Die Schalker Knappenschmiede ist eine Vorzeigefamilie mit Sorgenkind

Der oberste Knappenschmied: Oliver Ruhnert ist Direktor der Schalker Nachwuchsabteilung.
Der oberste Knappenschmied: Oliver Ruhnert ist Direktor der Schalker Nachwuchsabteilung.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Schalkes Knappenschmiede gilt als Sprungbrett zum Profifußball. Ihr Direktor Oliver Ruhnert spricht im Interview über die Lage beim S04-Nachwuchs.

Gelsenkirchen.. Oliver Ruhnert ist quasi der Vater des Erfolgs. Der 42-Jährige ist Direktor der Schalker Knappenschmiede, aus der Jahr für Jahr viele Talente den Sprung in den Profifußball schaffen. Wir sprachen mit Ruhnert über das Sorgenkind U 23, das Vorzeigekind U 19 und ein neues Zuhause für die Schalker Vereinsfamilie.

Wie ist die Stimmungslage beim Direktor der Knappenschmiede?

Oliver Ruhnert: Es ist Ende März, wir sind natürlich schon in den Planungen für die neue Saison. Deshalb ist es im Moment eine sehr anstrengende Zeit. Aber wir haben auch eine laufende Spielzeit, aus der wir mit Hinblick auf die neue Saison viele Dinge bewerten müssen.

Was ist das Besondere daran, Chef der Knappenschmiede zu sein?

Ruhnert: Es ist eine tolle Herausforderung, bei einem Verein wie Schalke 04 junge Leute dahingehend auszubilden, Profi zu werden. Es ist immer wieder schön zu sehen, dass so viele Jungs den Sprung schaffen. Das spricht für unsere Ausbildung, für unser Scouting, aber auch für die Philosophie unseres Vereins.

Sorgen macht allerdings die U23. Hand aufs Herz: Für wie realistisch halten Sie den Klassenerhalt?

Ruhnert: Fakt ist, dass wir noch acht Spiele zu absolvieren haben und wir die bestmögliche Punktzahl holen müssen, um am Ende der Saison den bestmöglichen Tabellenplatz einzunehmen. Im vergangenen Jahr standen der KFC Uerdingen und der SC Wiedenbrück sportlich auf Abstiegsplätzen, konnten aber beide in der Liga bleiben. Deshalb ist es umso wichtiger, viele Punkte zu holen, zumal wir auf Schützenhilfe angewiesen sind.

Wie lautet der Plan B?

Ruhnert: Wir haben immer gesagt, und das bleibt auch so, dass wir am Ende der Saison eine Bewertung vornehmen. Wir setzen uns zusammen, analysieren und machen uns über die Zukunft und unsere weitergehende Ausrichtung Gedanken.

Klar ist aber, dass die U23 die Erwartungen nicht erfüllt hat. War es richtig, an Jürgen Luginger festzuhalten?

Ruhnert: Natürlich sind wir nicht zufrieden. Und natürlich sind wir diejenigen, die sich Gedanken machen. Die Thematik, die Jürgen Luginger hier vorgefunden hat, ist in dieser Saison eine ganz spezielle. Wir haben eine Hinrunde mit viel Verletzungspech absolvieren müssen, vor allem im Profibereich. Viele Dinge konnten nicht so greifen, wie wir sie geplant hatten. Man darf auch sagen, dass wir in den letzten Wochen viel Pech mit Schiedsrichterentscheidungen hatten. Ich denke an Verl, an Hennef und zuletzt an Düsseldorf. Das sind mal eben fünf Punkte. Das kommt alles zusammen in so einer Phase und da kann ich dem Trainer nur bedingt Vorwürfe machen. Die Mannschaft lebt, das konnte man in den letzten Wochen klar sehen.

Weg nach oben Geht der Trend denn nicht ohnehin dahin, dass die wirklich guten Spieler direkt den Sprung aus der U 19 zu den Profis schaffen? Braucht ein Verein eine U 23 dann noch?

