Christian Wetklo: "Auf Schalke hatte ich immer Gänsehaut"

Immer ein Lachen auf den Lippen: Christian Wetklo beim Leser-Interview.
Immer ein Lachen auf den Lippen: Christian Wetklo beim Leser-Interview.
Foto: Joachim Kleine-Büning/Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Schalkes Torwart Christian Wetklo beantwortet die Fragen unserer Leser - und spricht dabei unter anderem über die Sehnsucht nach dem richtigen Verein.

Gelsenkirchen.. Christian Wetklo ist ein Typ, der für klare Kante steht – genau der Richtige für unser Leser-Interview. Vor dem Urlaub haben wir dem Schalker Torwart die Fragen vorgelegt, die die Leser an ihn gestellt haben – heute veröffentlichen wir seine Antworten. Und dabei verrät Christian Wetklo auch, dass er sich bereits zu seinen Zeiten bei Mainz 05 bisweilen ganz gerne mal als Schalker gefühlt hat...

„Was würde es Dir bedeuten, noch einmal in der Arena ein Pflichtspiel für Schalke zu machen?“ (Marco Bussmann)

Christian Wetklo: „Ich habe ja schon einige Male gesagt, was es mir überhaupt schon bedeutet, dass ich hier auf Schalke noch einmal dabei sein darf: Schon damit ist für mich ein Riesentraum in Erfüllung gegangen. Ein Pflichtspiel in der Arena für Schalke wäre aber die Krönung – das absolute Highlight meiner kleinen Karriere.“

„Wie geht es mit Ihnen in der Rückrunde bei S04 weiter, da Fabian Giefer jetzt wieder einsatzfähig ist?“ (Siegbert Huenenborn)

Wetklo: „Das wird man sehen. Mit Roberto Di Matteo habe ich darüber noch nicht gesprochen. Im Sommer haben wir uns klar darauf verständigt, dass ich die U23 unterstützen soll, sobald Fabi wieder 100-prozentig fit ist. Wenn Roberto Di Matteo es wünscht, bleibe ich auch bei den Profis, sonst gehe ich zur U23. Darauf habe ich mein Wort gegeben.“

„Wenn man mit 34 noch mal den Verein wechselt, kann das nicht nur sentimentale Gründe haben, sondern man denkt auch an die Zukunft. Können wir also in Dir den künftigen Torwart-Trainer sehen?“ (Volker Soraschewski)

Wetklo: „Ich hätte nichts dagegen (lacht). Nach 14 Jahren bei Mainz 05 war es nicht so einfach, diesen Verein zu verlassen, und Schalke war danach das Beste, was mir passieren konnte. Ich bin zu Hause angekommen und freue mich, jeden Tag hier das Gelände betreten zu dürfen. Da würde es wenig Sinn machen, noch mal den Verein zu wechseln. Aber ich denke 2015 noch nicht an mein Karriereende – ich möchte noch so lange wie möglich spielen.“

Ex-Schalker „Wie waren für Dich früher mit Mainz Auswärtsspiele auf Schalke?“ (Holger Knittel)

Wetklo: „Schon emotional. Vor jeder Saison habe ich als Erstes geguckt: Wann spielen wir auf Schalke? Beim Einlaufen hatte ich hier immer eine Gänsehaut und hab mir vorgestellt: Jetzt müsstest du nur noch das andere Trikot anhaben… Ich kenne ja auch so viele Leute in der Arena, mein Schwager hat zum Beispiel eine Dauerkarte in der Nordkurve. Mainz hat in all den Jahren nicht oft auf Schalke gewonnen – aber zweimal schon, und da stand ich im Tor.“

„Hast Du Dich bei den Spielen mit Mainz in Dortmund vor der Südtribüne manchmal als Schalker gefühlt?“ (Ralf Johannsen)

Wetklo: „Auch – es gibt ja diese legendäre Szene, als ich da nach einem Spiel stehe und mein Trikot zeige. Blaues Trikot, weiße Hose, weiße Stutzen – das war kein Zufall. Das Spiel war schon emotional, wir haben 1:1 gespielt und ich hatte einen Elfmeter von Nuri Sahin gehalten. Die Dortmunder Fans wussten, dass ich Schalker bin und haben mich mit allen möglichen Dingen beschmissen. Da habe ich nach dem Spiel eben mein blaues Trikot gezeigt – diese Rivalität hat man in sich.“

Ex-Mainzer Wetklo ist kein Karnevals-Typ

„Wer war Dein Vorbild und welcher Spieler hat Dir in Deiner Karriere am meisten imponiert?“ (Karl-Heinz Scheuern)

