Angst vor Nachbeben schürt Zweifel an Schalke-Machern

Ein Pläuschchen unter Kollegen: Jefferson Farfan (li.) mit Rafinha und Claudio Pizarro.
Ein Pläuschchen unter Kollegen: Jefferson Farfan (li.) mit Rafinha und Claudio Pizarro.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Nicht dass Schalke 04 gegen Real Madrid und Bayern klar verloren hat, macht vielen Schalker Fans Angst. Sondern die wieder größer gewordenen Zweifel daran, dass Jens Keller und Horst Heldt die Nachbeben dieser Demütigungen in den Griff bekommen. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen.. Darf man auf einer Beerdigung lachen? Zugegeben, ein etwas weit her geholter Vergleich, zumal es im Fall von Jefferson Farfan streng genommen um das eigene „Begräbnis“ beziehungsweise das seiner Mannschaft ging. Aber die heftigen Reaktionen auf das Verhalten des Peruaners, der nach dem Schalker Desaster in München noch auf dem Spielfeld mit seinem Landsmann Claudio Pizarro und seinem früheren Teamkameraden Rafinha herumgealbert hatte, zeigen, dass die Nerven auf Schalke – wieder einmal – blank liegen. Als hätten sie keine anderen Sorgen ...

Nach dem 1:6 gegen Real Madrid fehlte diesmal lediglich ein Bayern-Tor zum rekordverdächtigen Schalker Doppel-Sixpack – da wäre zumindest Galgenhumor verständlich gewesen. Doch selbst danach war den S04-Verantwortlichen nicht ansatzweise zumute. „Katastrophal“, „unterirdisch“, „hochgradig peinlich“: Die Wortwahl, untermalt durch die Leichenbittermienen von Trainer Jens Keller und Manager Horst Heldt, lässt das Ausmaß des Entsetzens über das beschämende Bild ahnen, das die Schalker Mannschaft in zwei leblosen Auftritten abgegeben hat.

So groß jedoch auch der Aufruhr unter den Fans der Königsblauen sein mag – bei Licht betrachtet, ist, gemessen an den rein sportlichen Auswirkungen, in dieser Woche vergleichsweise wenig passiert. Das Aus im Champions-League-Achtelfinale, das nur noch Formsache ist, war ebenso vorhersehbar wie eine klare Niederlage gegen die derzeit in ihrer eigenen Liga spielenden Bayern. Ja, in der Bundesliga zählt Schalke in diesem Jahr bisher nach wie vor zu den Gewinnern. Liegt der Tabellenvierte doch in der Rückrundentabelle mit 13 von 18 möglichen Punkten hinter dem punktgleichen Erzrivalen Borussia Dortmund auf dem dritten Platz.

Wer soll den Ruck bewerkstelligen

Mehr noch: Mit Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und dem VfL Wolfsburg hat S04 gleich drei taumelnde Konkurrenten um einen Champions-League-Platz in gerade mal sechs Spielen zehn (Mönchengladbach), sieben (Leverkusen) und vier Punkte (Wolfsburg) abgenommen.

Nachbericht Aber alle Zahlenspielereien können die Schalker Angst vor den psychologischen Nachbeben des doppelten Tiefschlags innerhalb von vier Tagen nicht dämpfen. Zumal ein solcher Rückfall, um nicht zu sagen: Zerfall der Mannschaft angesichts des scheinbar doch ermutigenden Zwischenhochs nach der Winterpause Rätsel aufgibt, was betriebsintern auf Schalke wirklich los ist. Wenn Königsblau jedenfalls die Hoffnung auf ein halbwegs versöhnliches Ende dieser Saison nicht vorzeitig beerdigen will, muss ein Ruck durch den Verein gehen. Nur: Wer soll ihn bewerkstelligen? Jens Keller? Horst Heldt? Man wird ja noch mal fragen dürfen …