Der FC Schalke 04 verlässt die Königsklasse mit Stolz

Mit gemischten Gefühlen stand Schalke-Kapitän Benedikt Höwedes vor den mitgereisten Fans.
Mit gemischten Gefühlen stand Schalke-Kapitän Benedikt Höwedes vor den mitgereisten Fans.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Die Königsblauen erlebten in Madrid einen großen Abend, ärgerten sich aber trotz des 4:3 bei Real über das Ausscheiden, weil am Ende ein Tor fehlte.

Madrid.. Die Bilder auf dem Rasen, sie sprachen Bände. Kein Spieler von Real Madrid war mehr zu sehen – die Königlichen waren nach dem Abpfiff ganz schnell in die Kabine geeilt. Nur die Männer aus Gelsenkirchen harrten in ihren verschwitzten blauen Trikots noch aus und blickten beinahe ungläubig ins riesige Rund des Bernabeu-Stadions. Von oben donnerte der Applaus des Publikums herunter, und es gab keinen Zweifel, dass die Zuschauer von Real Madrid sich in diesen Minuten vor den Spielern des FC Schalke 04 verneigten. Diese Aufwartung war das schönste Kompliment für die Gäste, denn der Anhang der Königlichen ist es gewöhnt, großen Fußball zu honorieren. „In diesem Moment habe ich Gänsehaut verspürt”, verriet Max Meyer später – sehr viel später.

Schalke-Team laut Höger "ein bisschen perplex"

Denn die Spieler des FC Schalke 04 brauchten eine Weile, um diesen Abend zu verarbeiten. In ihrer Kabine machte sich ein seltsames Gemisch aus großem Stolz und quälender Enttäuschung breit. Natürlich waren sie darauf vorbereitet, im Rückspiel bei Real Madrid aus der Champions League auszuscheiden, aber nicht auf diese Weise – nicht nach einem berauschend herausgespielten 4:3-Sieg beim Titelverteidiger, der seine erste Niederlage nach zehn Siegen in der Königsklasse hinnehmen musste. Als „ein bisschen perplex” beschrieb Marco Höger den emotionalen Zustand der Schalker Mannschaft: Nur ein Tor fehlte nach dem 0:2 im Hinspiel zum Weiterkommen, das ein Fußball-Wunder bedeutet hätte. „Wenn das Spiel nur fünf Minuten länger gedauert hätte, hätten wir es geschafft”, behauptete Max Meyer und grinste ein wenig frech: „Am Ende ging denen ganz schön der Stift.”

Mit seiner überragenden Leistung hatte sich der 19-Jährige das Anrecht erworben, so über den Titelverteidiger urteilen zu dürfen. Meyer war der spielerische Feingeist eines Teams, dessen Tore Klaas-Jan Huntelaar (2), Christian Fuchs und der wie Meyer 19-jährige Leroy Sané erzielten. „Max war herausragend”, schwärmte Manager Horst Heldt und schluckte: „Abgesehen von Ronaldo.“ Denn der Weltfußballer hatte mit drei Toren in Hin- und Rückspiel das Duell für Real entschieden. All’ die anderen „Galaktischen“ hatte Schalke auf irdische Größe reduziert.

Wie das funktionieren konnte mit einer Mannschaft, die keine zwei Wochen zuvor beim Derby in Dortmund noch selbst gedemütigt worden war und in deren Reihen zum Schluss vier Spieler standen, die 20 Jahre oder jünger sind, war die große Frage.

Schalke-Trainer Di Matteo ist begeistert

Talent „Real hat uns von Anfang an nicht richtig ernst genommen“, vermutete Max Meyer – führte damit aber einen Umstand an, der den Schalker Auftritt nicht hinreichend würdigte. Denn immer deutlicher zeichnet sich ab, dass Trainer Roberto Di Matteo seinen Spielern jetzt auch in solch großen Spielen ein erhöhtes Wagnis zutraut. Zudem war zu spüren, dass die Spieler sich nicht wie so oft in Mutlosigkeit ergaben. Di Matteo war von dem Gesamtvortrag so fasziniert, dass er seiner Mannschaft „eine Leistung der Superlative” attestierte.

Dieses Niveau auch nur ansatzweise zu konservieren, wird nun die nächste Herausforderung für Di Matteo sein. Heldt warnte noch in Madrid vor der enormen „Fallhöhe“ nach einem solchen Abend, der auch ohne großes Happy End einen festen Platz in den Schalker Geschichtsbüchern finden wird. „So ein Spiel“, sagte Max Meyer, „bleibt für immer in Erinnerung.“