Den Wirbel um Draxler hat Schalke selbst entfacht

Reklamefahrt für Draxlers Vertragsverlängerung: Auf Kleinlastwagen transportierte Schalke die frohe Botschaft.
Reklamefahrt für Draxlers Vertragsverlängerung: Auf Kleinlastwagen transportierte Schalke die frohe Botschaft.
Foto: Martin Möller
Was wir bereits wissen
Erst auf Kleinlastwagen in ganz Gelsenkirchen Reklame für die Vertragsverlängerung von Julian Draxler zu machen und sich anschließend über den Hype um den Jungstar zu beklagen, wie es jetzt Schalke-Trainer Jens Keller tat - das passt nicht zusammen. Ein Kommentar.

Essen.. Der Hype um seinen jüngsten Star bereitet Schalkes Trainer Jens Keller Unbehagen. Aus gutem Grund. „Der Junge ist erst 19, auf ihn prasseln so viele Dinge ein, wenn man hört: 60 Millionen Gehalt, 45 Millionen Ablöse.“ Seine Empfehlung deshalb: „Man muss den Ball flach halten.“

Wohl wahr. Nur: Als Schalke 04 den Vertrag mit Julian Draxler, um den es sich hier handelt, unlängst bis 2018 verlängerte, ließ der Verein diese Nachricht per Kleinlastwagen mit seinem Konterfei durch Gelsenkirchen transportieren, nicht ohne sich mit der millionenschweren Ausstiegsklausel zu brüsten. Und unmittelbar vor der Jahreshauptversammlung, auf der Gegenwind für den Vorstand vorausgesagt war, lancierten die Verantwortlichen aus durchsichtigen Motiven die Meldung, Draxler habe verlockende Angebote gleich mehrerer ausländischer Topklubs abgelehnt.

So lassen sich vielleicht manche murrenden Vereinsmitglieder versöhnlich stimmen. Allerdings um den Preis, dass der vorgeblich doch so unangenehme Wirbel um einen Spieler, der nach Einschätzung seines Trainers vor einer „Weltkarriere“ steht, noch verstärkt wird. Kellers berechtigte Mahnung passt jedenfalls nicht dazu.

Das Schalker Verhalten erinnert im weitesten Sinne an die Praxis einiger bunter Blätter, die sich in den prüden 1960er Jahren erst über Nacktfotos schöner Frauen in anderen Gazetten empörten, nur um diese dann unter der Schlagzeile nachzudrucken: „Diese Bilder wollen wir nicht sehen.“ Das dazu passende Wort heißt: Scheinheiligkeit.