Karger Lohn für gute Leistung
28.10.2007 | 00:00 Uhr 2007-10-28T00:00:05+0200Schalke 04 trennt sich nach einem starken Spiel mit 1:1 von Werder Bremen. Schalke-Präsident Josef Schnusenberg stellt sich schützend vor Manuel Neuer. Torwart selbstbewusst: Ich weiß, dass ich gut bin
Gelsenkirchen. Gut gespielt, aber wieder nicht gewonnen. Der FC Schalke 04 überzeugte beim 1:1 im Bundesliga-Spitzenspiel gegen den SV Werder Bremen zwar größtenteils, blieb aber im Ergebnis erneut hinter den Erwartungen zurück. Und das genau sorgt für eine Art Hängepartie rund um die Veltins-Arena, wo Trainer Mirko Slomka mit seiner Mannschaft wie in der verganenen Saison so eine Art Herbstkrise durchmacht. Deshalb ist Slomka klar: "Wenn wir hinter den Erwartungen zurückbleiben, müssen wir uns natürlich auch Kritik gefallen lassen."
Die gibt es auch, wenn auch noch mit einer Art Geduldsvorschuss für den Trainer. Es gibt Forderungen - allerdings noch ohne Drohungen. "Nur vier Siege aus elf Spielen. Das ist zu wenig", formuliert Manager Andreas Müller zum Beispiel. Er sagt es, ohne dass im Moment daraus mehr resultiert als die Hoffnung, dass sich das bald ändert. Und Präsident Josef Schnusenberg kritisiert unzufrieden. "Man muss doch sagen können, dass wir im Moment nicht da sind, wo wir hinwollen."
Schalkes Verantwortliche benehmen sich in ihren Stellungnahmen fast so umständlich wie ihre Stürmer vor des Gegners Tor. Sie bekommen nach eindeutigen Fragevorlagen immer wieder die Chance, sich klar für den Trainer auszusprechen. Aber das gelingt ihnen erst am Ende einer Litanei von Kritik an der aktuellen Lage. Da allerdings zeigt sich Schnusenberg schnörkelloser als Müller. "Wir werden sicherlich noch sehr lange Zeit mit Mirko Slomka zusammenarbeiten", sagt er, hinterlässt aber Zweifel bei seinen Zuhörern, ob das nicht vielleicht doch nur eine so dahin gesagte Floskel ist.
Nach dem Spiel vom Samstag an Slomkas Stuhl zu sägen, macht jedoch wenig Sinn. Denn da muss man der Schalker Mannschaft bescheinigen, ihren Teil zu einem echten Spitzenspiel beigetragen zu haben. Mit Einsatz, mit Kampfkraft, mit Entschlossenheit. "Ein offenes Spiel, das alles zu bieten hatte, in dem aber keine Mannschaft den entscheidenden Treffer setzen konnte", skizzierte Bremens Trainer Thomas Schaaf die 90 Minuten in der ausverkauften Arena, in der jede Mannschaft ein halbes Dutzend Torchancen hatte, aber jeweils nur einen Treffer erzielen konnte.
Bei den Schalkern ließ sich der 24-jährige Uruguayer Carlos Grossmüller nach seinem ersten Bundesligator feiern, einem Freistoß, den er aus 20 Metern direkt verwandelte. Und für Werder Bremen erzielte Naldo per Kopfball Metern nach einem Freistoß von Dusko Tosic? elf Minuten vor der Pause den Ausgleich.
Hätte Torwart Manuel Neuer beim Ausgleich nicht vielleicht rauslaufen und den Ball abfangen müssen? Stopp! Solche Fragen werden bei den Königsblauen im Moment als eine Art Hochverrat empfunden und erregen das Gemüt, zum Beispiel das von Josef Schnusenberg. "Wollt ihr ihn eigentlich niedermachen oder was?" Der Schalker Präsident erregt sich: "Habt ihr mit 21 auch so viel vor die Fresse gekriegt? Ich halte lieber den Mund, sonst platze ich."
Das zeigt, dass das Schalker Nervenkostüm im Moment bei allen Beteiligten nicht das beste ist. Niemand will den Schalker Torwart "niedermachen" oder "ihm die Zukunft versauen" und ihn "zum Sündenbock stempeln". Die Diskussion darüber, ob ein Ball haltbar war oder nicht, ist so alt wie der Fußball. Manuel Neuer selbst sagt: "Nein!" Der Schalker Keeper lässt sich durch solche Fragen nicht erschüttern und erklärt: "Ich weiß, dass ich ein guter Torwart bin, und dass Schalke mich braucht."
Die Königsblauen brauchen jedoch nicht nur einen guten Manuel Neuer, sondern möglichst auch Erfolgserlebnisse. "Es ist deshalb wichtig, dass wir im DFB-Pokal weiterkommen", sagt Präsident Josef Schnusenberg in Bezug auf das Spiel am Dienstag gegen Hannover 96. Ist das mehr als nur eine Forderung? "Wir werden im Winter so eine Art Zwischenbilanz ziehen", betont Schnusenberg. "Ich bin sicher, dass sie positiv ausfällt."

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