Heldt nicht mehr zu halten - Schalke und die Macht der Fans

Wie lange hält Clemens Tönnies noch seine schützende Hand über Horst Heldt? Foto: dpa
Wie lange hält Clemens Tönnies noch seine schützende Hand über Horst Heldt? Foto: dpa
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Was wir bereits wissen
Horst Heldt ist kaum noch zu halten, Roberto Di Matteo vermutlich auch nicht. Bliebe als einzige Konstante auf Schalke Clemens Tönnies, gegen den bei Königsblau nichts läuft. Immerhin scheinen allmählich auch die meisten Fans zu begreifen, welche Macht sie haben.

Unter den Fans des FC Schalke 04 herrscht Aufruhr. Angekündigter Stimmungsboykott der Ultras hier, Pro-Höger-Kampagne dort. Was nach einem weiteren Schritt ins Chaos aussieht, ist in Wahrheit eher eine gute Nachricht. Beweist sie doch, dass endlich auch in die Fan-Szene Bewegung gekommen ist. Bisher zeichneten sich die königsblauen Anhänger – zumindest jene, die öffentlich wahrgenommen werden – vor allem dadurch aus, dass sie sich selbst als die – was denn sonst? – „besten Fans der Welt“ feiern, die selbstverständlich dem „geilsten Klub der Welt“ angehören.

Nur: Was macht die besten Fans aus? Dass diese 90 Minuten lang in ihrer Kurve Lieder singen und unentwegt wie Flummis springen? Dass sie sich daran berauschen, wie toll sie sind – und dabei gar nicht mehr mitkriegen oder ignorieren, welchen Murks ihre Lieblinge gerade auf dem Platz abliefern? Fanprotest

Wer seinen Verein wirklich liebt, ist weder farbenblind noch verweigert er sich einem kritischen Blick auf das, was er sieht. Wohlgemerkt: Hiermit soll nicht dumpfen Drohgebärden oder Mannschaftsbus-Blockaden das Wort geredet werden. Aber eine vernünftige Streitkultur über alles, was in einem Verein passiert, ist unter Fans ebenso nötig wie in den Vorstandsetagen.

Womit wir beim vielleicht größten Schalker Problem wären, das zudem einen konkreten Namen hat: Clemens Tönnies. Seit Rudi Assauers Ablösung läuft bei Königsblau nichts mehr ohne den Unternehmer aus Rheda-Wiedenbrück. Formal lediglich Vorsitzender des Aufsichtsrates, ist Tönnies längst Exekutive und Kontrollorgan in einer Person. Seine Machtposition ist in der Liga nur noch mit der von Martin Kind in Hannover vergleichbar. Cliquenwirtschaft

Inzwischen macht der „Fleischwolf“ („Die Zeit“), der die Nähe zum Zeitungsboulevard sucht, nicht einmal mehr einen Hehl aus seiner Rolle als alleiniger Strippenzieher. Nach den Bauernopfern, mit denen Sportvorstand Horst Heldt die Fans ruhig zu stellen glaubte, plauderte er locker aus, dass er seinen Manager mit einer „kleinen SMS“ Beine gemacht habe. Die Schlussfolgerung daraus erfordert wenig Fantasie: Sportvorstand Horst Heldt ist, egal wie die Saison zu Ende geht, nicht mehr zu halten. Und auch dessen letzter, womöglich größter Missgriff, Roberto Di Matteo, ist nur noch ein Mann von Tönnies‘ Gnaden. Kommentar

Damit zurück zum Anfang: Solange sich – aus Sorge, ohne „CT“ würde dem Klub die finanzielle Rückversicherung fehlen – keine überzeugende Opposition auf Schalke rührt, sind die Fans mehr denn je gefordert. Sie müssen sich nur ihrer Macht bewusst werden, nach Jahren des spielerischen Stillstandes beziehungsweise Rückschritts auf einen Kurswechsel einwirken zu können.