Di Matteo vor Schalke-Debüt - Der schwere Spagat bei Boateng

Zieht voll mit: Schalke-Star Kevin-Prince Boateng.
Zieht voll mit: Schalke-Star Kevin-Prince Boateng.
Foto: Joachim Kleine-Büning / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Schalkes neuer Trainer Roberto Di Matteo nimmt vor seiner Heimpremiere am Samstag gegen Hertha BSC Berlin die Führungsspieler in die Verantwortung - vor allem Kapitän Benedikt Höwedes und Mittelfeldspieler Kevin-Prince Boateng.

Gelsenkirchen.. Gut eine Woche nach seinem Amtsantritt hat Schalkes neuer Trainer Roberto Di Matteo eine erste Zwischenbilanz gezogen. „Wir haben sehr intensiv im Training gearbeitet, auch in taktischen Einheiten. Die Spieler haben sehr gut reagiert“, sagte der Italiener am Donnerstag. Acht Trainingseinheiten hat er bislang durchgeführt – an diesem Freitag folgt noch Nummer neun: Und dann geht es am Samstagabend (18.30 Uhr, live in unserem Ticker) in der Arena gegen Hertha BSC Berlin endlich los. Di Matteo scheint es kaum erwarten zu können: „Ich freue mich so sehr auf unser erstes Heimspiel.“

Die Vorzeichen könnten schlechter sein: Mit Hertha BSC kommt quasi Schalkes Lieblingsgegner – von den letzten elf Bundesliga-Duellen mit den Berlinern hat Schalke zehn gewonnen und keines verloren. Und damit es auch diesmal klappt, nimmt Di Matteo besonders die Führungsspieler in die Pflicht: „Die erfahrenen Spieler und die Leistungsträger müssen die Verantwortung übernehmen – man kann nicht erwarten, dass die Jungen das machen.“ Ein klarer Auftrag vor allem an Kapitän Benedikt Höwedes, der gegen Hertha sein Comeback nach fünf Wochen Verletzungspause gibt, und an Kevin-Prince Boateng.

Di Matteo zählt auch Draxler zu den Schalker Führungsspielern

Bei Boateng steht der neue Trainer vor der Aufgabe, ihn auf der einen Seite als Führungskraft zu stärken – ihm aber zugleich auch deutlich zu machen, dass er sich nicht mehr alles erlauben kann. Das kann ein schwieriger Spagat sein. „Es geht um die Mannschaft“, erklärt Di Matteo und sagt mit Blick auf Boateng: „In einer Mannschaft hat es Leistungsträger – die müssen der Mannschaft helfen.“ Ein Appell, der bei Boateng auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein scheint – zumindest, wenn man die Trainingseindrücke dieser Woche zugrunde legt. Da hat sich der Individualist nämlich als Teamplayer verhalten. Boateng hat sich keine Auszeiten genommen und die Übungen wie jeder andere durchgezogen. Mit Extratouren wäre man nur negativ aufgefallen – und das will bei einem neuen Chef niemand riskieren. Da ist das im Fußball wie im richtigen Leben.

Schalke-Splitter Auch Manager Horst Heldt hat diesen Effekt durch den Trainerwechsel beobachtet: „Es war erkennbar, dass sich jeder präsentieren will und jeder seine Qualitäten dem neuen Trainerteam anzeigen will. Das ist nicht nur bei Kevin zu erkennen – aber auch bei Kevin.“

Di Matteo ist schlau genug, um die Führungsspieler mit ins Boot zu nehmen – bei Chelsea hat er mit Stars wie Didier Drogba oder John Terry gearbeitet. Und zu den Führungsspielern zählt auf Schalke trotz seiner erst 21 Jahre auch Julian Draxler. Bei dem scheint der Trainer aber offenbar den Eindruck gewonnen zu haben, dass dieser sich zu viel auflastet: „Julian ist ein sehr talentierter Spieler, an den es große Erwartungen gibt. Er muss lernen, mit dieser Verantwortung umzugehen – damit, dass er nicht der einzige ist und sich die Verantwortung teilen muss.“

Zum Beispiel mit Boateng.