Höwedes sucht richtigen Zeitpunkt für den Schalke-Abschied

Wehmütiger Blick: Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes vor den Fans.
Wehmütiger Blick: Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes vor den Fans.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Benedikt Höwedes möchte ins Ausland wechseln, lässt den Zeitpunkt dafür aber offen. Doch Schalke muss sich auf den Abgang des Kapitän vorbereiten.

Gelsenkirchen.. Benedikt Höwedes lächelte an diesem schönen Tag im Sommer 2014 – einem Sommer, in dem das Lächeln ohnehin sein ständiger Begleiter war. Der Kapitän des FC Schalke 04 war gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt; dekoriert mit dem Ruhm des Weltmeisters, den er sich auf der ungewohnten Position des linken Außenverteidigers heldenhaft erworben hatte. Dann sprach er über seine Pläne auf Schalke und sagte, dass er sich im Verein aber nur noch in Ausnahmefällen mit einem Platz auf der Außenbahn würde anfreunden können: „Auf Schalke will ich auch in Zukunft als Innenverteidiger auflaufen.“

Im Moment spielt Benedikt Höwedes auf Schalke wieder: rechter Außenverteidiger.

So wie Schalke 04 mit dieser Saison nicht zufrieden sein kann, so haben sich auch für den Weltmeister nicht alle Hoffnungen erfüllt, und dies liegt natürlich nur zu einem kleinen Teil daran, dass er gerade nicht auf seiner Wunschposition zum Einsatz kommt – dies kann sich schließlich im nächsten Spiel am Sonntag (17.30 Uhr, live in unserem Ticker) beim VfL Wolfsburg auch schon wieder ändern. Höwedes spielt eine durchschnittliche Saison – ob er sich damit auf die Wunschlisten der ausländischen Top-Vereine gespielt hat, bleibt abzuwarten. Dass er eines Tages ins Ausland wechseln möchte, hat der 27-Jährige oft genug betont – das erste Mal im WAZ-Interview während der WM in Brasilien, als er sagte: „Irgendwann möchte ich vielleicht eine neue Herausforderung suchen und neue Sprachen und Kulturen kennenlernen.“ Diese Aussage hat er inzwischen präzisiert – nur den Zeitpunkt für einen Wechsel hat er sich immer offen gehalten. Und das gilt nach wie vor.

Personalplanungen Doch wann ist der richtige Zeitpunkt? Bereits in diesem Sommer 2015, oder erst ein Jahr später im Sommer 2016, wenn zum letzten Mal seine Ausstiegsklausel greift? Am 30. Juni 2017 läuft Höwedes’ Vertrag auf Schalke aus – dann könnte er ablösefrei gehen. Doch das wäre nicht im Sinne seines Vereins, der den wertvollen Spieler nicht umsonst verlieren möchte.

Schalke bemüht sich um eine Vertragsverlängerung mit Joel Matip

Schalke hat bereits mit Matija Nastasic einen neuen Innenverteidiger von Format, für den nun 9,5 Millionen Euro Ablöse fällig werden. Zudem bemüht sich der Klub um eine langfristige Vertragsverlängerung mit Joel Matip (läuft 2016 aus), so dass Schalke im Abwehrzentrum so oder so gut aufgestellt wäre. Die für Höwedes festgeschriebene Ablösesumme soll 18 Millionen Euro betragen – Geld, das der Verein in einem Jahr ohne Champions League gut gebrauchen könnte. Auch wenn Vereinschef Clemens Tönnies betont, dass die Königsblauen auch ohne Königsklasse „kein Sparklub“ werden würden.

Höwedes gehört natürlich zu den Spielern, die Schalke am liebsten niemals abgeben würde: „Wenn Benni ginge, dann hätte ich Wasser in den Augen“, sagt Clemens Tönnies. Er betont allerdings auch, dass Schalke angesichts der Ausstiegsklausel das Heft des Handelns nicht in der Hand hat und man für einen Wechsel von Höwedes Verständnis aufbringen müsse: „Ich nehme es keinem übel, der auf Schalke eine gute Zeit hatte und dann sagt: Ich will noch mal ins Ausland und was anderes machen.“ Aktuell sei dies allerdings kein Thema: „Wenn da etwas spruchreif wäre, wäre ich der Erste, der das wüsste“, glaubt er.

Uchida Das freilich kann sich auch schnell ändern. Manch einer im Klub schließt es nicht aus, dass schon längst Gespräche im Hintergrund laufen und der Verein irgendwann vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Das geht allerdings nur bis zu einem festgelegten Zeitpunkt im Mai/ Juni: Danach erlischt die Klausel wieder für ein Jahr, damit Schalke Planungssicherheit hat.

Beschäftigt sich Tottenham Hotspur mit Schalke-Kapitän Höwedes?

Berichten aus England zufolge soll sich Tottenham Hotspur bereits mit Höwedes beschäftigen – freilich liegt der Londoner Klub nur auf Platz sieben der Premier League und wird die Champions League voraussichtlich genauso verpassen wie Schalke. Ob sich der Weltmeister damit anfreunden könnte, steht auf einem anderen Blatt.

Zuletzt wollte Höwedes das nicht mehr kommentieren. Nach dem 0:0 gegen Freiburg erklärte er schmallippig, es gebe seinen bisherigen Aussagen zu seiner Zukunft nichts hinzuzufügen: „Ich bleibe bei dem, was ich gesagt habe.“ Gelächelt hat er dabei diesmal nicht.