Die Chelsea-Pleite hinterlässt Wunden auf der Schalker Seele

Reichlich Abstand war im Leistungsvergleich zwischen den Siegern vom FC Chelsea und den Verlierern vom FC Schalke, hier symbolisch vertreten durch Kapitän Benedikt Höwedes.
Reichlich Abstand war im Leistungsvergleich zwischen den Siegern vom FC Chelsea und den Verlierern vom FC Schalke, hier symbolisch vertreten durch Kapitän Benedikt Höwedes.
Foto: Sebastian Konopka/WAZ-Fotopool
Tief enttäuschte Zuschauer geben den Profis des FC Schalke 04 unmissverständliche Signale: So lethargisch, hilflos und mutlos wie beim 0:5 im Champions-League-Spiel gegen den FC Chelsea darf das Team eines Malocherklubs nicht auftreten.

Gelsenkirchen.. Die Akustik zur Pause war schon gewöhnungsbedürftig, schließlich handelte es sich um ein Heimspiel des FC Schalke 04. Dessen Anhänger machen sich in der Regel mit stimmgewaltiger Unterstützung bemerkbar, bekräftigt durch Pauken und Trompeten. Ein Pfeifkonzert zur Halbzeit – das hatte Seltenheitswert. Und dann erst diese Optik gegen Ende des Spiels. Ganze Blöcke in der Arena waren geleert, als der Ball noch über den Rasen rollte, in Scharen hatten die Zuschauer das Stadion verlassen, weil sie ihre Augen nicht länger belästigen lassen wollten.

Grundsätzlich wäre eine Heimniederlage gegen ein grandioses Team wie das des FC Chelsea ja zu verschmerzen gewesen, Fans sind nicht Fantasten. Sie wollen eine einsatzfreudige, rackernde Mannschaft sehen, die sich wehrt, die alles versucht. Wenn sie dann trotzdem scheitert, wird ihr verziehen. Dieses 0:5 gegen den FC Chelsea aber schlug klaffende Wunden in die Schalker Seele. Denn die Spieler des Malocherklubs gaben ein peinliches Bild ab. Sie trabten, wenn Spurts nötig gewesen wären. Sie hielten Abstand, wenn Körperkontakt hätte weiterhelfen können. Ihre Haltung und ihre Form waren eines Champions-League-Teilnehmers nicht würdig.

Einige Schalkes Bundesliga-Profis kommen an ihre Grenzen

Aber möglicherweise haben sie ja auch schon bald nichts mehr mit der Königsklasse zu tun, denn nun liegt es nicht mehr in ihren Händen, ob sie das Achtelfinale erreichen: Selbst im Falle eines Sieges bei NK Maribor am 10. Dezember müsste zeitgleich auch noch der bereits für die nächste Runde qualifizierte FC Chelsea gegen Sporting Lissabon gewinnen. Bei einem Punktgewinn in Slowenien würde Schalke in die Europa League durchgereicht, eine Niederlage wäre der internationale K.o. in dieser Saison, in der sich die Probleme in erschreckender Höhe auftürmen.

Eines dieser Probleme bleibt die lange Verletztenliste, das darf nicht unterschlagen werden. Aber einige gestandene Bundesligaprofis bekamen gegen Chelsea gnadenlos ihre Grenzen aufgezeigt. Das Mittelfeld, Schrittmacher einer jeden Mannschaft, kam nie auf Betriebstemperatur. Wäre jemandem aufgetragen worden, die Fehlpässe von Jan Kirchhoff und Marco Höger zu zählen, hätte er dies als Strafarbeit werten müssen. Kevin-Prince Boateng verlor den Ball meistens schon vor dem Abspielversuch. Auch die Innenverteidiger Felipe Santana und Roman Neustädter waren durchgehend überfordert. Normalform erreichte kein Schalker.

Di Matteo muss bei Schalker Verlierern den Frust vertreiben

„Wir haben alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte“, kommentierte Manager Horst Heldt. „Das war Angsthasenfußball. Man kann gegen Chelsea verlieren, aber nicht so. Das Publikum hat uns zu Recht ausgepfiffen.“

Einzelkritik Roberto Di Matteo, der ausgerechnet in der Partie gegen seinen Ex-Klub gedemütigte Trainer, erklärte nach außen hin ungerührt, er sei „ein bisschen überrascht gewesen“, weil er angenommen hatte, seine Mannschaft wäre nach dem 3:2 gegen Wolfsburg selbstbewusster. Er setzt darauf, dass die Londoner gegen Lissabon nicht in den Kraftsparmodus wechseln werden. „Selbst wenn sie ein paar Wechsel vornehmen, haben sie noch genügend Qualität. Ich habe in England die Erfahrung gemacht, dass es da keine Freundschaftsspiele gibt. Chelsea wird versuchen, auch dieses Spiel zu gewinnen.“

Vorher aber muss Di Matteo bei seinen Verlierern Lethargie und Frust vertreiben. Denn schon am Samstag erscheint Mainz zum wichtigen Bundesligaspiel in Gelsenkirchen. Das dringende Gebot heißt dann Wiedergutmachung. Denn wenn die Leute schon zu Hause pfeifen oder gar weglaufen, dann ist Schalke 04 auf dem Weg, sich selbst fremd zu werden.