Fußball-Bundesliga : Asamoah vermisst die alten Typen auf Schalke
Bétera. Schalkes Routinier Gerald Asamoah glaubt die Gründe für die schlechte Hinrunde zu kennen: Im Team gebe es keine Spieler, die auch mal auf den Tisch hauen. Keiner wolle dem anderen weh tun. "Aber vielleicht brauchen wir einen Spieler, der ein Arschloch ist", so Asamoah.
Es war lange ruhig um ihn geworden, Gerald Asamoah schien in den Planungen von Trainer Fred Rutten keine Rolle mehr zu spielen. Doch zum Ende der Hinrunde kam der dienstälteste Profi des FC Schalke 04 zurück, und er ist im Trainingslager im spanischen Bétera bei bester Laune. Nicht nur das: Es muss wohl daran liegen, dass er schon 30 Jahre alt ist und deshalb nicht eine Floskel an die andere reiht, um das enttäuschende Abschneiden in der Hinrunde – nur Platz sieben – zu erklären.
Gerald Asamoah entstammt noch einer anderen Schalker Generation. Die Frage, warum es in der ersten Saisonhälfte nicht gelaufen sei, beginnt er, klar, mit einem Scherz: „Weil Asamoah nicht von Anfang an gespielt hat.”
Schnell aber wird er deutlich, spricht er an, dass die Mannschaft als Gesamtpaket nicht funktioniert habe. „Schlimmer als in der Hinrunde kann es nicht werden”, sagt er. „Wir haben einfach alles hingenommen, wie es war. Vielleicht wussten nicht alle, worum es geht.”
"Vielleicht sind wir zu lieb in der Kabine"
Aber was muss nun besser werden? „Vielleicht sind wir zu lieb in der Kabine”, sagt er. „Vielleicht brauchen wir einen Spieler, der ein Arschloch ist. Der mal draufhaut. Wir müssen langsam aufwachen, sonst wird's dieses Jahr gar nichts.”
Keiner will jemandem weh tun
Aber es ist doch bekannt, dass Trainer Fred Rutten höchsten Wert auf Disziplin legt. „Er kann ja nicht alles mitbekommen”, sagt der 43-malige Nationalspieler und nimmt die Mannschaft in die Pflicht. Wie? „Wenn mal einer zu spät kommt, dass einer aufsteht und auf den Tisch haut”, sagt er. „Das fehlt bei uns. Keiner will jemandem weh tun. Und 1000 Euro Strafe, die stören doch nicht.” Es folgt ein Lächeln. „100 Euro.”
Gedanken gemacht
Gerald Asamoah sehnt sich nach Typen, die er in seiner Schalker Laufbahn schon mehrmals erlebt hat. „Ebbe Sand wurde immer ruhig gesehen”, sagt er zum Beispiel. „Aber wenn's sein musste, hat er draufgehauen. Das waren Typen, die rumgeschrieen haben.”
Wie auch Torwart Frank Rost. „Man kennt ihn ja”, sagt Schalkes Nummer 14 und erinnert sich an ein schmerzhaftes Erlebnis, das sich vor dem Pokal-Finale gegen Bayern München 2005 in der Schalker Kabine im Berliner Olympiastadion zugetragen hat: „Da hat der mir voll vors Schienbein getreten. Ich hatte keine Schienbein-Schoner an.”
Und weil er, wohl auch wegen seiner Generation, noch ein ganz anderer Fußball-Typ ist, hat er während seiner langen Reservisten-Rolle in dieser Saison nicht gejammert oder sich zufrieden zurückgelehnt – wohl wissend, dass das Geld pünktlich überwiesen wird. Er habe sich schon seine Gedanken gemacht, sagt er. „Mehr als anbieten konnte ich mich ja nicht. Aber ich denke, der Trainer hat gesehen, dass ich auch noch was kann.”
Über Vereinswechsel nicht nachgedacht
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Hat er denn sogar über einen Vereinswechsel nachgedacht? „Das ist mir nie durch den Kopf gegangen”, sagt Gerald Asamoah. „Ich bin ja ein positiver Typ.”
Genau deshalb will er die Alarm-Signale, die er erkannt hat, auch nicht als Schalker Schwarzmalerei verstanden wissen. Zumal er meint, dass es seit der Besprechung vor der Uefa-Pokal-Partie in Enschede, an der nur die Spieler beteiligt waren, Fortschritte gegeben habe. „Da hat man schon wieder gesehen, dass eine Mannschaft auf dem Platz steht”, sagt er.
Das macht ihm Mut, und darum ist Gerald Asamoah auch von einer besseren Rückrunde überzeugt. „Nicht lachen”, sagt er und lächelt, „aber ich glaube daran.”
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