Echte Wiesenschaft: Schalkes Rasen kommt vom Niederrhein

Mit Händen und Füßen: Eric-Maxim Choupo-Moting testete den neuen Rasen im Spiel gegen die TSG Hoffenheim sofort aus der Nähe.
Mit Händen und Füßen: Eric-Maxim Choupo-Moting testete den neuen Rasen im Spiel gegen die TSG Hoffenheim sofort aus der Nähe.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Rasen in der Veltins-Arena, der im Februar verlegt wurde, kommt aus Willich. Ein neues Grün liegt in drei Tagen. Kostenpunkt: bis zu 100.000 Euro.

Gelsenkirchen.. „Wenn wir hier nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt.“ Gesagt hat’s kein Geringerer als Rolf Rüssmann. Kein Problem, dann gibt’s eben einen neuen. Nachdem sich Toni Kroos im Februar nach dem Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals mit Real Madrid auf Schalke über den „katastrophalen Platz“ in der Veltins-Arena beschwert hatte, gab es einen neuen Rasen. Allerdings nicht deshalb, weil Toni Kroos sich beschwert hatte.

Personal Ein neuer Rasen ist eine Investition, die wohl überlegt sein will. „Die Gesamtkosten liegen zwischen 80.000 und 100. 000 Euro“, erklärt Arnd Peiffer. Der 37-Jährige muss es wissen. Schließlich erteilte Schalke ihm als einem von drei Geschäftsführern der Gebrüder Peiffer GbR, einem renommierten Fertigrasen-Zuchtbetrieb aus Willich, den Auftrag. Nach dem Bundesligaspiel gegen Werder Bremen, drei Tage nach der Partie gegen Madrid, rückten Peiffers Mitarbeiter in der Veltins-Arena an.

Das Wasser muss durchsickern

Zuvor hatten sich die Schalker Greenkeeper aber persönlich vom neuen Rollrasen überzeugt, dazu waren sie in die Firmenzentrale nach Willich gefahren. „Wir haben verschiedene Rasensorten, die sich vor allem im Deckungsgrad, also von der Narbendichte her unterscheiden. Ganz wichtig ist auch der Anzugsboden, durch einen Fußballrasen muss das Wasser durchsickern können“, erklärt Peiffer. Stadionrasen – eine echte Wiesenschaft.

„Die deutschen Greenkeeper haben eigentlich in etwa die gleiche Vorstellung von einem guten Fußballrasen“, sagt Peiffer. In Deutschland würde eher auf die „etwas verzweigtere“ Wiesenrispe gesetzt. In England hingegen sei Weidelgras angesagt. „Der Halm steht straff aufrecht“, beschreibt der Geschäftsführer.

Santana Als die Schalker Greenkeeper schließlich grünes Licht für die Wiesenrispe gegeben hatten, wurde der Termin zur Verarbeitung vereinbart. Von Vereinsseite hieß es, dass eine Verlegung vor dem Spiel gegen Real Madrid aus logistischen Gründen nicht möglich gewesen wäre. Eine zwölf Mann starke Mannschaft rückte also erst anschließend auf Schalke an und entfernte mit selbst entwickelten Maschinen zunächst den alten Rasen. Die Arbeitszeit: circa sechs bis sieben Stunden. Anschließend wurde der Unterboden planiert. „Die Vorarbeiten sind so ziemlich die wichtigsten“, sagt Arnd Peiffer. „Wir arbeiten mit Lasergeräten. Alles muss ganz genau sein. Für einen Fußballer gibt es doch nichts Schlimmeres als einen unebenen Rasen. Der Ball darf nicht verspringen.“

Am nächsten Morgen waren seine Mitarbeiter schon in den frühen Morgenstunden auf den firmeneigenen Feldern im Einsatz. Der Rollrasen wurde geschält und anschließend in 19 Sattelzüge verladen. Eine Rolle ist: 1,20 Meter breit, 38 Millimeter dick und 15 Meter lang. „Wiegt locker 1000 Kilo“, erklärt Peiffer. Sind die Auftraggeber keine Fußballklubs aus dem Umkreis, oder sind die Temperaturen jenseits der 30 Grad, dann wird der Rasen in Kühl-Lkw transportiert. Bei den gerade mal 70 Kilometern von Willich nach Gelsenkirchen bestand im Februar aber kein Bedarf.

Transfers Als der Rasen die Veltins-Arena erreicht hatte, wurde sofort mit der Verlegung begonnen. Rolle für Rolle, Bahn für Bahn. „Die Zuschnitte haben ein so hohes Eigengewicht, dass nichts mehr verrutschen kann“, erklärt Peiffer. Seine Mitarbeiter verlegen die Stücke jedoch immer „auf Abstand.“ Das heißt, dass zwischen zwei je 15 Meter langen Stücken eine kleine Fuge bleibt. Mit einer extra dafür entwickelten Maschine wird die soeben verlegte Rasenfläche an die bereits verlegte herangedrückt, quasi gepresst. „Wir verlieren dann etwa zwei Zentimeter an Breite“, sagt Peiffer.

Nach drei Arbeitstagen und der erfolgten Abnahme durch die Schalker Greenkeeper hieß es dann: Auftrag erfüllt. Die Veltins-Arena hatte wieder einen Rasen, auf dem sich auch Toni Kroos wohlgefühlt hätte. Ganz bestimmt sogar: denn auch den Rasen im Estadio-Santiago-Bernabeu, der Heimstätte von Real Madrid, haben Peiffer und sein Team verlegt.

Neuer Rasen auf Trainingsplätzen

Vor Kurzem erst hat der Familienbetrieb die Trainingsplätze auf Schalke mit neuem Rollrasen ausgestattet. Der Rasen für das bislang einzige Champions-League-Finale, das auf Schalke ausgetragen wurde, 2004 zwischen dem FC Porto und dem AS Monaco, kam ebenfalls aus Willich.

Die Veltins-Arena, sagt Arnd Peiffer, biete optimale Bedingungen, damit sich ein Rasen wohlfühlen kann. Aber nur deshalb, weil er in einer Betonwanne liegt und binnen sechs Stunden ins Freie gefahren werden kann. Länger als 48 Stunden sollte der Rasen auf keinen Fall im Stadion liegen, rät der Ingenieur. „Das würde man der Pflanze sofort ansehen“, sagt der Experte, der Fußballrasen, vereinfacht, mit einer Zimmerpflanze vergleicht: „Nimmt man eine Pflanze von der Fensterbank und stellt sie in den Keller, wird man erstaunt sein, wie schnell sie sich verändert.“