Baumjohann und Sarpei mit Schalke im Rampenlicht
06.04.2011 | 19:41 Uhr 2011-04-06T19:41:00+0200
Mailand.Es war Anfang Dezember, als viele seinen Namen schon fast vergessen hatten. Mit Schal und Handschuhen spielte er auf der Schneedecke der Mondpalast-Arena in Wanne-Eickel: Regionalliga-Fußball an einem sehr ungemütlichen Mittwochnachmittag. Schalkes Zweite gegen Fortuna Düsseldorfs Zweite, 0:0. Zu lachen hatte der Fußballer Alexander Baumjohann überhaupt nichts mehr.
Obwohl: Der 24-Jährige durfte wenigstens ab und zu spielen, etwa auch gegen die Zweite des VfL Bochum oder von Bayer 04 Leverkusen. Hans Sarpei, der Ghanaer, durfte nur mit der zweiten Mannschaft trainieren. Und nun, vier Monate später, stehen die beiden Aussortierten, die ja inzwischen sogar Felix Magath zurückgeholt hatte, im Rampenlicht. Im Rampenlicht des Giuseppe-Meazza-Stadions nach dem grandiosen 5:2-Erfolg des FC Schalke 04 im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League bei Inter Mailand , den 71 500 Zuschauer mehr gesehen haben als so einen Regionalliga-Kick in der Mondpalast-Arena.
Jener Hans Sarpei ist wohl ein Muster-Beispiel dafür, dass bei den Schalkern durch den Trainer-Wechsel der Spaß zurückgekehrt ist. Er strahlt, fast pausenlos. „Ist was passiert?“, fragt der 34-Jährige in die Journalisten-Runde. „Im Nachhinein“, sagt er dann, „war ich etwas enttäuscht, wir hätten auch sechs machen können.“ Tore, versteht sich. „Aber mit fünf können wir gerade noch leben.“ Obwohl Inter-Trainer Leonardo seiner Mannschaft zutraut, am Mittwoch in der Veltins-Arena mit 4:0 zu gewinnen. „Im Fußball“, sagt er, „ist nichts unmöglich.“
Ob dieser Standard-Satz auch erklärt, dass sich der FC Schalke 04 in so kurzer Zeit so sehr verändert hat – überall, neben dem Platz, aber vor allem auf dem Platz? Undenkbar, dass Felix Magath in Mailand so offensiv begonnen hätte wie Ralf Rangnick. Da schluckte sogar der Kaiser. „A bisserl zu offensiv“, sagte Franz Beckenbauer. Da wusste er aber noch gar nicht, dass Edu ein richtig guter Stürmer ist, weil er ihn bis dahin immer nur dabei beobachten durfte, wie dieser die Grashalme der Seitenauslinien zählt. „Wenn wir was von ihm haben wollen“, sagt Ralf Rangnick, „dann muss er im Zentrum spielen.“ Zweimal traf der 29-jährige Brasilianer und wird sich jetzt auch fragen, warum Inters Julio Cesar der Nationaltorwart seines Landes ist.
„Wenn wir was von ihm haben wollen, müssen wir ihn spielen lassen“, hat sich Ralf Rangnick wohl bei Alexander Baumjohann gedacht. „Man hat in den vergangenen Tagen im Training gesehen, dass er wieder in den Rhythmus kommt“, sagt der Schalker Trainer, der reichlich Aufbauarbeit bei dem 24-Jährigen leisten musste. „Ich will nicht gegen Felix Magath nachtreten, aber ich hatte keine leichte Zeit“, sagt er. Zumal es „mein Anspruch ist, in der Champions League zu spielen“ – und eben nicht in der Mondpalast-Arena in Wanne-Eickel.
Wolfsburg weghauen
Die Arena am Samstag heißt wieder Veltins-Arena. Und dann kommt der VfL Wolfsburg, eben mit Trainer Felix Magath. Hans Sarpei schmunzelt. „Man vergisst solche Sachen nie“, sagt er. „Aber er hat ja hier sportlich was geleistet. Jetzt kommt er nach Schalke, und wir wollen Wolfsburg schön weghauen.“ Als er Alexander Baumjohann auf die Schulter tippt, sagt er: „Der Baumi steht neben mir. Das sind zwei ehemalige Amateur-Spieler.“ Die sich vielleicht ein bisschen mehr auf Felix Magath freuen als andere.

11:05
Hier macht es sich die waz aber sehr einach!
1. Bewirkt ein Trainerwechsel in Regel immer eine Änderung, da jeder Trainer individuelle Ideen hat.
2. Bleibt die Entwicklung in der Liga erst einmal abzuwarten.
3. Hatte Inters Defensive an diesem Tag noch nicht einmal 2.Liga-Niveau und die Aussage von Wesley Sneyder, dass die Mannschaft von Inter platt sein, macht es dem Schalker Offensivspiel natürlich mehr als einfach.
Nichtsdestotroz freue ich mich für Baumjohann, den ich immer für einen guten Mittelfeldspieler gehalten habe, weswegen ihn auch Magath geholt hat. Nur konnte er anfangs seine Leistungen nicht bringen. Ich hoffe aber dass er sie jetzt konstant haltne kann. Dann mag es vielleicht doch an Rangnick liegen. Aber bisher ist es für solche Schlüsse mehr als zu früh!
10:04
Ralf Ragnik hat nicht nur ganz Deutschland einen wunderbaren Fussballabend beschert. Er hat eine Renaissance des FC Schalke 04 initiiert.
Niemals wären wir mit Magath so offensiv aufgestellt worden und hätten so attraktiven Fussball gespielt. Niemand bestreitet die Verdienste von Magath. Wir verdanken ihm letztlich den Einzug in das Viertelfinale. Aber Magath hatte immer den Ansatz, fertige Spieler zu kaufen und bereits nach kürzester Zeit eben jene wieder auszusortieren, wenn sie ihm nicht gefielen. Wie sonst liesse sich erklären, dass er so grandiose Fussballer wie Baumjohann ausgemustert hat. Oder nehmen wir das Beispiel von Lewis Holtby: erst als Wunschspieler geholt, dann nach ein parr Alibi-mäßigen Kurzeinsätzen abgeschoben und ausgeliehen. Bei Mainz hat er dann eine überragende Saison gespielt!
Ich denke, das Ragnik genau der Richtige für den S04 ist. Er wird Spielern wie Baumjohann, Holtby, Papadopolos und andenen Jungen Wilden eine echte Chance geben. Selbst wenn sie mal einen kleinen Durchhänger haben. Wie gesagt: dies ist für mich der Beginn einer Renaissance für den S04.
21:17
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