Der FC Schalke steht gegen Real vor der Reifeprüfung

Im Blickpunkt: Schalkes Trainer Roberto Di Matteo und Stürmer Klaas-Jan Huntelaar am Dienstag vor dem Spiel gegen Real Madrid in der Arena.
Im Blickpunkt: Schalkes Trainer Roberto Di Matteo und Stürmer Klaas-Jan Huntelaar am Dienstag vor dem Spiel gegen Real Madrid in der Arena.
Foto: imago
Die Rückkehr von Torjäger Klaas-Jan Huntelaar gibt dem FC Schalke 04 Hoffnung vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Königsklasse gegen Titelverteidiger Real Madrid.

Gelsenkirchen.. Seine Zeit in Madrid war zu kurz, um sie jetzt glanzvoll nennen zu können. Klaas-Jan Huntelaar weiß das, er umkurvt die Frage, welche Bedeutung er diesem Karriere-Abschnitt rückblickend beimesse, diesem halben Jahr in königlichem Weiß. Im Januar 2009 war er von Ajax Amsterdam zu Real Madrid gewechselt, im Juli wurde er zum AC Mailand weitergereicht. Trotzdem habe er „eine schöne Zeit“ bei Real erlebt, versichert der niederländische Torjäger des FC Schalke 04. „Aber ich lebe immer in der Gegenwart. Ich bin auf Schalke, hier finde ich es super, hier will ich zeigen, was ich kann.“

Vor allem an diesem Mittwochabend. Real Madrid ist mal wieder in Gelsenkirchen zu Gast, wie vor einem Jahr zum Achtelfinal-Hinspiel der Champions League (20.45 Uhr/ live in unserem Ticker), und nicht nur wegen des großen gegnerischen Namens und des besonderen Bezugs zu diesem Verein ist der „Hunter“ doppelt und dreifach motiviert. Er wird sich schon mehrmals selbst in den Allerwertesten gebissen haben wegen dieser überflüssigen Unbeherrschtheit zum Rückrundenstart gegen Hannover, die ihm in der Bundesliga eine Sperre von vier Spielen einbrachte. Drei hat er abgesessen, jetzt steht er in der Startbox wie ein Windhund vor dem Rennen. „Ich bin heiß, natürlich“, bestätigt der 31-Jährige.

Huntelaar: "Wenn wir als Team zusammenstehen, kann es eine perfekte Nacht werden"

Im Februar 2014 war ihm ein Traumtor gegen Real gelungen, sein Volleyschuss beulte in der 90. Minute das Netz hinter Iker Casillas aus. Richtig freuen konnte sich aber kein Schalker darüber: Denn es war der Ehrentreffer zum 1:6, der Schlusspunkt eines Spiels, in dem Schalke nach ordentlichem Beginn auseinander gebrochen und vorgeführt worden war. Ein ewig Ehrgeiziger wie Klaas-Jan Huntelaar findet, dass es da etwas gutzumachen gebe.

Taktik „Wir haben die Gegentore nach eigenen Fehlern bekommen“, erinnert er sich. „Das muss diesmal besser laufen. Wir spielen zu Hause, und wenn wir als Team zusammenstehen, kann es eine perfekte Nacht werden.“

Was ihn so optimistisch macht? „Wir spielen ein anderes System als vor einem Jahr“, erklärt er. „Es hat uns mehr Stabilität gebracht. Auch gegen Bayern haben wir so gespielt, und Bayern ist genau so eine Top-Mannschaft wie Real.“

Ein 1:1 nahmen die Schalker aus München mit, und weil auch das Hinspiel 1:1 ausgegangen war, betont Manager Horst Heldt: „Wir sind in dieser Saison die einzige Mannschaft, die gegen Bayern in beiden Spielen nicht verloren hat.“

Im Tor steht Debütant Wellenreuther

Er will damit unterstreichen, dass es keinen Grund gebe, sich vor Real wegzuducken. Nicht einmal den, dass statt des weiter verletzten Fabian Giefer der 19-jährige Champions-League-Debütant Timon Wellenreuther im Tor stehen wird.

Heldt bleibt aber auch Realist: „Wir sind zwar in den letzten Wochen stabiler geworden, aber da kommt natürlich ein Pfund auf uns zu. Und ich halte es für Blödsinn, von einer Schwächeperiode bei Real zu sprechen, weil diese Mannschaft so viele Leute mit außergewöhnlicher Qualität hat.“

Der Manager stimmt mit dem Torjäger überein, dass vor allem leichte Fehler vermieden werden müssten: „Es ist wichtig, sich nicht wieder selbst zu schlagen“, sagt Heldt und setzt auf Huntelaar: „Klaas-Jan braucht nur wenige Chancen für seine Tore. Er hat einen guten Riecher und ist einer, der kurzen Prozess machen kann.“

Gegen Titelverteidiger Real Madrid soll Schalke sich international beweisen

Der Gegner Einen Huntelaar in Top-Form braucht auch Trainer Roberto Di Matteo, wenn er den großen Coup landen will. „Wir werden versuchen, auch dieses Spiel zu gewinnen“, sagt der Italiener, der 2012 mit dem FC Chelsea die Champions League gewann, indem sein Team dem FC Barcelona im Halbfinale und dem FC Bayern im Finale den Spaß am Spielen verdarb.

„Aber das ist Vergangenheit“, sagt Di Matteo. „Ich coache jetzt ein anderes Team, und die Lage ist auch eine andere.“

Di Matteo meint, dass es sich gegen den Titelverteidiger zeigen wird, „wie wir uns entwickelt haben, wie weit wir auf internationaler Ebene sind“. Real sei aber Favorit, bekräftigt der Trainer. Klaas-Jan Huntelaar hört zu und bleibt regungslos. So wie er tickt, denkt er vermutlich: Na und?...