einer der Matchwinner beim 2:0-Heimsieg über Hoffenheim.

Die Kollegen saßen schon längst munter plaudernd in der Kabine oder ganz entspannt im Entmüdungsbecken, da machte Lukas Schmitz noch immer die Runde vor den Medienvertretern: Erst ein Interview bei Sky neben Franz Beckenbauer, dann die übrigen Fernsehsender, danach einen Originalton in die Mikrophone der Radiosender – und zum Schluss kamen auch noch die Kollegen von der schreibenden Zunft zu ihrem Informationsrecht. Schmitz absolvierte alle Interviews mit ziemlicher Begeisterung, der junge Mann ist noch unverbraucht. Immer wieder musste er die Spielszene in der 49. Minute schildern: „Nach einer Ecke von Rakitic kam Kevin Kuranyi zum Glück nicht so richtig an den Ball, da hab ich an der Strafraumgrenze eben voll drauf gehalten.” Noch abgefälscht von einem Hoffenheimer Rücken prallte der Ball zum vorentscheidenden 2:0 ins Netz. Es war der zweite Saisontreffer des Schalker Aufsteigers, der ihm schon die Frotzelei der Kollegen in der Kabine einbrachte: „Na, Bundesliga-Torjäger, haben sie gewitzelt”, meinte der 21-Jährige. Ansonsten wollte der Mittelfeldspieler, gestern vornehmlich auf der linken Abwehrposition eingesetzt, lieber über den Mannschaftserfolg sprechen: „Wir waren sehr aggressiv, haben gut dagegen gehalten und effektiv die Tore gemacht.”

Das 2:0 war die spielentscheidende Szene, die einer anderen wichtigen nachfolgte: Im Angriff unmittelbar davor war der Hoffenheimer Andreas Beck elfmeterreif von Vicente Sanchez im Strafraum von den Beinen geholt worden, was Trainer Felix Magath hinterher zum trockenen Kommentar veranlasste: „Jeder konnte im Fernsehen verfolgen, dass der Spieler Sanchez den Ball jedenfalls nicht getroffen hat.” Schiedsrichter Florian Meyer, der eigentlich schon zum Punkt zeigte, deutete nach Rücksprache mit seinem Assistenten dann doch lieber zur Ecke.

Lob vom großen Beckenbauer

Während die Hoffenheimer noch mit der Entscheidung haderten, tauchte Schmitz schon an ihrem Strafraum auf – und das Spiel war gelaufen. Wobei der Schalker von seinem Trainer fast schon zum Torschuss „genötigt” werden musste. „Ich habe ihm während des Spiels klar machen müssen, dass ein Spieler mit seiner Schussstärke bei Ecken nicht derjenige sein kann, der bei uns hinten absichert. Zum Glück hat er auf mich gehört.”

Wenn Felix Magath bei einem seiner Zöglinge noch etwas zu mäkeln hat, dann nur, dass er noch etwas seine Schüchternheit ablegen müsse. Aber dann nahm er ihn auch sogleich wieder in Schutz: „Allerdings muss man einem so jungen Spieler wie ihm hoch anrechnen, dass er auf einer für ihn ungewohnten Position zum Einsatz kommt, dafür hat er seine Sache gut gemacht.” Während der Partie wurde er von der linken Abwehrposition ins Mittelfeld und später wieder zurück beordert. Für das vielseitige Talent offensichtlich kein Problem: „Wir haben einige Spieler, die auf mehreren Positionen eingesetzt werden können. Auch für mich ist es keine große Umstellung, mir macht es überall Spaß.”

Und in Sachen Schüchternheit sprang ihm der große Kaiser Franz im Fernsehstudio zur Seite: „Der Junge ist auf einem guten Weg. Und beim Tor konnte ich von Schüchternheit nichts erkennen.”

Und wie war das neben dem großen Beckenbauer im TV-Studio, Herr Schmitz? „Och, ich kannte ihn ja schon – aus dem Fernsehen!”

Ach so.

Ralf Wilhelm

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