Jede Schalker Niederlage löst eine Grundsatzdebatte aus

Die Enttäuschung sieht man den Schalkern (v.l.) Dennis Aogo, Junior Caicara und Johannes Geis an.
Die Enttäuschung sieht man den Schalkern (v.l.) Dennis Aogo, Junior Caicara und Johannes Geis an.
Foto: firo Sportphoto/Fabian Simons
Was wir bereits wissen
Auf zwei Schritte nach vorne folgt fast immer ein Schritt zurück: Es bleibt dabei, dass Schalke 04 keine Konstanz in seine Leistungen bekommt.

Berlin.. Der Fußball-Standort Berlin gilt in Deutschland nicht unbedingt als einfach. Über Jahre wurde die Entwicklung der Berliner Hertha selbst in der eigenen Stadt voller Argwohn verfolgt, weil sich ihr Tabellenplatz und die Ansprüche in der Hauptstadt nicht in Einklang bringen ließen. Nach dem 2:0-Sieg gegen Schalke wischte Trainer Pal Dardai die Diskussionen über ein neues Saisonziel aber einfach beiseite, indem er einen Schwank aus seinem Leben erzählte: Der Papa und der Onkel seien aus Ungarn zu Besuch, sie hätten ein halbes Schwein und guten Rotwein mitgebracht. Dardai sagte, er wolle die Tage nach dem Sieg jetzt nur genießen. Danach gab es keine Fragen mehr zu dem Thema.

Analyse Es war an Schalke, die Erklärungen zu diesem Ergebnis zu liefern. Das taten die Akteure und Verantwortlichen in unterschiedlichen Tonlagen. Manager Horst Heldt fand, dass die Mannschaft „nicht zwingend genug“ gewesen sei. Mittelfeldspieler Johannes Geis sagte, in einem „50:50-Spiel” hätte Schalke „der letzte Pass” gefehlt. Torwart Ralf Fährmann legte sich mit Verve ins Zeug: Die Leistung sei nicht so schlecht gewesen, man hätte nur eine der „zahlreichen Torchancen” verwerten müssen. Und von Trainer André Breitenreiter, von Berufswegen zu einer ausführlicheren Analyse angehalten, ließen sich folgende Kernaussagen vernehmen: Lange sei es ein sehr enges Spiel gewesen, Hertha habe eine Chance zur Führung genutzt, Schalke eine zum Ausgleich ausgelassen. „Bis zum 2:0 war es ein Spiel auf Augenhöhe, wo Kleinigkeiten den Unterschied ausgemacht haben.”

Kleinigkeiten für Schalke doch ganz schön groß

Dass diese Kleinigkeiten am Ende doch ganz schön groß waren, führte er auf Nachfrage der WAZ aus. Stichwort schlechte Tagesform bei Spielern wie Younes Belhanda: „Das kam obendrauf. Der eine oder andere ist nicht zu der Form aufgelaufen wie in den letzten Spielen – gerade im Offensivbereich.” Auch Alessandro Schöpf und Max Meyer konnten sich nicht, wie noch gegen Hamburg und in Köln, in Szene setzen. Außerdem hatten Breitenreiter die Ausführungen der Standardsituationen missfallen. Während Schalke Fahrkarten schoss, machten die Berliner nach einer Ecke in der 65. Minute das 2:0 – damit war der Käse gegessen.

Um die Niederlage doch noch irgendwie abzuwenden, wählte Breitenreiter danach eine Harakiri-Taktik, brachte drei Offensivspieler und nahm unter anderem mit Johannes Geis auch einen Defensivmann heraus. Dies wäre beinahe übel ins Auge gegangen, die Berliner hätten in der Schlussphase durchaus noch einen höheren Sieg herausschießen können. Dies wäre aber wiederum dem Verlauf der ersten 65 Minuten nicht gerecht geworden: Ein Sieg mit zwei Toren Vorsprung war schon okay, wenn man das gesamte Spiel betrachtet.

Heidel Für Schalke war es die erste Niederlage nach zuvor einem Unentschieden und zwei Siegen: Es bleibt dabei, dass es in dieser Saison nur mühsam geht – auf zwei Schritte nach vorne folgt fast immer ein Schritt zurück. Oder zwei. Der Geduld der Anhänger ist das nicht dienlich. Nachdem in der Hinrunde schwankende Leistungen zumeist noch mit dem Verweis auf den Umbruch toleriert wurden, löst mittlerweile jede Niederlage grundsätzliche Debatten aus. Liegt es an der Mentalität der Mannschaft oder an ihrer Qualität? Ist Horst Heldt dafür der Alleinverantwortliche und Christian Heidel der Mann, der durch sein Erscheinen Wunder bewirken wird? Oder ist der Trainer überhaupt der Richtige? Schalke ist momentan kein einfacher Fußball-Standort.

Schalke erwartet am Freitag Borussia Mönchengladbach

Jetzt kommt Borussia Mönchengladbach zum nächsten Spiel in die Arena, zum Glück bereits am Freitagabend (20.30 Uhr, live in unserem Ticker). Denn in Heimspielen ist Schalke in der Bundesliga an einem Freitagabend seit 13 Partien ungeschlagen, zwölf davon wurden sogar gewonnen. Es könnte nach dem Rückschritt also wieder einen Schritt nach vorne geben. Einerseits. Andererseits: Auch bei Spielen gegen Hertha BSC Berlin hatte Schalke eine imposante Erfolgsserie im Rücken – bis zum Freitag.