Schalke 04 : Jones attackiert Trainer und Mitspieler

Bétera. Im Trainingslager in Spanien wird klar, dass die Hinrunde bei den Königsblauen Spuren hinterlassen hat. Nach Gerald Asamoah macht auch Jermaine Jones seinem Ärger Luft. Er erhebt gravierende Vorwürfe.
Es ist Trainingslager. In Valencia wollen die Fußballer des FC Schalke 04 die Basis für eine bessere Zukunft schaffen. Interesse weckt dabei weniger die Trainingsarbeit als das, was geredet wird. Nach Gerald Asamoah wird die Halbzeit-Bilanz der Saison auch dank Jermaine Jones nicht nur interessant, sondern auch sehr intensiv. Los geht es mit einem deftigen Satz: „Die Hinrunde war beschissen.”
Es ist nichts Neues, dass der 27-jährige Jones aus seiner Meinung kein Geheimnis macht. Und er achtet auch darauf, dass er bei seinen Attacken keinen seiner Teamkollegen namentlich nennt. Doch die Vorwürfe, die Jermaine Jones erhebt, sind gravierend. Und sie bestätigen, auch wenn sich Manager Andreas Müller schon seit vielen Wochen vehement gegen diesen Vorwurf wehrt, dass die Schalker Mannschaft zumindest in Teilen ein undisziplinierter Haufen ist.
Jones greift Engelaar und Müller an
Jermaine Jones fordert von Schalke-Trainer Fred Rutten (Bild) härteres Durchgreifen. (Foto: afp)
Foto: AFP
Es hat sich in der Hinrunde Frust angestaut. Den ersten hatte der dreimalige Nationalspieler Jones schon vor der Saison. „Ich kapiere es nicht, dass du noch einen Sechser holst”, sagt Jermaine Jones, nachdem er das doch zusammen mit Fabian Ernst in der vergangenen Saison nicht schlecht gemacht habe, sie waren wohl das beste Sechser-Duo der Liga. Gemeint ist selbstverständlich der Niederländer Orlando Engelaar. „Ich habe eher Bedarf gesehen, einen zu holen, der Kevin ersetzt”, sagt er.
Kevin Kuranyi und Orlando Engelaar – das Duo, das im Trainingslager bei inzwischen 15 Grad und Sonnenschein wegen seiner Verletzungen kaum oder gar nicht trainieren kann. „Wer hier nicht mitmacht”, sagt Jermaine Jones, „darf nicht den Anspruch haben, beim ersten Spiel auf dem Platz zu stehen.”
"Wir können jeden ersetzen"
Jones fordert, dass ausschließlich nach Leistung aufgestellt wird. „In gewissen Situationen ist zuletzt schon auf die Namen geachtet worden. Einigen wurden zu viele Chancen gegeben”, sagt er. Es sei keine Seltenheit gewesen, dass der eine oder andere gegen Regeln verstoßen und trotzdem gespielt habe. „Die, die hinten anstehen, haben sich dann doch verarscht gefühlt. Wir können jeden ersetzen. Ob Kevin Kuranyi, Marcelo Bordon oder mich.”
Jermaine Jones lässt die Muskeln spielen - auch gegenüber Mitspielern und Trainer Rutten. (Foto: afp)
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Jermaine Jones plädiert ständig für Leistung – und für die Stürmer Halil Altintop und Gerald Asamoah. „Wenn sie zum Rückrunden-Start nicht auf dem Platz stehen werden, ist das nicht fair. Kevin ist mein Freund. Aber warum soll Asa wieder raus?”, fragt er. „Jeder muss korrekt behandelt werden. Ich glaube schon, dass es in der Rückrunde die eine oder andere Veränderung geben wird.”
Von Strafen wegen disziplinarischer Vergehen – etwa Unpünktlichkeit – hält Jermaine Jones überhaupt nichts. „100 Euro sind nicht viel”, sagt er. „Dem Fußballer tust du am meisten weh, wenn er am Samstag nicht auf dem Platz steht.” Und der ehemalige Frankfurter, der unbedingt in der nächsten Saison – wo auch immer – wieder in der Champions League spielen will, setzt auf Fred Rutten.
"Rutten muss konsequenter durchgreifen"
Er glaubt, dass der Trainer nach der nun halbjährigen Phase der Gewöhnung an Schalke durchgreifen wird. „Er muss konsequenter durchgreifen”, betont Jermaine Jones sogar. Hat er denn darüber auch mal mit seinem Trainer gesprochen? „Ich muss dem Trainer nichts sagen”, meint er und sagt dann doch etwas: „Die, die nicht fit sind, brauchen nicht auf dem Platz rumzuturnen.”
Wie Gerald Asamoah hat aber auch Jermaine Jones nach der internen Spieler-Sitzung schon zum Abschluss der Hinrunde Besserungen erkannt. Und trotz seiner intensiven Kritik spricht er sich für das 15,5-Millionen-Euro-Paket Jefferson Farfán und Orlando Engelaar aus. „Die können doch nicht sofort funktionieren”, sagt er. „Wenn du oben angreifen willst, musst du für 25 Millionen Euro Franck Ribéry holen.”
Selbst ein Spieler stellt also indirekt die Frage, die viele stellen – die nach Schalker Anspruch und Wirklichkeit. Dennoch sagt Jermaine Jones klipp und klar, dass „es das Wichtigste ist, dass wir in der nächsten Saison wieder international spielen”. Der Uefa-Pokal reiche ihm aber nicht. Längst nicht.
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