Desolate Schalker wahren HSV-Hoffnung auf Klassenerhalt

Ivica Olic brachte den HSV kurz nach Wiederanpfiff in Führung.
Ivica Olic brachte den HSV kurz nach Wiederanpfiff in Führung.
Foto: Getty-Images
Was wir bereits wissen
Der Hamburger SV verhindert den direkten Abstieg. Olic und Rajkovic schießen das Bundesliga-Urgestein gegen wehrlose Schalker in die Relegation.

Hamburg.. Erleichtert rissen alle Hamburger, die auf dem Rasen und die auf den Rängen, die Arme hoch. Mit dem 2:0 gegen den FC Schalke 04 erhält der einzige seit Gründung der Bundesliga noch nie abgestiegene Verein wie vor einem Jahr erneut die Chance, über die Relegation gegen den Zweitliga-Dritten die Klasse zu sichern. Als sich die Spieler des FC Schalke 04 von ihren Fans verabschiedeten, wurden sie schon wieder mit Pfiffen empfangen. “Wir haben die Schnauze voll”, sangen die Anhänger.

Weil der FC Augsburg mit 3:1 bei Borussia Mönchengladbach siegte, rutschten die diesmal in ihren neuen schwarz-grünen Auswärtstrikots angetretenen Schalker auf Platz sechs zurück. Dieser wird sie nur dann direkt in die Gruppenphase der Europa League bringen, falls der Champions-League-Starter VfL Wolfsburg den DFB-Pokal gewinnt. Holt Borussia Dortmund den Cup, muss Schalke in der dritten Qualifikationsrunde der Europa League spielen und noch zwei Play-off-Spiele überstehen.

Schalke dominierte die erste Halbzeit

In der ersten Halbzeit sah es am Samstag in Hamburg noch so aus, als könnten die Schalker die offensichtlich total verunsicherten und sogar verängstigen Hamburgern endgültig in die Zweite Liga schubsen. Die Hanseaten trauten sich nicht einmal richtig, nach vorne zu spielen, sie bemühten sich vor allem darum, krasse Fehler zu vermeiden, von denen sie in dieser Saison viel zu viele produziert hatten. Doch da auch die Schalker aufgrund der vergangenen Wochen verkrampft waren, tat sich eine halbe Stunde vor beiden Toren gar nichts. Einzelkritik

Die erste Chance des Spiels bereitete ein früherer Schalker vor. Der aufgerückte Rechtsverteidiger Heiko Westermann bediente den kurz zuvor für den verletzt ausgeschiedenen Pierre-Michel Lasogga eingewechselten Artjoms Rudnevs, doch dessen Direktabnahme verfehlte das Ziel.

Huntelaar vergibt riesige Chance

In den Minuten danach ging das Fehlpass-Festival weiter, und zwar auf beiden Seiten. Vor der Pause aber hätte dann tatsächlich doch noch Schalke in Führung gehen können - sogar zweimal: Die erste Chance ergab sich nach einer Ecke von Jefferson Farfan, doch Rechtsverteidiger Marvin Friedrich traf den Ball nicht richtig, der ihm genau vor die Füße gefallen war. Bei Chance Nummer zwei kam der Ball über Jefferson Farfan und Max Meyer zu Klaas-Jan Huntelaar, der nahm ihn direkt, erwischte ihn aber ebenfalls nicht richtig - vorbei.

Huntelaar war es auch, der direkt nach der Pause für Schalkes 1:0 hätte sorgen können, wieder war er in aussichtsreicher Position, diesmal entschied er sich für einen Haken zu viel, nach schwachem Abschluss wurde der Ball zur sicheren Beute von HSV-Torwart René Adler.

Olic trifft nach Ecke zum 1:0 für den HSV

Bei dieser Szene hielten die HSV-Fans noch den Atem an, in der 50. Minute aber konnten sie dann endlich befreit aufschreien: Ein Eckball wurde von Johan Djourou verlängert, die Schalker fanden keinen Zugriff, Routinier Ivica Olic setzte einen Drehschuss an - drin, 1:0 für den HSV.

Bundesliga Das war das Signal für die zuvor von Abstiegsangst gelähmten Hamburger, sich aus ihrer Starre zu befreien und mehr Druck zu entwickeln. Ihr zweiter Treffer in der 60. Minute entsprang allerdings erneut einer Standard-Situation und wurde noch mehr als der erste von Schalker Schlafmützigkeit begünstigt: Ein in den Strafraum geschnibbelter Freistoß des Ex-Schalkers Lewis Holtby kam bei Slobodan Rajkovic an, der stieg hoch und traf per Kopf zum 2:0. Drei Schalker waren bei ihm, in unmittelbarer Nähe entschied sich Roman Neustädter dazu, den Hamburger ungestört arbeiten zu lassen.

Schalke-Fans feiern Stevens

Zwei Minuten später feierten die Schalker Fans wieder ihren Jahrhunderttrainer Huub Stevens, denn sie hatten mitbekommen, dass dessen VfB Stuttgart soeben mit 2:1 in Paderborn in Führung gegangen war. Das hieß für den HSV, dass er sich in diesem Moment auf dem Relegationsplatz befand.

Aber auch für Schalke war eine Nachricht von einem anderen Platz keine gute: Der FC Augsburg hatte das 2:1 bei Borussia Mönchengladbach erzielt und Schalke auf Platz sechs zurückgedrängt. Es konnte also nicht schade, selbst noch etwas zu versuchen. Symptomatisch aber war die Szene in der 83. Minute, als der für Max Meyer eingewechselte Eric Maxim Choupo-Moting die lang anhaltende Serie seiner vergebenen Chancen auf peinliche Weise verlängerte: Er stand frei vor Torwart René Adler, umkurvte ihn, doch Adler lenkte den Ball noch zur Ecke.Kommentar

Schalke enttäuscht zum Saisonabschluss

Im Stadion brandete dann erneut Jubel auf, ohne dass auf diesem Rasen etwas passiert war: Die Nachricht vom 2:0 für Hannover gegen Freiburg machte die Runde - bei einem Unentschieden dieser beiden Teams und einem Sieg von Stuttgart in Paderborn wäre der HSV sogar trotz seines Sieges gegen Schalke direkt abgestiegen. So aber hatte er zumindest das Nachsitzen in der Relegation sicher.

Und die Schalker? Sie beendeten die Saison mit einer weiteren Enttäuschung. Kaum vorstellbar, dass dies in diesem Verein ohne Konsequenzen für handelnde Personen bleiben wird.