Ruhnert: Derzeit scheint es so, keine Frage. Aber wir stellen uns auch die Frage, ob das nur ein kurzfristiger Trend ist, oder ob es tatsächlich in den nächsten Jahren so bleiben wird.Wir sind der Auffassung, dass es Sinn macht, eine Mannschaft zwischen der U19 und der Profimannschaft zu haben – schon allein für die Spieler, die aus der Jugend mittelfristig aufrücken. Finanzvorstand Peter Peters hat es ja sehr treffend gesagt: Die Konsequenz einer Abmeldung wäre, dass man wieder in der Kreisliga C anfangen müsste, wenn man die Entscheidung eines Tages revidieren wollte. Bei allem Respekt, aber ich weiß nicht, ob die betroffenen Vereine wirklich glücklich über die Abmeldungen sind, oder ob es nicht eine monetäre Frage war.

„Die Jungs kriegen mit, dass man auf sie setzt“

Die U19 führt die Bundesliga West an. Ist das Team reif für den vierten Titel in Folge in ihrer Bundesliga?

Ruhnert: Wir würden uns unglaublich drüber freuen. Für mich ist es aber wesentlicher, wie viele Spieler wir am Ende der Saison entwickeln konnten. Der Titel wäre ein schönes zusätzliches Erfolgserlebnis, aber nicht unser primäres Ziel.

Wie vielen Spielern aus der jetzigen U19 trauen Sie den Sprung in die eigene Profimannschaft zu? Felix Platte oder Leroy Sané spielen ja zum Teil schon oben.

Ruhnert: Ich glaube schon, dass da der eine oder andere Spieler ist, der eine sehr ordentliche Entwicklung nimmt. Aber wir bilden ja nicht nur für Schalke aus. Wir bilden Jungs aus, die generell im Profibereich landen sollen. Bei einigen Spielern sehe ich das Potenzial, den Sprung bei uns zu schaffen, aber man kann nicht immer zuverlässig prognostizieren, wer das sein wird. Da gehört manchmal auch Glück dazu, eine Situation, die sich oben ergibt.

Wechsel Wie wichtig ist der Umbau des Vereinsgeländes für die Knappenschmiede, zu dem auch das Knappen-Stadion gehört?

Ruhnert: Das wird ein Riesenvorteil für uns. Und da spreche ich nicht nur vom Stadion, das uns einen richtigen Push in der Fanszene geben wird, sondern auch von den Trainingsplätzen. Ich glaube, dass Schalke sich damit für die Zukunft fit macht. Wir leben nicht auf einer Insel. Die Konkurrenzsituation ist wahnsinnig. Die Vereine drumherum haben im Scouting oder im Trainerbereich viel aufgeholt. Auch im Wettbewerb mit jungen Spielern. Da kann das neue Gelände ein Bonuspunkt für uns sein.

Wie überzeugen Sie eigentlich einen jungen talentierten Spieler, zum FC Schalke 04 zu wechseln?

Ruhnert: Die Jungs kriegen mit, dass hier viele durchkommen, dass man auf sie setzt. Die Philosophie dieses Vereins ist es, den eigenen Talenten bei den Profis, zumindest als Backup, keine anderen Spieler vor die Nase zu setzen. Das hat Horst Heldt jetzt auch wieder deutlich gesagt. Deshalb ist Schalke super interessant für talentierte Spieler. Für uns ist es aber nicht nur wichtig, die Spieler zu holen. Für uns ist auch Nachhaltigkeit wichtig. Weil wir eben nicht jedes Jahr 20 Leute ausrangieren und dann wieder neue hinzuholen, sind Jungs wie Joel Matip, Kaan Ayhan, Julian Draxler oder Manuel Neuer hier durchgekommen. Gerade im Bereich der U19 wollen wir verstärkt dahinkommen, nur bestimmte Spieler dazu zu holen. Für uns macht das Flair Schalke 04 aus, dass wir Topausbilder haben, dass wir im Profibereich auf die Jungs setzen und dass wir den Jungs schmackhaft machen, dass dieser Verein etwas ganz Besonderes ist.