Keiner will Schalke verlassen
19.01.2010 | 13:59 Uhr 2010-01-19T13:59:00+0100
Gelsenkirchen. Über die Zwitterrolle, die jemand hat, wenn er im Fußballgeschäft Manager und Trainer in Personalunion ist, ist schon viel geschrieben worden. Schalkes Allmacht Felix Magath kann in diesen Tagen ein Liedchen davon singen.
Kevin Kuranyi hatte er bereits für eine Ablösesumme von 4,5 Millionen Euro an den FC Sunderland verkauft, doch der Torjäger wollte nicht wechseln. Jetzt zeigt der VfL Wolfsburg reges Interesse an Benedikt Höwedes, doch auch der Abwehrspieler denkt nicht daran, den FC Schalke 04 zu verlassen. Und das gilt zumindest eingeschränkt auch für den türkischen Nationalspieler Halil Altintop, der das Interesse von Vereinen aus der Süperlig auch nicht so recht erwidern mag.
Man soll zwar nie nie sagen, aber Kevin Kuranyi hat sich ziemlich festgelegt. Nicht nur, dass er nicht nach England wechseln wollte, er ließ sich zuletzt so zitieren, dass er sich entschlossen habe, bis zum Vertragsende in Schalke zu bleiben. Und sein Vertrag endet erst am 30. Juni dieses Jahres. „Was im Sommer passiert, ist offen. Ich denke, dass es im Frühjahr eine Entscheidung über meine sportliche Zukunft gibt.”
Für Kevin Kuranyi soll das Transferangebot, das Felix Magath annehmen wollte, bei 4,5 Millionen Euro gelegen haben. Ein guter Betrag, wenn man bedenkt, dass der Schalker Torjäger in einem halben Jahr auch ablösefrei zu haben ist. Für Benedikt Höwedes soll der VfL Wolfsburg sogar über zehn Millionen Euro geboten haben, wobei der Abwehrspieler in erster Linie deshalb teurer ist, weil er erst im Jahre 2014 ablösefrei den Verein wechseln kann.
Die lange Vertragsdauer ist es auch, die den U-21-Europameister jetzt bindet. Schalke würde ihn wohl freigeben, aber der WAZ sagte der Abwehrspieler schon Mitte Dezember: „Ich will hier in Schalke bleiben. Ich habe hier doch nicht umsonst einen Vertrag bis 2014 unterschrieben.” Und seine Haltung von gestern bestätigte der 21-Jährige jetzt noch einmal aktuell gegenüber "Reviersport" mit den Worten: „Es stimmt, mein Berater hat eine Anfrage vorliegen. Aber ich wiederhole mich gerne: Ich spiele für Schalke 04, darüber hinaus gibt es nichts zu sagen.”
Es ist eine Mischung aus sportlich guten Perspektiven und finanziellen Anreizen, die die Schalker Spieler zu im Profifußball ungewohnter Vereinstreue bewegen. Kevin Kuranyi und Benedikt Höwedes hoffen sicherlich auf die Chapions-League-Teilnahme in der nächsten Saison. Kuranyi glaubt sogar, dass es in diesem Fall Chancen für eine Vertragsverlängerung gibt, die ihm ganz offensichtlich am liebsten wäre. Und bei den Spielern, die bei Felix Magath eher zur zweiten Wahl zählen, spielt die Tatsache, bei einem Vereinswechsel nicht annähernd so viel verdienen zu können wie in Schalke, sicherlich die entscheidende Rolle. Und zu der Kategorie gehören aktuell die beiden Stürmer Halil Altintop (Vertragsende 2010) und Gerald Asamoah (Vertragsende 2011).
So muss sich der Manager Felix Magath gedulden und bis zum Ende der Transferzeit am 31. Dezember bei dem einen oder anderen noch auf Sinneswandel hoffen. Denn daraus, dass die Vereinskasse eine Auffrischung gebrauchen könnte, macht er keinen Hehl. Die Krux bei der ganzen Sache ist, dass für Spieler, die, wie Rafinha, einem Vereinswechsel nicht abgeneigt gegenüberstehen, derzeit nicht die richtigen Angebote vorliegen. Aber auch das kann sich in den verbleibenden 13 Tagen durchaus noch ändern.

0mitdiskutieren