Di Matteo startet auf Schalke als der Flüster-Trainer

Schalkes neuer Trainer Roberto di Matteo gibt Kevin-Prince Boateng Anweisungen.
Schalkes neuer Trainer Roberto di Matteo gibt Kevin-Prince Boateng Anweisungen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Roberto Di Matteo gibt sich bei seiner ersten Einheit auf Schalke als Mann der leisen Töne. Er sagt: „Ich bin generell ruhig“. Das Training dauert über 100 Minuten und mehr als 1000 Fans gucken zu. Am Ende der Einheit gab's Applaus für die erste Schicht auf Schalke.

Gelsenkirchen.. Eine halbe Stunde vor dem offiziellen Trainingsbeginn lag bereits irgendetwas in der Luft. Die Rasensprenger liefen auf vollen Touren und auf dem Trainingsplatz waren Hütchen und Figuren aufgebaut – angeblich sollen die sogar schon am Vormittag dort platziert worden sein. Für 14.30 Uhr hatte Roberto Di Matteo das erste Training angesetzt, doch um 14.05 Uhr kam schon Bewegung in die Sache; manche wollten auch 14.04 Uhr gesehen haben...

Drei Schritte hinter seinen Co-Trainern Attilio Lombardo und Sven Hübscher tauchte Roberto Di Matteo im dunkelblauen Trainingsanzug plötzlich auf und marschierte durch die Menschenmenge auf den Platz – so überraschend früh, dass es nicht mal hörbaren Applaus gab: Die Fans hatten den neuen Trainer des FC Schalke 04 um diese Zeit einfach noch nicht erwartet. Auf dem Rasen korrigierte der kleine Italiener erstmal die Stellung der Hütchen und schritt die Entfernungen dazwischen genau ab. Und dann versammelte er sich mit seinen Co-Trainern in der Mitte des Platzes und wartete, bis die Spieler gut zehn Minuten später auf den Rasen kamen – auch noch lange vor der Zeit.

„Wenn er aus der Haut fährt...“

Mehr als 1000 Zuschauer waren inzwischen da: Und sie sahen, dass sich Roberto Di Matteo auf sein erstes Training auf Schalke wirklich ganz penibel vorbereitet hatte.

Gut 100 Minuten dauerte die Einheit, an deren Ende als erster Eindruck stand: Einen Marktschreier hat Schalke da nicht verpflichtet. „RDM“, so sein Kürzel, das auf seiner Trainingshose aufgedruckt ist, gab zwar ständig Anweisungen, aber immer im ruhigen, fast leisen Ton. Als er einmal Ralf Fährmann beiseite nahm, flüsterte er fast – man konnte fünf Meter daneben kein Wort verstehen. Aber auch das kann Methode sein, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu schärfen.

„Ich bin generell ruhig“, sagt Di Matteo über seinen Führungsstil: „Aber auch ich verliere mal die Ruhe.“ Dass er auch anders kann, weiß Manager Horst Heldt, der nahezu die komplette Einheit von dem Balkon vor seinem Büro auf der Geschäftsstelle verfolgte: „Wenn er aus der Haut fährt, dann beinhaltet das, dass etwas nicht gut gelaufen ist.“ Doch dafür gab’s am ersten Tag noch keinen Anlass.

Di Matteo leitet Übungen selbst

Wie angekündigt, leitete Di Matteo alle Übungen selbst. Auffällig: In der linken Hand hatte er die ganze Zeit über eine blaue Kladde, in der rechten eine rote Trillerpfeife, die er aber nur gebrauchte, um die jeweiligen Spielformen zu beenden – dies lautstark über den Platz zu schreien, scheint wirklich nicht sein Ding zu sein. Bei denn Passübungen stand „RDM“ mittendrin – manchmal musste er sich sogar ducken, wenn der Ball an ihm vorbeiflog. Attilio Lombardo, sein Landsmann, den er als Assistent mitgebracht hat, stand meist nur als Beobachter am Rand: Bei Jens Keller und Peter Hermann war es in der Regel umgekehrt.

Wirklich Aufsehen erregende Übungen gab es noch nicht: Huub Stevens hatte zu Beginn seiner zweiten Amtszeit einmal die Spieler der Abwehrkette mit einem Seil zusammengebunden, damit diese die Ordnung behalten – bei Di Matteo muss man noch abwarten, was er sich einfallen lässt. Aber er weiß: „Wir müssen an der Organisation des Teams arbeiten und auch am Selbstvertrauen. Ich habe viel Arbeit vor mir, damit wir aus der kleinen Krise herauskommen.“

Um 16.07 Uhr war die erste Schicht getan. Di Matteo hatte genug gesehen und ging in die Kabine – diesmal mit Applaus.