Huntelaars Frust-Rot beschert Schalkes Boateng eine Chance

Von Schalke-Trainer Roberto Di Matteo (l.) gab's ein Sonderlob für Kevin-Prince Boateng.
Von Schalke-Trainer Roberto Di Matteo (l.) gab's ein Sonderlob für Kevin-Prince Boateng.
Foto: Bernd Thissen / dpa
Was wir bereits wissen
Beim 1:0 gegen Hannover 96 flog der Schalke-Stürmer kurz vor Schluss vom Platz. Der Protest der Schalker gegen diesen Platzverweis war zaghaft.

Gelsenkirchen.. In den vergangenen Monaten hat sich Klaas-Jan Huntelaar viele Gedanken gemacht – auch darüber, was er in seiner Karriere noch so alles erreichen möchte. Huntelaar würde zum Beispiel mit Schalke 04 gerne einmal Deutscher Meister werden, wenn Bayern München einmal ein schwaches Jahr erwischen sollte, „dann sollten wir da sein“.

Ob Huntelaar mit Schalke jemals in diesen Genuss kommen wird, muss man abwarten. Für ihn und auch für seinen Klub ist es schon ärgerlich genug, dass er nun nicht einmal dabei ist, wenn Schalke 04 am Dienstagabend bei Bayern München (20 Uhr, live in unserem Ticker) ganz normal um Bundesligapunkte spielt. Denn mit seiner Roten Karte beim Schalker 1:0-Sieg am Samstag gegen Hannover 96 hat sich Herausforderer Huntelaar durch eigenes Verschulden selbst aus dem (Spitzen-) Spiel genommen.

Höger: "Der Klaas weiß selbst, dass er da Mist gebaut hat"

Sogar auf Schalke war der Protest gegen diese Rote Karte, zu der Schiedsrichter Sascha Stegemann in der 85. Minute ohne zu zögern griff, nur zaghaft. Allein Trainer Roberto Di Matteo wies tapfer darauf hin, dass es in solchen Situationen „manchmal“ auch mit Gelb getan sei: „Huntelaar ist kein böser Spieler, er wollte dem Gegner nicht weh tun.“ Schalkes Torjäger war Hannovers Manuel Schmiedebach von hinten in die Beine gesprungen, um einen Gegenangriff zu unterbinden – „das muss er geschickter machen“, tadelte Manager Horst Heldt. Da Huntelaar aber „kein Wiederholungstäter“ sei, erwartet er ein „normales Strafmaß“, das aus zwei oder drei Spielen Sperre bestehen dürfte: „In dieser Woche wird er wohl nicht mehr spielen.“

Kommentar Und das könnte für Schalke womöglich noch folgenschwerer sein als die Sperre in München, weil am Freitagabend das enorm wichtige Verfolgerduell gegen Borussia Mönchengladbach (20.30 Uhr, live in unserem Ticker) ansteht.

Huntelaar durfte sich am Samstag nach dem Spiel nicht äußern. Seine einzige Reaktion war noch auf dem Platz zu erkennen, als er mit dem Finger einen Vogel andeutete, als der Schiedsrichter zur Roten Karte griff. Das Foul an sich war unstrittig. Mitspieler Marco Höger sagte: „Der Klaas weiß selbst, dass er da Mist gebaut hat.“

Auch Höger wird am Dienstag in München vielleicht nicht spielen können, weil er gegen Hannover mit einer Muskelverletzung vom Platz ging – ansonsten hatte der Mittelfeldspieler aber einen guten Rückrundenauftakt erwischt: Denn ihm war es vorbehalten, in der 32. Minute mit einem scharfen Flachschuss das Tor zum 1:0-Sieg gegen Hannover zu erzielen. Der Erfolg war für Schalke schwer erkämpft, spielerisch ging auch bei der ersten Prüfung im neuen Jahr wieder nur wenig. Während Fährmann-Ersatz Fabian Giefer bis auf einen Lapsus einen sicheren Eindruck im Tor hinterließ und Neuzugang Matija Nastasic einfach schnörkellos verteidigte, kam die gesamte Offensivabteilung nach der Winterpause kaum auf Touren.

Bei Huntelaar entlud sich das möglicherweise in seinem Frust-Foul, und sein Sturmpartner Eric Maxim Choupo-Moting spielte nach seiner vorzeitigen Rückkehr vom Afrika-Cup zwar von Anfang an, wirkte aber kaum spritzig. Und Kevin-Prince Boateng, ja, musste erfahren, dass er unter Di Matteo seinen Status als unantastbarer Stammspieler erst einmal eingebüßt hat: Für den Deutsch-Ghanaer war schlichtweg kein Platz in der Startelf frei, so dass er eine Stunde lang auf der Bank sitzen musste. Und das, obwohl Schalke immer noch auf viele wichtige Spieler verzichten musste, Boateng aber fit für einen Einsatz in der Anfangsformation gewesen wäre.

Gestutzter Führungsspieler

„Glücklich war er nicht”, berichtete Roberto Di Matteo anschließend von seinem Gespräch mit Boateng vor der Partie. Aber der gestutzte Führungsspieler reagierte immerhin nicht bockig auf seine Reservistenrolle. Das registrierte auch der Trainer zufrieden: „Als er hereingekommen ist, war er sehr positiv und hilfsbereit für die Mannschaft.”

In München darf Boateng das jetzt wahrscheinlich auch von Anfang an zeigen. Ganz vorne im Sturm ist ja ein Platz frei geworden.