Elgert musste bei Di Matteo um Schalke-Talent Sané buhlen

Der Vater des Schalke-Erfolgs: Norbert Elgert wird nach der Siegerehrung von seinen Spielern gefeiert.
Der Vater des Schalke-Erfolgs: Norbert Elgert wird nach der Siegerehrung von seinen Spielern gefeiert.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
S04-U19-Trainer Norbert Elgert will nach dem Titelgewinn nicht verschweigen, dass auf dem Weg zur Schale einige Steine aus dem Weg zu räumen waren.

Wattenscheid/Gelsenkirchen.. Am Dienstagvormittag zählen für Norbert Elgert „die wirklich wichtigen Dinge des Lebens.“ Am Tag nach der Deutschen Meisterschaft ist die Enkeltochter zu Besuch. Ans Ausschlafen ist deshalb nicht zu denken. Zwölf Stunden nach dem Titelgewinn klingt der Cheftrainer der U19 des FC Schalke 04 aber nur dann euphorisch, wenn er über seine Mannschaft spricht. Der 58-Jährige spricht wie nach jeder seiner drei Deutschen Meisterschaften mit der Schalker U19 von einem emotionalen Titel.

„Vielleicht ist diese Meisterschaft die überraschendste“, sagt Elgert. Schließlich startet Schalke zu Jahresbeginn eine intensive Aufholjagd, der Rückstand auf den Tabellenführer 1. FC Köln beträgt schon acht Punkte. Gegen einen bärenstarken Karlsruher SC setzen sich die Schalker im Halbfinale durch, gegen den souveränen Meister der Staffel Süd/Südwest dann am Montagabend mit 3:1 im Finale. 12 500 Fans feiern die U19 in der Wattenscheider Lohrheide.

Schalke 04 - U19 als „Pitbull-Rudel“ zum Titel

„Pitbull-Rudel“ – das steht groß auf den blau-weißen Meistershirts geschrieben, die die Spieler direkt nach dem Abpfiff über ihre Trikots ziehen. Und der Blick des Hundes mit dem Stachelhalsband spricht Bände. „Eine Idee des Trainerteams“, erklärt Mannschaftskapitän Thilo Kehrer. Norbert Elgert sagt: „Beim Spiel im Karlsruhe sind wir eher wie Yorkshire-Terrier oder Chihuahuas aufgetreten. Vor so einem Finale zieht man dann alle Register. Wenn es ein oder zwei Prozent ausgemacht hat, dann war es eine gute Entscheidung.“

Trainerfrage In der Tat. Denn das Schalker Rudel bellt spätestens nach einer halben Stunde nicht mehr nur, jetzt beißt es auch. Und zwar so fest, dass Schalke die TSG Hoffenheim phasenweise überrennt. Einer, der das Rudel nach seiner Einwechslung nach einer halben Stunde anführt, ist Leroy Sané. Norbert Elgert liegt es von je her fern, einzelne Spieler hervorzuheben. Und deshalb sagt er bei der Pressekonferenz: „Fußball ist eine Wir-Sportart. Und Leroy hat, wie jeder andere in dieser Mannschaft, seine Aufgabe zu hundert Prozent erfüllt.“

Elgert wartete vergeblich auf Anruf von Di Matteo

Sané ist aber ganz sicher einer der Besten am Montagabend. Dass der 19-Jährige überhaupt dabei sein kann, entscheidet sich erst am Tag vor dem Finale. Elgert wartet bis dahin vergeblich auf ein Signal aus der Profiabteilung. Am Sonntag greift er zum Telefon und wählt die Nummer des mittlerweile zurückgetretenen Cheftrainers Roberto Di Matteo, der offenbar keine Veranlassung sieht, den Jungprofi für die U19 freizugeben. In einem „guten Telefonat“ gelingt es Elgert, den Italiener zu überzeugen. „Alles andere wäre ein Unding gewesen“, erklärt er. Für das Endspiel habe Sané sogar seinen Urlaub storniert. „Hätte Leroy die Freigabe nicht bekommen, wäre ich auf die Barrikaden gegangen“, sagt Elgert. „Das war man dem Jungen schuldig, der Mannschaft und den Fans, die der Verein sind.“

Jugend-Meister Und da ist sie eben, die Kehrseite der Goldmedaille, die Kehrseite dieser Deutschen Meisterschaft, die Elgert nachdenklich, fast grübelnd wirken lässt. „Natürlich überwiegt jetzt das Glück, der Stolz“, sagt er, kündigt aber gleichzeitig an, seinen Urlaub auch dazu nutzen zu wollen, sich grundsätzlich Gedanken über seine Zukunft zu machen. „Wenn ich so wenig Unterstützung vom Vereine erhalte, weiß ich nicht, ob ich noch der richtige Mann für Schalke bin.“

Cheftrainer-Posten war "noch nie" Elgerts Ziel

In der kompletten Saison habe die U19 unter den zahlreichen, „häufig überflüssigen“ Abstellungen zu den Profis zu leiden gehabt. „Was das betrifft, habe ich nur Anweisungen bekommen und keine große Rolle gespielt“, sagt Elgert. Der U19-Cheftrainer wird den Eindruck nicht los, dass seine Meinung extern mehr als im eigenen Verein gefragt ist. Er betont: „Ich bin froh, Oliver Ruhnert an meiner Seite zu haben. Sonst wüsste ich nicht, ob ich noch da wäre.“

Auf die Frage, ob ihn die Aufgabe des Cheftrainers bei den Profis denn reizen würde, sagt er: „Es war noch nie mein Ziel, und ist aktuell auch nicht mein Ziel. Jetzt muss ich mich erstmal erholen.“