Di Matteo macht klar: Es gibt nur einen Boss auf Schalke

Gut vorbereitet, einnehmend und bestimmt: Roberto Di Matteo bei seinem Antrittsbesuch auf Schalke.
Gut vorbereitet, einnehmend und bestimmt: Roberto Di Matteo bei seinem Antrittsbesuch auf Schalke.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Der neue Trainer Roberto Di Matteo nimmt die Schalker bei seinem Antrittsbesuch für sich ein und gibt sich als gut gelaunter Kommunikator. Allerdings macht der neue S04-Coach auch sofort klar: Es gibt nur einen Boss. Und das ist er.

Gelsenkirchen.. Es steht eher nicht zu vermuten, dass Roberto Di Matteo schon den Twitter-Dienst von Schalke 04 abonniert hat. „Die Sozialen Medien sind eine Problematik für den Fußball. Wir werden dafür Regeln einführen“, stellte der neue Trainer von Schalke 04 gleich an seinem ersten Arbeitstag klar. Als der Fußball-Bundesligist am Vortag die Trennung von Roberto Di Matteos Vorgänger Jens Keller morgens um 8.56 Uhr per Twitter bekanntgegeben hatte, war dies ein Novum in der Vereinsgeschichte. Doch es lässt auch hier auf Veränderungen schließen, wenn der neue Trainer den Sozialen Medien nicht nur Gutes abgewinnen kann.

Di Matteo kommt gut vorbereitet, wirkt einnehmend und bestimmt

Man hätte sich vieles herauspicken können von dem, was Roberto Di Matteo bei seinem ersten Kennenlern-Tag in Gelsenkirchen hinterließ, und man würde doch immer zu dem gleichen Ergebnis kommen: Es hat auf Schalke selten einen neuen Trainer gegeben, der so gut vorbereitet und zugleich so einnehmend und bestimmt wirkte, wie der 44 Jahre alte Italiener.

Die Frage, die ihn aus der Fassung bringen könnte, wurde ihm noch nicht gestellt. Selbst als jemand wissen wollte, wie er denn das notorisch aufgeregte Schalker Umfeld zu bändigen gedenke, wusste er die Antwort: „Das hat in 100 Jahren noch niemand erreicht. Man muss kooperieren.“

Im dunklen Designeranzug, mit weißem Hemd und Krawatte, war Di Matteo am Morgen auf Schalke vorgefahren. Jeder Trainer hat seinen eigenen Stil, und der von Roberto Di Matteo erinnert nicht nur optisch an Pep Guardiola, obwohl er drei andere Trainer als für ihn prägend nennt: Den Italiener Arrigo Sacchi in fachlicher Hinsicht, dessen Landsmann Dino Zoff von der menschlichen Komponente her und dazu den Niederländer Ruud Gullit in Sachen Mentalität. Für Schalke, wo Jahrhunderttrainer Huub Stevens einst in Badeschlappen zur Vorstellung erschien, eine ganz neue Welt.

„Ich kommuniziere sehr viel mit den Spielern"

Vielleicht hat Di Matteo ein bisschen von der Stevenschen Bestimmtheit, aber es schadet nicht, wenn man diese in freundliche Worte verpackt. Als er ein zweites Mal gefragt wurde, wie sein Umgang mit Stars sei, verwies er höflich auf seine erste Antwort: „Ich kommuniziere sehr viel mit den Spielern. Ich war selbst Spieler und weiß daher, wie ich mit ihnen umgehen muss.“

An diesem Donnerstag um 14.30 Uhr wird der frühere italienische Nationalspieler im Parkstadion sein erstes Training leiten – am Mittwoch stellte er sich den Profis nur kurz vor und kündigte an, dass er zu Anfang vor allem an der Organisation der Mannschaft arbeiten wird. Seinen beiden italienischen Landsleuten Attilio Lombardo und Massimo Battara, die er als Assistenztrainer mitgebracht hat und die bislang nur Italienisch und Englisch sprechen, hat er einen Deutsch-Kurs verordnet, der in der nächsten Woche beginnt. Es gebe „nur einen Boss“, sagte Di Matteo, und man hat keinen Zweifel, wer das auf Schalke künftig sein wird.

Entscheidend jedoch, da führt auch bei Di Matteo kein Weg vorbei, ist auf dem Platz – am übernächsten Samstag hat er gegen Hertha BSC sein erstes Spiel mit Schalke. Ob man ihn dann wirklich so erleben kann, wie es sein früherer Chelsea-Spieler Lucas Piazon (heute Eintracht Frankfurt) ankündigt – nämlich, dass Di Matteo an der Seitenlinie einer wie Jürgen Klopp sei? Schalkes neuer Trainer muss nicht mal da schlucken und entgegnet vielmehr, dass der gute Piazon bei dieser Einschätzung „wahrscheinlich betrunken“ gewesen sei.

Irgendwie hat man den Eindruck: Roberto Di Matteo bringt Pep mit nach Schalke.