Wetklo: „Als Profi hat man nicht mehr so viele Vorbilder – man kann nicht einfach sagen: Ich mache es so wie Neuer oder Buffon. Es würde wenig Sinn machen, wenn ich mit meinen Fähigkeiten soweit vor dem Tor spielen würde wie Neuer. Als Jugendlicher sieht das anders aus. Ich habe mich Anfang der Neunziger-Jahre an Andy Köpke und Jens Lehmann orientiert.“

„Wer so lange in Mainz gespielt hat, der feiert doch bestimmt heute richtig Karneval, oder?“ (Sabine Lüttenberg)

Wetklo: „Leider nein, auch in Mainz habe ich das nicht gefeiert, weil ich nicht der Typ dafür bin. Mit der Mannschaft hatten wir dreimal auf dem Karnevals-Umzug einen Wagen, da bin ich dann mitgefahren, aber mein Ding ist das nicht. Ich trinke ja auch keinen Alkohol.“

Huntelaar „Hallo Christian. Da Du gerne angeln gehst, kannst Du mir sicher ein Gewässer empfehlen.“ (Stefan Gorka)

Wetklo: „Ich gehe gerne an die Lippe, das ist bei mir vor der Haustür, denn ich wohne ja in Dorsten. Empfehlen kann ich auch das Gelände vom Marler EV, einem Angelverein, aber da muss man Mitglied sein. Und im Sommer gehe ich in Duisburg oder Wesel auch gerne mal an den Rhein.“

„Wie groß und schwer war Dein dickster Fisch, den Du je geangelt hast?“ (Uwe Bendl)

Wetklo: „Das war ein Hecht: 95 Zentimeter groß, 6 Kilo schwer. Den hab ich dieses Jahr im Mai beim Angelverein gefischt. Ich gehe am liebsten auf Raubfische, Hecht oder Zander.“

„Spürt man als Spieler die Handschrift von Roberto Di Matteo?“ (Paul Rademacher)

Wetklo: „Die kann man schon erkennen. Der Trainer legt viel Wert auf das Umschaltverhalten auf dem Platz. Das einzuüben, ist ein langer Prozess – das geht nicht von heute auf morgen. Zu meiner Mainzer Zeit haben wir das mit Klopp und Tuchel auch so gespielt. Und jetzt auf Schalke hat auch die Umstellung auf das 3-5-2-System gut geklappt, denn mit zwei Spitzen spielen wir offensiver.

"Wir haben noch alle Möglichkeiten, Platz zwei, drei oder vier zu erreichen"

„Aus meiner Sicht kann Schalke nur oben mitspielen, wenn alle Mann an Bord sind. Warum sind die Spieler aus der zweiten Reihe nicht in der Lage dazu? Am Gehalt kann es doch nicht liegen. (Reinhard Schneider)

Wetklo: „Natürlich hat das nichts mit dem Geld zu tun. Ich sehe es so: Wir haben so viele Verletzte, dass der Trainer in den Englischen Wochen nicht mal eben fünf, sechs frische Spieler bringen kann. Das wäre aber eigentlich nötig, denn diese Englischen Wochen schlauchen ganz schön. Das merke ich selbst auch, obwohl ich gar nicht spiele. Denn es geht dabei gar nicht so sehr um die Spiele, sondern mehr um die Reiserei, das Fokussieren auf die Gegner, die Anspannung, die erst lange nach dem Spiel wieder weicht – das nimmt einen mit, auch vom Kopf.“

„Glauben Sie, dass Schalke in der nächsten Saison international vertreten sein wird?“ (Frage gekürzt — Reinhard Schneider)

Wetklo: „Wir haben uns sehr gut wieder ran gearbeitet. Was uns fehlt, sind ein oder zwei Auswärtssiege mehr. In der Rückrunde haben wir noch alle Möglichkeiten, Platz zwei, drei oder vier zu erreichen.“

Transfer „Kann es sein, dass niemand von den Schalker Verantwortlichen sich auch mal Fehler eingesteht? Sei es mit falscher Trainingsplanung oder mit teuren Neuverpflichtungen.“ (Frank Gollanek)

Wetklo: „Da bin ich wirklich der falsche Ansprechpartner, kann aber die Meinung nicht teilen. So wie ich zum Beispiel Horst Heldt kennengelernt habe, kann er sich durchaus auch selbstkritisch hinterfragen.“

„Ich habe am 31. Dezember Geburtstag und würde mir wünschen, einmal bei einem Spiel direkt hinter der Trainerbank zu sitzen.“ (Ronald Göhring)

Wetklo: „Wenn ich könnte, würde ich Dir diesen Wunsch gerne erfüllen, aber für diese Plätze habe ich leider keine Karte“ (lacht).