Di Matteo sieht Boateng nicht dauerhaft auf der Schalke-Zehn

Talent kommt, Erfahrung geht: Bei seinem Debüt auf Schalke gab Roberto Di Matteo Kevin-Prince Boateng den Vorzug gegenüber Max Meyer.
Talent kommt, Erfahrung geht: Bei seinem Debüt auf Schalke gab Roberto Di Matteo Kevin-Prince Boateng den Vorzug gegenüber Max Meyer.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Bei seinem ersten Spiel gegen Hertha BSC setzte Schalkes neuer Trainer Roberto Di Matteo auf Erfahrung - deswegen spielte Kevin-Prince Boateng auf der Zehn und Max Meyer musste auf die Bank. Boateng machte ein gutes Spiel, aber Di Matteo sagt, dass es bei dieser Position für ihn nicht bleiben muss.

Gelsenkirchen.. Max Meyer nahm nicht die Rolltreppe aus dem Kabinentrakt nach oben, er nahm die Stufen. Hinter sich zog er sein Rollköfferchen her und das polterte ein wenig über die Kanten – das war aber auch schon alles. Dass er nicht begeistert davon gewesen sein wird, beim ersten Spiel unter Roberto Di Matteo nur auf der Bank zu sitzen, versteht sich von selbst. Aber Max Meyer ist noch jung – mit 19 Jahren muss er da durch.

Schalkes neuer Trainer setzte bei seiner Premiere gegen Hertha BSC auf Erfahrung – deswegen beorderte er Kevin-Prince Boateng anstelle von Max Meyer auf die Position des Zehners. „Das war keine Entscheidung gegen Max Meyer“, versicherte Manager Horst Heldt sofort. Und auch Di Matteo betonte, dass er Boateng keineswegs grundsätzlich als Zehner sehen würde. Aber in seiner Wunschrolle hatte der Deutsch-Ghanaer nach Wochen endlich wieder einmal eine überzeugende Leistung abgeliefert, und der Erfolg gab dem neuen Trainer ja auch recht: Der 2:0-Sieg gegen Hertha war ein Einstand nach Wunsch – wenn auch nicht nach Maß, denn dafür war die spielerische Leistung trotz der Tore von Klaas-Jan Huntelaar (19.) und Julian Draxler (65.) noch zu dürftig.

Die Spieler bewerten den 2:0-Sieg wohltuend nüchtern

Di Matteo hatte sich vorher genau überlegt, was für die Mannschaft am besten sein würde: „Wir haben in den zehn Trainingstagen verschiedene Varianten versucht, und Max Meyer war ja auch mit der U 21 unterwegs.“ Dies war wohl letztlich mit ein entscheidender Grund, warum er Boateng den Vorzug gab: „Das heißt nicht, dass er ab heute immer auf dieser Position spielen wird“, versicherte Di Matteo, „ich wollte erfahrene Spieler, und Kevin ist sehr effektiv.“

Freilich würde Boateng mit Sicherheit liebend gerne als Zehner weitermachen und nutzte die Gelegenheit, um den neuen Trainer von seinen offensiven Vorzügen zu überzeugen. „Er hat mir sehr gut gefallen“, lobte auch Heldt. Boateng ging erst raus, nachdem er einen Schlag auf die Wade bekommen hatte – dann kam für ihn in der 78. Minute auch Meyer ins Spiel.

Die neue Princen-Rolle war die spektakulärste Veränderung, die Di Matteo in seinem ersten Spiel vorgenommen hatte. Ansonsten: Kaan Ayhan vertrat den gesperrten Joel Matip in der Innenverteidigung, Roman Neustädter rückte wieder auf seine angestammte Position im Mittelfeld und bildete die Doppel-Sechs zusammen mit Dennis Aogo, so dass Christian Fuchs linker Verteidiger spielte. Eine Aufstellung, die von sehr viel Vernunft geprägt war. Am wichtigsten war aber die Rückkehr des seit fünf Wochen verletzten Benedikt Höwedes, der hinten den Laden zusammenhielt und von Di Matteo gleich als „Leader“ geadelt wurde. Denn dem Italiener war vor allem daran gelegen, dass Schalke als ersten Schritt zur Besserung wieder sicherer in der Abwehr steht.

Höwedes: „Noch kein riesengroßer Schritt nach vorne“

„Wir haben uns bemüht, die ersten Sachen vom Trainer umzusetzen und haben so auch nicht allzuviele Möglichkeiten zugelassen“, bilanzierte Höwedes, der wohltuend nüchtern sagte, dass dieses Spiel „noch kein riesengroßer Schritt nach vorne“ gewesen sei. Auch Manager Heldt hatte noch einige Phasen gesehen, „in denen man gedacht hat: Wenn wir jetzt nicht besser verteidigen, kriegen wir bald ein Tor.“ Doch irgendwie war es so, wie es Dennis Aogo am Sonntag ausdrückte: „Es ist doch schön, wenn man gewinnt und gleichzeitig weiß, dass es noch viel besser werden kann.“

Nur der Anfang ist gemacht.