500 Schalke-Fans besingen den "Platz in der Kurve"

Schalke-Fans und das WDR-Funkhausorchester zeichneten den Song „Zeig mir den Platz in der Kurve“ auf.
Schalke-Fans und das WDR-Funkhausorchester zeichneten den Song „Zeig mir den Platz in der Kurve“ auf.
Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Nach den Protesten beim Paderborn-Spiel wurde die Arena von einer besonderen Stimmung erfasst: 500 Schalke-Fans besangen den „Platz in der Kurve“

Gelsenkirchen.. Diesen Dienstagabend wird Dr. Gerd Heim niemals vergessen. Anlässlich des 50. Geburtstags des WDR macht der Sender den großen Fußballvereinen aus Nordrhein-Westfalen ein Geschenk. Mit seinem vielfach ausgezeichneten Funkhausorchester wird ein Lied aus dem Fan-Repertoire in der klassischen Version aufgenommen. Auf Schalke fiel die Wahl auf den Song „Zeig mir den Platz in der Kurve“ – das Lied, das aus der Feder von Gerd Heim stammt, 1972 hat er es geschrieben.

Gekommen waren Schalker aller Generationen

Als fast 500 Fans den Schalke-Klassiker am Dienstagabend in Block N5 singen, und das Funkhausorchester des WDR dazu spielt, sitzt Gerd Heim mit seiner Ehefrau Heidi etwas abseits des Geschehens. Schon als die ersten Töne zu hören sind, laufen die Tränen. „Es hat mich schlicht niedergehauen“, sagt Heim. Der 71-Jährige ist nicht der einzige, den die Gefühle übermannen. Sogar „Quatscher“ Dirk Oberschulte-Beckmann gibt zu: „Ich hab‘ geweint!“

Es ist in der Tat eine ganz besondere Atmosphäre, eine besonders herzliche – eben eine Liebe, die niemals endet. Ganz anders als am Samstag gegen Paderborn, als den Spielern und der Vereinsführung Wut und Ablehnung entgegenschlugen. Gekommen sind Schalker aller Generationen, über zehn Mal wird das Lied gesungen. Erst dann, nach gut anderthalb Stunden, gibt die Aufnahmeleitung grünes Licht. Das Video ist im Kasten.

Gerd Heim hat das Lied 1972 geschrieben, der pensionierte Arzt liebt die Musik ebenso wie den FC Schalke 04, er beherrscht viele Instrumente. Ein „kleine Gruppe von Fans“ habe vor über 40 Jahren angefragt, ob er nicht auf die Melodie von „Zeig mir den Platz an der Sonne“, einem Hit von Udo Jürgens, ein Schalke-Lied schreiben könne. Gerd Heim konnte. Da der Gladbecker Udo Jürgens persönlich ganz gut kennt, fragt er an. Die Zustimmung des Entertainers folgt prompt. „Ich hatte dazu einen Text schon im Kopf und habe ihn dann geschrieben. Ich glaube, dass ich keine zwei Stunden dafür gebraucht habe“, sagt Gerd Heim und lacht. Anschließend wird er in einem Gelsenkirchener Tonstudio vorstellig. Selbstverständlich muss Hans R. Beierlein, Entdecker und Manager von Udo Jürgens, den Schalke-Song noch freigeben. „Ich habe dann noch 444 Mark an Beierlein bezahlt“, erzählt Gerd Heim.

Training Am Dienstagabend singt auch Laurids mit, der kleine Schalke-Fan ist erst drei Jahre alt, Mama Doreen arbeitet auf der Schalker Geschäftsstelle. Laurids trägt ein Trikot, sein Gesicht ist blau und weiß geschminkt. Um kurz nach acht Uhr sieht der Kleine schon etwas müde aus, doch Aufgeben kommt nicht infrage, es wird weitergesungen. „Laurids hat extra einen Mittagsschlaf gemacht. Sonst würde er das nicht durchhalten“, sagt Doreen. Auch Denise ist beim FC Schalke 04 angestellt, ihr Sohnemann Jonah ist ebenfalls drei Jahre alt und dürfte „Zeig mir den Platz in der Kurve“ wohl noch im Schlaf gesungen haben.

Nach jeder Aufnahme des Schalke-Klassikers gibt es kurze Anweisungen, was beim nächsten Mal besser laufen kann. Gar nicht so einfach, bei einer Sequenz, bei der nur die Instrumente spielen, nicht zu singen. Auch wenn sich Dirigent Rolf auf dem hohen Podest vor der Nordkurve alle Mühe gibt, den Fanchor darauf hinzuweisen.

So nicht in die Sommerpause

Laura-Marie ist aus Essen gekommen. „Ich musste einfach hier hin“, sagt sie. Mit den Eindrücken, mit denen sie sich am Samstag nach dem Paderborn-Spiel aus der Arena verabschiedet hat, will sie nicht in die Sommerpause gehen. „Am Samstag war das schrecklich hier. Schalker stehen auch in schlechten Zeiten zusammen. Heute habe ich Gänsehaut vor Begeisterung“, sagt die 19-Jährige.

Einer weiß es schon seit 1972: „Manch böser Tag zog schon ins Land, doch wir steh’n immer Hand in Hand…“ Es ist Gerd Heim, Musiker und Schalker.